Alles im grünen Bereich?

09.11.2017

Viersener Landwirte und Interessierte diskutierten mit den Grünen über die Zukunft der bäuerlichen Landwirtschaft

Etwa 50 Gäste fanden den Weg zur Albert-Mooren-Halle nach Grefrath-Oedt.

Das Podium (v.l.n.r.): Norwich Rüße (Grüne), Bernd Schmitz (AbL), Paul-Christian Küskens, Kreisbauernschaft Krefeld-Viersen, Konrad Steger, Landwirt und CDU-Ratsherr Nettetal, Dr. Bernd Lüttgens, RLV. Fotos: Tina Ziemes

Um die Zukunft der bäuerlichen Landwirtschaft ging es bei der Podiumsdiskussion, zu der die Kreisbauernschaft Viersen und Bündnis 90/Die Grünen des Kreises Viersen am Freitag vergangener Woche in Grefrath-Oedt eingeladen hatten.

Den etwa 50 Besuchern, meist Mitglieder der Kreisbauernschaft Krefeld-Viersen, aber auch interessierte Bürger, wurde zunächst der Film „Der Ährenmann“ von Bertram Verhaag vorgeführt. Der Film dokumentiert die Arbeit und Lebensphilosophie von Bio-Landwirt Eckart Irion aus Bayern. Irion betreibt einen 8 ha großen Milchviehbetrieb, der aus Geldern eines Fördervereins finanziert wird, und züchtet Bio-Saatgut nach dem uralten Prinzip der Auslese. Neben Roggen, Weizen und Hafer erforscht er auch den Emmer, eine 8 000 Jahre alte Weizenart, die irgendwann in Vergessenheit geriet. Gutes Saatgut kann für Irion nicht aus dem Labor kommen, sondern muss in einem Zusammenspiel aus Pflanze, Boden, Tier und Mensch in einer natürlichen Umgebung he­ranreifen. Der Betriebsleiter arbeitet auf Grundlage des geisteswissenschaftlichen Wesensverständnisses der Pflanze.

Auch wenn der Inhalt des Films fernab jeder üblichen Praxis schien, so regte er dennoch zum Nachdenken an und warf Fragen auf wie: Wohin entwickelt sich die konventionelle Landwirtschaft? Wo steht die Landwirtschaft zwischen Handel, Verbraucher und Politik?

Strukturwandel bremsen?

In der anschließenden Diskussion beschäftigten sich Podium und Gäste immer wieder mit der Frage, inwieweit ein Strukturwandel gewünscht ist, vo-rangetrieben wird oder ausgebremst werden sollte. Bernd Schmitz von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) vertrat den Standpunkt, dass man den Strukturwandel nicht als gegeben hinnehmen muss, sondern es vielmehr darum ginge, möglichst viele Betriebe zu erhalten. Im Hinblick auf bäuerliche Landwirtschaft sieht er das Mensch/Tier-Verhältnis als pro­blematisch an. „Gerade die hohen Tierdichten am Niederrhein und im Münsterland passen nicht zu einer Philosophie von Kreislaufwirtschaft“, urteilte er.

Politik am Pranger

Alle auf dem Podium waren sich einig: Ein Strukturwandel nach dem Motto größer – schneller – weiter kann nicht das Ziel sein. Paul-Christian Küskens, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Krefeld-Viersen, stellte klar: „Wenn ich meine Familie mit der Hälfte meiner Kühe ernähren könnte, würde ich gerne weniger Kühe melken. Für mich müssen es nicht zwingend immer mehr werden!“ Schnell wurde jedoch klar, dass Zurückrudern zum Problem würde. In diesem Zusammenhang sprach der stellvertretende Geschäftsführer des Rheinischen Landwirtschaftsverbandes (RLV), Dr. Bernd Lüttgens, mit Norwich Rüße von den Grünen Klartext: „Ihre Partei möchte gerne kleine Strukturen. Gleichzeitig fordern Sie aber mehr Verbraucherschutz, der einen enormen Mehraufwand für die Landwirte bedeutet. Dieser Mehraufwand kann ausschließlich von größeren Betrieben finanziert und umgesetzt werden!“ Dieser Meinung schlossen sich weitere Redner auf dem Podium an.

Konrad Steger, Landwirt und CDU-Ratsherr aus Nettetal, stellte klar, dass „dieser Mehraufwand starken Druck auf die Landwirte ausüben und den Strukturwandel vorantreiben“ würde. Küskens sprach zusätzlich das Flächenpro­blem an: „Um immer höheren Qualitätsanforderungen und immer höheren Auflagen genügen zu können, bedarf es einer gewissen Betriebsgröße. Der enorme Flächenverlust an Kommunen stellt hier ein großes Problem dar!“ Im Schlusswort der Podiumsdiskussion sah Norwich Rüße die Differenzen als nicht unüberwindbaren, betonte das Interesse seiner Partei am Überleben bäuerlicher Landwirtschaft und sprach sich dafür aus, im Dialog zu bleiben.