Rund ums Geld

23.02.2017

Tag der Landwirtschaft in Euskirchen

Freuten sich über einen gelungenen Tag der Landwirtschaft (v.l.n.r.): Paul-Heinz Müller, Geschäftsführer der Kreisbauernschaft Euskirchen, Hans-Josef Schorn, Rainer Santema, Leiter Sparkassen-FirmenCenter Euskirchen, Holger Glück, ­Claudia Brendt, Dr. Bernd Lüttgens und Ralf Stephany.

Knapp 70 Landwirtinnen und Landwirte nahmen am Tag der Landwirtschaft teil. Fotos: Marilena Kipp

Förderprogramme für Agrarkunden, die Agrarpolitik 2020 und steuerliche Besonderheiten bei der Betriebsübergabe – das waren die drei großen Themenblöcke beim Tag der Landwirtschaft in Euskirchen. Knapp 70 Teilnehmer erschienen zu der von der Kreisbauernschaft Euskirchen und der Kreissparkasse Euskirchen organisierten Veranstaltung am Dienstag vergangener Woche. Sehr zur Freude von Hans-Josef Schorn: „Das zeigt uns, dass diese Veranstaltung angenommen wird. Wir vertrauen in diesen schwierigen Zeiten auf ehrliche Diskussionen mit allen und hierzu gehören natürlich auch die Banken“, erklärte der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Euskirchen. „Landwirtschaft liegt uns am Herzen“, bestätigte auch Holger Glück, Mitglied des Vorstandes der Kreissparkasse Euskirchen.

Förderprogramme

Bei verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten und Förderprogrammen den Durchblick zu behalten, ist gar nicht so leicht. Das weiß auch Claudia Brendt, Direktorin der Förderberatung Rheinland der NRW.BANK. „Es geht darum, die Finanzierung so günstig wie möglich durch Förderprogramme zu gestalten“, erklärte sie. Gerade im Moment seien die Zinssätze so günstig wie noch nie. „Wenn man investieren will, dann sollte man sich jetzt die günstigen Sätze sichern“, lautet ihre Empfehlung.

Die Landwirtschaftliche Rentenbank hat hierbei verschiedene Förderprogramme in petto. „Es gibt vier Modelle für die Landwirtschaft. Die Basisinfos sind für alle gleich.“ Die Programme heißen Wachstum, Nachhaltigkeit, Liquiditätssicherung und Produktionssicherung. Während das Programm „Nachhaltigkeit“ zum Beispiel Bauvorhaben zum Thema Tierwohl wie einen neuen Stall oder auch neue Gülleausbringungstechnik fördert, richtet sich das Programm „Liquiditätssicherung“ an Betriebe, die unter starken Ertragseinbußen leiden. „Bei mindestens 30 %igen Ertragseinbußen kann man das Programm beantragen“, erklärte Brendt. „Es ist das einzige Programm, bei dem eine vorzeitige Rückzahlung möglich ist.“ Besonders wichtig sei es jedoch, vor einer Investition oder Anschaffung mit der Sparkasse zu sprechen, um ein sogenanntes aktenkundiges Finanzgespräch vorweisen zu können. Erst dann können nächste Schritte unternommen werden.

Agrarpolitik 2020

Wohin läuft die Diskussion um die Neuausrichtung der Agrarpolitik? Eine spannende Frage, um die sich der Vortrag von Dr. Bernd Lüttgens drehte. Der stellvertretende Geschäftsführer des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV) sieht einige Herausforderungen auf die Landwirtschaft zukommen. „Der Brexit macht die zukünftige Agrarpolitik schwierig. Man stellt sich die Frage: Wie geht es mit Europa weiter?“ Auch die EU-Subventionen seien ein Faktor, der sich in den nächsten Jahren ändern könnte. „Wir dürfen nicht vergessen, dass die Direktzahlungen einen großen Teil des Einkommens landwirtschaftlicher Betriebe ausmachen. Doch auch hier ist die Situation oft zwiegespalten. Wenn betrieblich alles gut läuft, hört man oft, dass man auf sie verzichten könne. Doch wenn die Preise runtergehen, ist man froh, dass man sie hat.“ Lüttgens forderte die Anwesenden dazu auf, selbst Einfluss auf die Zukunft der Agrarpolitik zu nehmen. Die Teilnahme an der Umfrage zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der Europä­ischen Kommission, die noch bis Anfang Mai läuft, sei ein Muss für jeden Landwirt.

Hofübergabe aus steuerlicher Sicht

„Man muss sich innerhalb der Familie immer auf Augenhöhe treffen und offen mitei­nan­der reden.“ Dies ist laut Ralf Stephany, Geschäftsführer der PARTA Buchstelle für Landwirtschaft und Gartenbau GmbH in Bonn, das Allerwichtigste, wenn es um die lebzeitige Betriebsübergabe geht. Stephany klärte die Teilnehmer über Einkommensteuer, Umsatzsteuer sowie Erbschaft- und Schenkungsteuer auf und konnte viele hilfreiche Tipps geben. Muss ich meinen Betrieb komplett übergeben oder kann ich etwas zurückbehalten? Was ist, wenn die Kinder nicht weitermachen möchten? Wie sieht es aus mit der Pflege? Das sind Fragen, die Eltern in einer solchen Situation beschäftigen und die mit professioneller Hilfe gelöst werden.

Auch typische Fallen konnten aufgedeckt werden. „Ein klassisches Beispiel ist das Wohnen auf dem Hof. Die Übernehmer wohnen entgeltlich in einer dafür auf Eigenkosten renovierten Wohnung, die aber zum steuerlichen Betriebsvermögen gehört. Nach der Hofübergabe gibt es dann höchstens die Möglichkeit, die Wohnungen zu tauschen, was aber zu großen Konflikten innerhalb der Familie führen kann. Ich empfehle hierbei immer, die Wohnung früh genug ins steuerliche Privatvermögen zu übernehmen. Damit spart man sich später viele Probleme.“ Letztlich legte Stephany den Zuhörern ans Herz, eine Hofübergabe immer rechtzeitig zu planen und feste Absprachen innerhalb der Familie zu treffen.