Mit- statt gegeneinander

20.07.2017

BUND und Landwirte in Düren im Gespräch

Wollen kooperativ im Gespräch bleiben (v.l.n.r.): Cord Meyer, Paul Kröfges, Jörg Kemmerling und Erich Gussen.

Rund 40 Landwirte, BUND-Mitglieder und Bürger besuchten das „Politik-Forum“. Fotos: Andrea Hornfischer

Um ein gutes Mitei­nan­der und stärkere Kooperation ging es bei der Diskussionsveranstaltung „Nitrat – Giftalarm für unser Grundwasser“ am Donnerstagabend vergangener Woche im Haus der Landwirtschaftskammer in Düren. Die Veranstaltung fand im Rahmen der Reihe „Forum Politik“ statt, zu der die Evangelische Gemeinde zu Düren, der Kirchenkreis Jülich, die Evangelische Kirche, die Kirche im Bistum Aachen, der Katholikenrat, der BUND Kreisgruppe Düren sowie der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) eingeladen hatten. Auch zahlreiche Landwirte waren unter den rund 40 Zuhörern. „Wir sehen uns als Unterstützer der Landwirtschaft. Die schlimmen Bilder in meinem Vortrag richten sich nicht gegen die hier anwesenden Landwirte“, stellte Paul Kröfges vom BUND NRW, Arbeitskreis Wasser, vor seinem Impulsreferat klar. Die Forderung des BUND war dann aber doch deutlich: „Stoppt die Gülleverschmutzung – schützt unser Grundwasser!“ Für gefährdete Gebiete forderte er einen kompletten Dünge-Stopp – zumindest für eine gewisse Zeit, bis sich die Werte erholt hätten.

Einige Behauptungen musste Erich Gussen, Vizepräsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV) und Vorsitzender der Kreisbauernschaft Düren sowie Kreislandwirt, dann doch richtigstellen. „Natürlich wird die Nährstoffbilanz kontrolliert und zwar von der Landwirtschaftskammer NRW. Und entgegen Ihren Behauptungen haben wir laut des Nitratberichtes 2016 eine abnehmende Tendenz beim Nitrat – keine steigende!“, hob er hervor. Mit negativen Zahlen, wie bei Transporten, könne man Angst bei den Bürgern erzeugen. Gussen wies auch da­rauf hin, dass die Ausbringungstechnik für organische Dünger wesentlich emissionsärmer geworden sei und die Landwirtschaft sich auch hier immer weiter verbessere. Weiterhin betonte er, dass die Region um Düren in einem Regenschattengebiet läge und sich das Nitrat dann konzentriere, anstatt zu verdünnen. Auch diese Faktoren spielten eine Rolle.

Auf dem Podium diskutierten RLV-Vizepräsident Erich Gussen, Cord Meyer von den Stadtwerken Düren und Jörg Kemmerling von der WLZ Neffetal. „Wir haben eine Agrarlobby, aber keine Wasserlobby“, wetterte Cord Meyer. Für ihn ist die Landwirtschaft ganz klar der Verursacher für die Nitratbelastungen im Grundwasser. Gleichzeitig betonte er aber auch, dass Lebensmittel mehr Wertschätzung erfahren müssten, und kritisierte die „Billig-Billig“-Mentalität vieler Deutscher. „Wir müssen nicht mehr darüber reden, dass Nitrat ein Problem ist. Die Frage ist, wie wir es angehen“, hob Jörg Kemmerling hervor. Er stellte klar, dass die Trinkwasserverordnung immer eingehalten werde und das Wasser aus dem Hahn immer bedenkenlos genießbar sei. Landwirte sollten für höhere Umweltleistungen bezahlt werden, forderte er.

Viele Landwirte, die vor Ort waren, meldeten sich zu Wort und erläuterten, was sie bereits in der Wasserkooperation leisten, etwa mit Zwischenfruchtanbau, vielfältiger Fruchtfolge und vielem mehr. Viele anwesende Bürger waren ganz überrascht von diesem Engagement und begrüßten dies. Ein Landwirt erläuterte auch, dass bestimmte Maßnahmen, die gut für die Biodiversität sind durchaus negativ für das Grundwasser sein können. Die Zusammenhänge seien nun mal sehr komplex und nicht durch einfache Vorschläge zu lösen.

Der Abschluss war überaus harmonisch: In ihren Statements wiesen alle Diskussionsteilnehmer da­rauf hin, dass sie gerne kooperieren wollen und die Wasserkooperation intensivieren möchten.