Was bewegt die Landwirtschaft?

07.09.2017

Ein FAZ-Redakteur befragte Dürener Landwirte zur Stimmung vor der Bundestagswahl

Diskutierten mit FAZ-Redakteur Timo Steppat (im Foto r.): Robert Knops, Rainer Hoffmann, Karl-Heinz Steffens und Erich Gussen (v.l.n.r.).

Nach dem Gespräch stellten die Dürener Landwirte dem Redakteur den Milchviehbetrieb der ­Familie Knops in Nörvenich vor. Fotos: Andrea Hornfischer

Das hat man selten, dass die Medien auf die Landwirtschaft zukommen und nach der Stimmung fragen. Umso mehr haben sich die Landwirte der Kreisbauernschaft Düren gefreut, als Timo Steppat, Politik-Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), auf sie zukam, um sie nach ihrer Situation vor der Bundestagswahl zu befragen. Bei einer außerordentlichen Vorstandssitzung am Mittwoch vergangener Woche in Düren mit anschließender Besichtigung des Milchviehbetriebs von Robert Knops fing der FAZ-Redakteur die Stimmung vor der Wahl ein. Es diskutierten mit: Erich Gussen aus Jülich, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Düren und Vizepräsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV), Robert Knops aus Nörvenich, Rainer Hoffmann und Karl-Heinz Steffens, beide aus Hürtgenwald. Steppat wird verschiedene gesellschaftliche Gruppen für die FAZ befragen.

Höhere Auflagen in Deutschland

„Welche Themen bewegen die Landwirte aktuell? Welche Forderungen und Erwartungen hat der landwirtschaftliche Berufsstand an eine zukünftige Politik und welche Entwicklungen stören Sie, auch unabhängig von der Landwirtschaft?“ waren nur einige der Fragen, die die Landwirte diskutierten. Viele Politiker kritisierten die landwirtschaftlichen Strukturen, würden aber als Lösung nur Direktvermarktung für alle Verbraucher anbieten, so die Dürener Landwirte. „Wenn allein nur alle Kölner in Hofläden einkaufen gehen würden, bekommen wir eine „Verkehrswende anstatt einer Agrarwende“, sagte Erich Gussen mit einem Augenzwinkern. „Der Weltmarkt bestimmt die Preise. Wenn in China ein Sack Reis umfällt, hustet die Weltwirtschaft“, machte Milchviehhalter Karl-Heinz Steffens gegenüber dem Journalisten deutlich. Kritisch sieht Robert Knops, dass deutsche Landwirte oft strengere Auflagen einhalten müssen als die übrigen europäischen Berufskollegen. „Das ist ein Wettbewerbsnachteil für uns. Gleiche Regeln für alle wären hier sinnvoll. Deutschland schießt oft übers Ziel hinaus“, hob er hervor.

Auch Ärgernisse über Politiker wurden besprochen. Als Unverschämtheit empfand Karl-Heinz Steffens beispielweise, als der damalige NRW-Landwirtschaftsminister Johannes Remmel in der Öffentlichkeit davon abriet, den Beruf des Landwirts zu erlernen. „Junge Landwirte haben großartige Berufschancen. Außerdem ist der Beruf wichtig für die Ernährung der Gesellschaft und für die Pflege der Kulturlandschaft“, stellte er klar.

Bei der Frage, was die Landwirte wählen würden, ging es offen zur Sache. „Wir fühlen uns bei den großen Volksparteien gut vertreten. Viele Landwirte wählen auch CDU oder FDP“, so Gussen. Landwirte seien gerne im Umweltschutz aktiv, aber würden nur selten grün wählen, da in der Vergangenheit oft der Eindruck entstanden sei, dass die Grünen von oben herab mit erhobenem Zeigefinger Entscheidungen aufdrücken wollten. „Die Verordnungen des grünen Landwirtschaftsministeriums waren für uns auch oft eine wirtschaftliche Herausforderung“, kritisierte Milchviehhalter Rainer Hoffmann.

Politiker informieren

„Vor der Bundestagswahl laden wir die Kandidaten aller Parteien auf unsere Höfe ein, informieren sie über die hiesige Landwirtschaft und diskutieren mit ihnen. Wir bleiben dabei mit allen Parteien im Gespräch – das ist unsere Aufgabe als Interessenvertreter“, betonte Erich Gussen. „Viele Abgeordnete haben sich nach einem Hofbesuch bedankt, dass sie viel über Landwirtschaft erfahren hätten, was sie noch nicht wussten, und ihren Blick auf die Landwirtschaft ändern konnten“, so Gussen.