Spannungsfeld Landwirtschaft und Umwelt

15.09.2016

Kreisbauernschaft Kleve lädt Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks ein auf den Nierswalder Kuhhof

Die Ministerin (r.) als aufmerksame Zuhörerin (v.l.n.r.): Annette und Reiner Hans, Dr. Heidrun Kleinert aus dem Bundesumweltministerium, Josef Peters und David Michalowski von der Kreisbauernschaft Kleve.

Engagierte Betriebsleiter: Reiner und Annette Hans stellten Bundesumweltministerin Barbara Hendricks ihren Betrieb vor.

Einladung der Kreisbauernschaft Kleve: Kreisvorsitzender Josef Peters zeigte der Ministerin die Sorgen der Landwirte auf. Fotos: Christiane Närmann-Bockholt

„Es gibt viele Berührungspunkte, über die wir mitei­nan­der ins Gespräch und ins Geschäft kommen müssen.“ Das machte Dr. Barbara Hendricks deutlich, nachdem sie am Montag dieser Woche zu einem Besuch auf dem Nierswalder Kuhhof in Goch eingetroffen war. Die Bundesumweltministerin, die ihren Wahlkreis in Kleve hat, war einer Einladung der Kreisbauernschaft Kleve gefolgt und wurde vom Kreisvorsitzenden Josef Peters auf dem Hof der Familie Hans begrüßt.

Milchvieh und Biogas

Annette und Reiner Hans, die den Milchviehbetrieb zusammen mit der Familie Resing als Nierswalder Milch KG führen, begleiteten die Ministerin durch ihren Betrieb. Schwerpunkt ist die Milchviehhaltung mit 170 Kühen und daneben der Betrieb einer 250 kW-Biogasanlage, die auf Basis von Rindergülle und Maissilage Strom und Wärme für einen benachbarten Gartenbaubetrieb erzeugt. Das Ehepaar stellte zwei Bauvorhaben vor, die es in Kürze umsetzen will. Geplant ist der Neubau eines Melkstands mit 2 x 11 Plätzen, der den jetzigen, aus dem Jahr 1983 stammenden Doppel-Fünfer, Melkstand ersetzen soll. Darüber hi­naus ist ein Erweiterungsbau des Kuhstalls geplant, der vor allem im Sinne von Tierwohl den Kühen mehr Platz und Komfort bieten soll.

Bundesumweltministerin Hendricks, die in Begleitung von zwei Abteilungsleitern aus ihrem Bonner Ministerium nach Goch gekommen war, zeigte sich sehr interessiert an den Ausführungen von Annette und Reiner Hans. Sie hakte bei vielen Details nach und ließ sich die Situation am Milchmarkt und die Folgen für den Nierswalder Hof genauer erläutern. „Wir machen zurzeit Verluste“, zeigte Annette Hans auf und gab sich jedoch optimistisch. „Die Preisschwankungen werden größer und wir müssen lernen, diese Schwankungen mit einer Liquiditätsplanung abzufangen“, so die engagierte Betriebsleiterin.
Sorgen bereiten dem Ehepaar Hans die kostspieligen Auswirkungen der neuen Dünger-Verordnung. Die Mehrkosten für das Ausbringen von Rindergülle und Gärresten aus der Biogasanlage machten schnell einen mittleren fünfstelligen Betrag aus. Dabei sei, wie Kreisvorsitzender Josef Peters anmerkte, die Obergrenze von 170 kg Stickstoff/ha pflanzenbaulich nicht zu begründen.

Erhebliche Beschränkungen

Bei der abschließenden Diskussion, die im ehemaligen Kuhstall an einer gedeckten Tafel stattfand, gab es eine Reihe von aktuellen Themen. Erst vor wenigen Tagen hatte die Bundesumweltministerin das „Integrierte Umweltprogramm 2030“ vorgestellt, in dem sie Leitziele und Vorschläge formuliert, wie Schlüsselbereiche von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft umweltgerecht und nachhaltig gestaltet werden können. Das Umweltprogramm spricht sich nicht nur für eine Stärkung der ökologischen Landwirtschaft aus, sondern auch für eine Beschränkung der Intensivtierhaltung, die Erarbeitung einer Stickstoffstrategie und eine Absenkung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln.

Dass das Bundesumweltministerium die Privilegierung für landwirtschaftliches Bauen im Außenbereich beschneiden will, bereitet den Landwirten weiterhin große Sorge, wie Kreisvorsitzender Peters erläuterte. Konkret bedeute das, dass Landwirte, künftig bei Neubau von Ställen ab 15 000 Legehennen oder Puten, 30 000 Hähnchen, 600 Rindern und 1 500 Mastschweinen auf einen Bebauungsplan ihrer Kommune angewiesen seien. Dass Hendricks zudem auch das Gesetz zur Umweltverträglichkeit verschärfen wolle, treffe bei den Landwirten auf massive Ablehnung. Breiten Raum in der Diskussion nahm die vom Bundesumweltministerium erhobene Forderung nach der Veränderung der EU-Agrarzahlungen. Hendricks sprach sich auch in der Runde im Gocher Kuhstall dafür aus, für die Zeit nach 2020 die Direktzahlungen zu Gunsten von Agrarumweltprogrammen abzubauen.