Ein schwieriges Jahr

28.09.2017

Förderkreis Landwirtschaft zu Gast in Meckenheim

Rund 30 Gäste aus Politik und Verwaltung nahmen die Einladung zum Informationsaustausch an. Bedingt durch den Termin kurz vor der Bundestagswahl waren die Bundes- und Landtagsabgeordneten diesmal zahlreich vertreten.

Die Ernteausfälle im Betrieb Felten durch den Frost im April sind je nach Sorte unterschiedlich. Auf dieser Fläche sind es 80 bis 90 %. Fotos: Kirsten Engel

Seit inzwischen 27 Jahren lädt der Förderkreis Landwirtschaft (FKL) im Rhein-Sieg-Kreis und der Stadt Bonn ein, um die Belange der Landwirtschaft Politikern nahezubringen. Dabei geht es vorrangig nicht nur darum, über die moderne Landwirtschaft zu informieren. „Unser Anliegen ist es auch, die menschliche Seite zu zeigen“, erklärte Theo Brauweiler, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Bonn/Rhein-Sieg einleitend. „Also den Betriebsleiter und seine Familie vorzustellen.“ Auf dem Obstbaubetrieb der Familie Felten in Meckenheim konnte der Vorsitzende des Förderkreises am 19. September diesmal neben Fraktionsvorsitzenden des Kreistags, des Rates der Stadt Bonn und Vertretern des Berufsstandes auch endlich wieder zahlreiche Bundes- und Landtagsabgeordnete begrüßen. Auch der Landrat des Rhein-Sieg-Kreises Sebastian Schuster freute sich: „Schön, dass sich so viele Kommunalpolitiker für die Belange der Landwirtschaft interessieren.“

Der Obstbau ist prägend für Meckenheim. Bürgermeister Bert Spilles versprach in seinem Grußwort, bei der Bevölkerung für den modernen Obstbau um Verständnis zu werben. Auch wenn bei dem Termin in diesem Jahr das Ausmaß der Frostschäden im Vordergrund stand – das Thema Flächenverbrauch wurde am Rande angesprochen. Stadt Bonn und Rhein-Sieg-Kreis werden ihre Gewerbeflächenkonzepte zukünftig verknüpfen und keine einzelnen Strategien mehr bei der Gewerbeansiedlung verfolgen. Das sei mit der Kölner Regierungspräsidentin vereinbart worden, erklärte Landrat Schuster.

Die anschließende Information durch Betriebsleiter Manfred Felten und die Fahrt durch seine Apfelplantagen bot für manchen der anwesenden Politiker ungewohnte neue Einblicke. Deutlich war zu erkennen, dass einige Sorten stark unter den Spätfrösten am 19. und 20. April gelitten haben. Bei vielen Flächen hat Felten Schäden von 80 bis 90 %. „Die genaue Höhe ist erst nach der Ernte zu beziffern“, erklärte der Obstbaumeister den Politikern. Klar sei aber jetzt schon, die derzeit höheren Preise im Hofladen und im Handel mildern die Ausfälle durch die Frostschäden nur – ein Ausgleich sei es nicht.

Neben 18 ha Äpfeln baut Manfred Felten auch knapp 4 ha Erdbeeren an. Auch hier gab es Ernteausfälle von bis zu 80 % durch den Frost. Den Obstbaubetrieb hat Manfred Felten 1986 von seinem Vater übernommen. Seit Anfang der 1990er-Jahre setzen er und seine Frau auf die Direktvermarktung. Im Hofladen erwirtschaftet die Familie 80 % des Gewinns. Sohn Matthias-Michael absolviert derzeit eine Obstbaulehre. Auch mit Blick auf dessen Betriebsnachfolge würde Manfred Felten gerne in Hagelnetze oder Frostschutz investieren. Allerdings sei beispielsweise eine Frostschutz-Windanlage durch die nahe Wohnbebauung nicht möglich. Hier wünscht er sich mehr Verständnis von den Bürgern hinsichtlich der Lärmbelästigung.

Abschließend gab der Berufsnachwuchs traditionell noch einen Überblick über das Erntejahr. Auch im Ackerbau war das Jahr 2017 durch ungewöhnliche Witterungsbedingungen geprägt. „Den Beständen fehlte aufgrund von Trockenheit die Zeit zur Ertragsbildung, schilderte der Staatlich geprüfte Agrarbetriebswirt Matthias Brünker aus Swisttal-Hohn die Situation. Abhängig vom Standort seien die Erträge um 10 bis 50 % niedriger als im mehrjährigen Schnitt ausgefallen. „Wir hoffen auf die Zuckerrüben“, so der Junglandwirt. Die schwierige Situation in der Milcherzeugung schilderte Frank Oberdörster aus Neunkirchen-Seel­scheid: „Die Erzeugerpreise lagen zeitweise bei 20 ct/kg. Auch wenn sie jetzt bei 33 bis 37 ct/kg liegen – viele Milcherzeuger haben ihre Altersversorgung aufgebraucht.“ Der 22-Jährige ist Staatlich geprüfter Agrarbetriebswirt und hofft, den elterlichen Betrieb mit 200 Milchkühen und drei Melkrobotern fortführen zu können. Obstbaumeister Michael Manner aus Meckenheim schilderte abschließend die Situation im Gartenbau. Er bestätigte die Angaben von Manfred Felten.  Problematisch sei außerdem, dass derzeit noch die alte Ernte aus dem Lagerbestand sehr günstig verkauft werde: „Geschmacklich eine Katastrophe.“ Für den Bereich Baumschule wies der 34-Jährige darauf hin, dass es zunehmend schwieriger werde, Fachkräfte und Auszubildende zu finden.

„Die Politik ist gefragt, schlechte Jahre zu überbrücken“, das war ein Thema der anschließenden Diskussion. Dem schlossen sich auch die anwesenden Politiker an. Sie zeigten sich beeindruckt darüber, wie viele junge Leute noch Landwirt werden wollen. Gleichzeitig wurde deutlich, wie wichtig Fürsprecher in der Politik sind, gerade auch, wenn es um Genehmigungsverfahren geht.