"Unsere Produktion muss stabil bleiben!"

19.11.2015

Gerd Sonnleitner sprach beim Landwirtschaftsabend in Erkelenz

Freuten sich über die gelungene Premiere des Landwirtschaftsabends der Kreissparkasse und der Kreisbauernschaft Heinsberg (v.l.n.r.): Agrarkundenberater Georg Schlipper, Dr. Richard Nouvertné, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse, Gerd Sonnleitner, Sparkassendirektor Thomas Pennartz, Katharina Schmitz, Geschäftsführerin der Kreisbauernschaft, und Bernhard Conzen.

Zog die Zuhörerinnen und Zuhörer in seinen Bann: Gerd Sonnleitner.

Gute Resonanz: Rund 200 Landwirtinnen und Landwirte kamen zum ersten Landwirtschaftsabend nach Erkelenz. Fotos: Dr. Elisabeth Legge

Eine Premiere und ein besonderer Referent. Wenn eine Veranstaltung unter diesen Vorzeichen steht, dann ist eigentlich ein guter Besuch vorprogrammiert. Und so war es auch beim ersten Landwirtschaftsabend, zu dem die Kreissparkasse Heinsberg und die Kreisbauernschaft Heinsberg am Dienstag vergangener Woche eingeladen hatten. Insgesamt 200 Landwirtinnen und Landwirte konnten Thomas Pennartz, Direktor der Kreissparkasse Heinsberg, und Bernhard Conzen, Vorsitzender der Kreisbauernschaft, dazu in der Kreissparkasse Erkelenz begrüßen. „Landwirtschaft ist ein Thema, das auch unsere Sparkasse beschäftigt. Wir sind alle der Landwirtschaft verbunden und wissen, was die Landwirtschaft hier in der Region leistet. Und wir wissen, wie schwer Ihre Lobbyarbeit ist“, betonte Pennartz bei der Begrüßung.

Grundbedürfnis Nahrung ist gefährdet

Die Landwirtschaft ist gefordert und sie steht vor großen Herausforderungen. Dies machte auch der Redner des Abends, Gerd Sonnleitner, deutlich. Und der Ehrenpräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV) sowie UN-Sonderbotschafter der bäuerlichen Familienbetriebe fand dabei klare Worte und hielt nicht mit der Kritik an Politik und Gesellschaft hinter dem Berg. „Die Landwirtschaft hat in erster Linie eine Aufgabe: Sie muss die Nahrungsmittelproduktion sicherstellen und dies bei einer steigenden Weltbevölkerung. Und dieses Grundbedürfnis ist gefährdet“, betonte Sonnleitner. Die Welt werde unruhiger, wodurch die Nahrungsmittelproduktion erschwert werde.

Deutliche Kritik übte dabei der ehemalige DBV-Präsident, der insgesamt 15 Jahre an der Spitze des Verbandes stand, an der Umweltpolitik. Für den Umweltschutz müsse immer mehr landwirtschaftliche Fläche aufgegeben werden. Insbesondere in Deutschland sei der Flächenverbrauch enorm. „Aber können wir uns langfristig überhaupt noch so viel Ausgleichs- und Ersatzflächen leisten? Wir Bauern haben auch eine Verantwortung zur Nahrungssicherheit“, stellte Sonnleitner unmissverständlich fest. Und wie reagieren die Politik und die Öffentlichkeit darauf? Sonnleitner: „Sie macht der Landwirtschaft das Leben schwer.“ Immer wieder werde Kritik an der Professionalität der Landwirtschaft geübt. „Aber nur durch unsere hohe Professionalität können wir auch die Umwelt schützen“, hielt der DBV-Ehrenpräsident fest.

Immer mehr Auflagen würden den Bauern gemacht, die die Produktionsfähigkeit einschränkten, so der Referent weiter. Hierbei sei häufig von den Klimaschutzzielen die Rede. „Ich bin dagegen, dass man alle Auflagen mit Klimawandel und CO2-Erhöhungen begründet“, betonte Sonnleitner. „Wer den CO2-Gehalt reduzieren will, muss die landwirtschaftliche Produktion nicht senken, sondern vielmehr steigern“, sagte Sonnleitner. Stattdessen würden aber die Umweltverbände immer mehr die Extensivierung der Produktion vorantreiben, was im globalen Maßstab ein Frevel an der Natur sei und die Probleme der Welternährung noch verstärke.

„Wir müssen global denken“, forderte Sonnleitner. Dafür sei die Erdkugel in einen Nord- und einen Südteil einzuteilen. Europa müsse dabei seine Produktion unbedingt aufrechterhalten. „Hier ist unsere Landwirtschaft auch in einer Verantwortung gegenüber den armen Ländern“, betonte der UN-Botschafter für landwirtschaftliche Familienbetriebe. In puncto Nahrungsmittelproduktion müssten Politik und Gesellschaft unbedingt umdenken. „Wir brauchen hier bei uns die Stabilität unserer landwirtschaftlichen Produktion. Keine Tonne Getreide, kein Liter Milch oder kein Kilogramm Fleisch darf weniger produziert werden als bisher“, betonte Sonnleitner. Wenn in Politik und Gesellschaft ein Umdenken stattfinde und die Arbeit der Bauern mehr geschätzt werde, könnten 12 Mrd. Menschen im Jahr 2050 ernährt werden, gab sich der DBV-Ehrenpräsident optimistisch.

 Langsam wachsen

In der anschließenden Diskussion appellierte er insbesondere an die Jugend, die Wachstumsschritte in ihren Betrieben langsam anzugehen. „Man kann nur so viel investieren, wie man überschauen kann. So habe ich es auch immer gehandhabt“, erläuterte der Landwirt, der in der Nähe von Passau einen 100 ha großen Ackerbaubetrieb bewirtschaftet.

Natürlich wurde im Rahmen der Diskussion auch die aktuelle Situation am Milchmarkt angesprochen. In einem offenen Markt Regelungen zur Begrenzung zu schaffen, sei schwierig umzusetzen, stellte hierzu Sonnleitner fest und berichtete in diesem Zusammenhang über seine Erfahrungen und Gespräche im Bundeskanzleramt. Mit der Volatilität der Märkte müssten die Landwirte leben. Es spiele sich aber ein. „Wenn Märkte sich bewegen, ist es unter dem Strich für die Landwirte besser. Das hat die Erfahrung in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt“, hielt Sonnleitner abschließend fest.