Erntedank in Heinsberg

20.10.2016

Mehr Wertschätzung für die Landwirte und regional erzeugte Lebensmittel gefordert

Stellvertretend für den Landrat und den Bürgermeister der Stadt Heinsberg nahm dessen Vertreter Albert Heitzer (M.) den Erntekorb von der Landfrauenvorsitzenden Ulrike Kamp und von Bernhard Conzen, Kreisbauernvorsitzender und RLV-Präsident, entgegen.

Eine gelungene Dekoration – dafür gab es viel Lob für die Heinsberger Landfrauen. Fotos: Kirsten Engel

Im zweijährigen Turnus findet das traditionelle Erntedankfest der Kreisbauernschaft Heinsberg statt. Auch wenn einige Gäste der Verwaltung durch die Teilnahme an einer Beerdigung verhindert waren – so war der Empfang vergangene Woche Freitag in der Stadthalle wieder gut besucht. Etwa 100 Vertreter aus Politik, Verwaltung, aus Institutionen, Organisationen und Berufsstand waren gekommen, da­runter auch der Bundestagsabgeordnete Wilfried Oellers und der Landtagsabgeordnete Bernd Krückel. Bernhard Conzen, Kreisvorsitzender und Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV), rückte die Lage der Landwirtschaft in den Mittelpunkt seiner Ansprache. Vielfach herrsche Existenzangst statt Zuversicht beim Blick in die Zukunft. „Bauern sind zu einer Minderheit in der Gesellschaft geworden, die immer wieder Anfeindungen ausgesetzt ist.“ Die fehlende Anerkennung für die geleistete Arbeit sei fast noch schlimmer als eine nicht angemessene Entlohnung.

Conzen machte Mut weiterzuwirtschaften und für die bäuerlichen Werte zu stehen. „Landwirtschaft hat Zukunft, Landwirtschaft ist die Zukunft.“ Die heimliche Liebe der Mitmenschen zum Land müsse man nutzen. Als gute Beispiele für Öffentlichkeitsarbeit nannte der RLV-Präsident die Plakataktion „Wir machen …“ und die 1. Heinsberger Höfetour. In diesem Sinne warb er dafür zu zeigen, was man tut, aber ohne es romantisch zu verklären wie in einem Bilderbuch. Im Anschluss ehrte er 15 Landwirte aus dem Kreis Heinsberg für 25 Jahre besondere Verdienste für die rheinische Landwirtschaft mit der Silbernen Verbandsnadel des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes.

„Danken hat auch etwas mit denken zu tun.“ Der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Heinsberg Albert Heitzer ging in seiner Rede da­rauf ein, dass selten darüber nachgedacht werde, wo das, was wir essen, herkommt – Äpfel aus Chile oder Knoblauch aus China. Der Dank gehe damit, so Heitzer, auch auf Kosten der Ökosysteme. Vor dem Hintergrund der aktuell schwierigen Situation verurteilte er die „Geiz ist geil“-Mentalität vieler Verbraucher. „Den Landwirten steht mehr zu als das, was sie derzeit bekommen.“

Das Schlusswort gehörte der Vorsitzenden der Landfrauen des Kreises Heinsberg, Ulrike Kamp. Und sie sprach vielen aus der Seele, als sie fragte: „Bedeutet Erntedank nicht auch Wertschätzung?“ Sie bezog sich auf ein Ergebnis aus der aktuellen Bäuerinnen-Befragung. Danach ist es für jede dritte Bäuerin eine große Belastung, dass die Landwirtschaft in den großen Medien an den Pranger gestellt wird. „Landwirtschaft ist eben nicht das, was man vom Sofa aus sieht“, betonte Kamp. Die Landfrauenvorsitzende forderte eine höhere Wertschätzung derer ein, die in der Landwirtschaft arbeiten.