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Bewerber treffen Bauern (v.l.n.r.): Alwin Junker, Dr. Heinrich Weidenfeld, Maria Junker, Hans Schorn, Helmut Dahmen, Dr. Thomas Keßeler, Isabel Elsner, Dr. Arndt Kuhn und der Ortsvorsitzende Armin Ronig. Foto: KB Euskirchen

Im Gespräch bleiben

„Sie befinden sich auf einem Betrieb, den es bald in dieser Form nicht mehr geben wird“, begrüßte Alwin Junker die Landtagskandidaten von Bündnis 90/Die Grünen auf seinem Betrieb in Mechernich-Eiserfey. Er halte seine etwa 60 Milchkühe wie viele andere Familienbetriebe noch in ganzjähriger Anbindehaltung, einer Haltungsform, die nach dem Willen der Bundesregierung in den nächsten zehn Jahren auslaufen soll. Um auch künftig Milchwirtschaft betreiben zu können, müsste er im Außenbereich einen neuen Milchviehstall für etwa 150 Milchkühe bauen. Er habe sich von der Landwirtschaftskammer NRW beraten lassen. Die gehe von einem Investitionsvolumen von rund 1,8 Mio. € aus. Auch wenn sein Sohn eine landwirtschaftliche Ausbildung absolviere und den Betrieb fortführen würde, sei ihm das wirtschaftliche Risiko einer derart hohen Investition angesichts der ungewissen Ertragssituation hoch. Der Kreisbauernvorsitzende Helmut Dahmen ergänzte die Ausführungen, dass zudem die Politik keine verlässlichen Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft schaffe. Gerade im Bau- und Immissionsrecht zeige sich, dass die Anforderungen an die Tierhaltung von Politik und Lebensmitteleinzelhandel ständig verschärft würden. Für mögliche Hofnachfolger sei daher das Risiko nahezu unkalkulierbar.
Die anwesenden Landwirte äußerten auch die Befürchtung, dass in einem von den Grünen geleiteten Landwirtschaftsministerium nicht die Landwirtschaft, sondern Natur- und Klimaschutz das politische Handeln prägen würden. Dies zeige sich bereits jetzt bei den Diskussionen um die im Rahmen der GAP-Reform ab nächsten Jahr verpflichtende Stilllegung von 4 % der Ackerflächen. Daran angesichts aufgrund des Krieges in der Ukraine zu erwartender Versorgungsengpässe festzuhalten, sei ein Fehler. Hinzu komme, dass Düngemittel knapp und soweit verfügbar enorm teuer geworden seien und auch deswegen mit Ertragsrückgängen zu rechnen sei. Bedenke man noch den Flächenverbrauch für Siedlungs- und Verkehrsflächen, sei eine Stilllegung schlicht unverantwortlich. Die von den Grünen ins Feld geführten Vorteile der Stilllegung für den Klima- und Insektenschutz würden nach Auffassung der Landwirte dadurch zunichtegemacht, dass das auf den Stilllegungsflächen unkontrolliert wachsende Unkraut im nächsten Jahr mit zusätzlichem maschinellen oder chemischen Aufwand beseitigt werden müsse. Auch wenn die Politiker den Ausführungen der Landwirte nicht in allen Punkten zustimmen wollten, bestand Einigkeit, dass man sich zum Gedankenaustausch künftig regelmäßig treffen wolle.


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