Es geht nur miteinander

09.11.2017

Infoveranstaltung zur Afrikanischen Schweinepest in Düren

Hielten viele Informationen rund um die ASP bereit (v.l.n.r.): Paul-Christian Küskens, Dr. Sandra Blome, Helmut Dahmen, Richard Hansen und Peter Markett.

Volles Haus in Düren: Rund 280 Landwirte und Jäger waren zur ASP-Infoveranstaltung gekommen. Fotos: Dr. Elisabeth Legge

Wenn es um die Afrikanische Schweinepest (ASP) geht, dann ist der Informationsbedarf bei Landwirten und Jägern groß. Und entsprechend groß war auch die Resonanz auf die Infoveranstaltung rund um die ASP, zu der die Kreisbauernschaften und Kreisjägerschaften der Kreise Aachen, Düren, Euskirchen und Heinsberg am Montag dieser Woche in das Gebäude der Landwirtschaftskammer nach Düren eingeladen hatten. Rund 280 Teilnehmer, der größte Teil davon Jäger, waren gekommen.

„Gerade weil wir eine Wildschweine dichte Region sind, sehen wir die Gefahr einer Einschleppung dieser Seuche in unsere Bestände, egal ob Wildschweine- oder Hausschweinebestände, mit großer Sorge“, stellte Paul-Christian Küskens, Vizepräsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV), bei der Begrüßung fest. Denn zum einen würde man die Seuche so schnell nicht wieder loswerden, weil es keinen Impfstoff gebe. Und zum anderen müssten bei Nachweis von ASP die Wildschweinebestände drastisch reduziert werden. „Es gilt also zusammenzuarbeiten, um zu verhindern, dass das gefährliche Virus bei uns eingeschleppt wird“, so der klare Appell des RLV-Vizepräsidenten an die anwesenden Landwirte und Jäger.

Stabiles Virus

Die ASP stellt jedenfalls die Wissenschaft vor große Herausforderungen. Das wurde im Vortrag von Dr. Sandra Blome, Leiterin des Nationalen Referenzlabors für Afrikanische Schweinepest des Friedrich-Loeffler-Instituts, deutlich. Es würde zwar an einer Impfstoffentwicklung gegen das Virus gearbeitet, aber diese stecke nach wie vor in den Kinderschuhen. „Es handelt sich um ein komplexes und behülltes DNA-Virus, völlig anders als die Klassische Schweinepest, und zudem ist dieses Virus sehr stabil“, erläuterte die Virologin. Leider seien auch häufig keine klaren Symptome bei dieser Krankheit zu erkennen. Infizierte Schweine entwickelten sehr schwere, aber unspezifische Allgemeinsymptome. In der Regel zeigten die erkrankten Tiere aber hohes Fieber. „Die ASP ist eine normale Schweineseuche, allerdings mit einer hohen Mortalität“, stellte die Expertin fest. Bei Ausbruch in den Hausschweinebeständen würden 100 % der Tiere sterben.

Blome geht davon aus, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis die ASP auch in Deutschland auftritt. „Die Gefahr der Einschleppung dieser Seuche aus anderen Ländern ist groß“, so die Wissenschaftlerin. Vorbeugung sei daher dringend notwendig und hierzu zählt sie unter anderem eine Reduzierung der Wildschweinebestände, bevor es zu einem Ausbruch kommt. Hier müsse man über eine verstärkte Bejagung dringend nachdenken. Blome wies in diesem Zusammenhang auf die erfolgreiche Bekämpfung der ASP bei Wildschweinen in Tschechien hin. Hier hätten Maßnahmen, wie rigorose Jagd – verbunden mit Prämiensystem – und Wildschweinzäune offenbar zur Tilgung der Seuche geführt. Ob ein solches Vorgehen auch in Deutschland funktionieren würde, bezweifelte Blome.

An einer intensiven Schwarzwildbejagung geht kein Weg vorbei. Davon zeigte sich auch Peter Markett, Wildmeister und beratender Berufsjäger NRW, überzeugt. „Die Wildschweinpopulation hat sich regelrecht hochgeschaukelt“, so der Experte. Kein Wunder, denn die Wildschweine hätten ideale Lebensbedingungen durch ganzjährig ausreichende Nahrung sowie ein mildes Klima. „Vielleicht haben wir auch jagdlich nicht so gehandelt wie es richtig gewesen wäre“, räumte der Berufsjäger ein. Dabei bringe der hohe Schwarzwildbestand drei große Probleme mit sich, und zwar nicht nur die Gefahr eines ASP-Ausbruchs, sondern auch das verstärkte Auftreten von Wildschweinschäden auf Grünland- und Ackerflächen sowie das zunehmende Auftreten von Wildschweinen in Wohngebieten und auf Straßen.

Frischlinge bejagen!

„Es ist also höchste Zeit zu handeln“, so Markett. Er appellierte in diesem Zusammenhang für eine zeitgemäße Schwarzwildbejagung. „Es gilt zahlenmäßig Strecke zu machen und es muss unter Berücksichtigung der Sozialstruktur gejagt werden“, betonte der Berufsjäger und fügte hinzu: „Die Frischlinge müssen bejagt werden, und zwar bei jeder Gelegenheit. Frischlinge unter zwölf Monaten sind der Motor der Population, denn sie sind in erster Linie für die starke Vermehrung verantwortlich.“ Effektive Bejagung könne es darüber hi­naus nur durch revierübergreifende Drückjagden geben. Diese ermöglichten viel Strecke in kurzer Zeit. Markett wartete hierzu mit interessanten Zahlen aus der Interessengemeinschaft Drückjagd im Davert Hochwildring im Münsterland auf. 13 Reviere mit rund 2 800 ha umfasst diese Interessengemeinschaft. „Bei einer unserer Drückjagden konnten wir 177 Stück Schalenwild in vier Stunden erlegen“, berichtete der Wildmeister. Das Erfolgsgeheimnis: Das Wild wurde dabei vermehrt den Schützen vorgeführt.“ Wichtig sei es, dass in allen Revieren gleichzeitig Unruhe herrsce, so Markett.

Diese Drückjagden müssten aber sorgfältig und fachgerecht geplant und durchgeführt werden, hierzu gehöre auch eine Vor- und eine Nachbesprechung. „Wichtig ist, dass die Jägerschaft mitei­nan­der anstatt überei­nan­der redet“, so Markett. Er hält einen Zusammenschluss von Revieren zu Jagdgemeinschaften für dringend erforderlich. An die Landwirte appellierte er, Bejagungsschneisen anzulegen und Zwischenfrüchte in der Jagdzeit herunterzuwalzen, damit das Schwarzwild hier keine Deckung findet.

Revierübergreifende Drückjagden ja oder nein? Diese Frage wurde von den Anwesenden heftig diskutiert. Grundsätzlich war eine Bereitschaft dazu da. Allerdings wünschen sich die Beteiligten hier eine bessere Kommunikation vor allem mit dem Nationalpark Eifel und dem Staatsforst.

Gezielt Jagdpächter aussuchen

Was kann die Landwirtschaft in Sachen Schwarzwildbekämpfung tun? Eine ganze Menge, wie Helmut Dahmen, Milch­erzeuger aus Mechernich-Lorbach berichtete. Der Antoniushof der Familie Dahmen liegt unweit vom Nationalpark Eifel und zusätzlich dazwischen liegen eine ehemalige Mülldeponie und ein Bergwerksgelände. „Die großen Wildschäden in unserem Bereich, die bei 15 000 bis 20 000 € gelegen haben, gehören inzwischen der Vergangenheit an. Es gibt keine Wildschäden mehr“, erläuterte der Landwirt, der auch Mitglied in einer Jagdgenossenschaft ist. Dahmen appellierte an die Jagdgenossenschaften, gezielt die Jagdpächter auszuwählen. „Generell sollte so lange gesucht werden, bis man den richtigen Jäger findet“, betonte der Landwirt. Außerdem müssten vernünftige Regelungen zu Wildschäden mit den Jagdpächtern getroffen werden. „Wenn Wildschäden gedeckelt werden, wie in der Vergangenheit zum Teil geschehen, läuft man Gefahr, dass irgendwann überhaupt keine Bejagung mehr auf Wildschweine gemacht wird“, so Dahmens Erfahrung. Eindringlich appellierte er an die Landwirte und Jagdpächter, mitei­nan­der zu kommunizieren und gut zusammenzuarbeiten.
Abschließend rief auch Richard Hansen, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Düren, die anwesenden Landwirte und Jäger zu einem besseren Mitei­nan­der auf. „Wir müssen verbindlich mitei­nan­der sein und einen Ehrenkodex entwickeln. Wenn wir das hinkriegen, bekommen wir auch das Wildschweinproblem in den Griff.“