Den Dialog fortsetzen

27.07.2017

Sommerempfang der Wuppertaler Landwirtschaft in Frielingshausen

Drei, die weiterhin auf Dialog setzen (v.l.n.r.): der Wuppertaler Oberbürgermeister Andreas Mucke, Martin Dahlmann und Tim Neues.

Auch eine Betriebsführung gehörte zum Programm des Sommerempfangs. Peter Winter (3.v.l.) stellte seinen Betrieb vor. Derzeit melken die Winters 75 Milchkühe und bewirtschaften insgesamt 94 ha Acker- und Grünland. Fotos: Dr. Elisabeth Legge

Offenbar haben Politik und Verwaltung zu der Landwirtschaft in Wuppertal einen guten Draht. Man kennt sich und spricht mitei­nan­der. Dies jedenfalls wurde beim traditionellen Sommerempfang der Ortsbauernschaften Wuppertal-Ost und Wuppertal-West am 13. Juli auf dem Betrieb von Peter Winter in Frielinghausen deutlich. Martin Dahlmann, Vorsitzender der Ortsbauernschaft Wuppertal-West, und sein Berufskollege Tim Neues, Vorsitzender der Ortsbauernschaft Wuppertal-Ost, konnten insgesamt 80 Teilnehmer begrüßen. Alleine 30 kamen dabei aus Politik und Verwaltung.

Und Martin Dahlmann wartete gleich zu Beginn mit einem dicken Kompliment für die Gäste aus Politik und Verwaltung auf. „Danke dafür, dass wir im vergangenen Jahr so viele konstruktive Gespräche geführt haben und dies meist mit positiven Ergebnissen“, betonte der Ortsvorsitzende und Vorsitzender der Kreisbauernschaft Mettmann. Nur wer mitei­nan­der rede, dem könne auch geholfen werden, zeigte er sich überzeugt. Dahlmann nutzte natürlich auch die Gelegenheit, um auf einige Knackpunkte hinzuweisen, die den Wuppertaler Landwirten nach wie vor unter den Nägeln brennen. Hierzu gehört nach wie vor das leidige Thema Hundehalter. Hunde gehörten an die Leine und sollten auf den Wegen geführt werden. Denn Hundekot auf Feldern verunreinige Futter und Lebensmittel, so Dahlmann. Große Probleme bereite den Landwirten in der Region nach wie vor das hohe Wildschweinaufkommen. Hier seien auch Verwaltung und Politik gefordert, so der Ortsvorsitzende.

Dies gelte auch für den großen Bereich der Verordnungen. Gerade die Milcherzeuger hätten zwei schwere Jahre hinter sich, so Dahlmann, die ihre Spuren hinterlassen hätten. Die Milchpreise hätten zwar wieder ein höheres Niveau erreicht, aber die in den Betrieben entstandenen finanziellen Lücken seien noch nicht gestopft. „Unter anderem werden die Kosten für Verordnungen immer höher“, machte Dahlmann deutlich. Beispielsweise würden die Sperrfristen für Gülle verlängert und dafür benötigten die Landwirte Geld für zusätzlichen Lagerraum. „Solche Auflagen können manchen Betrieb zum Aufgeben bewegen“, warnte der Landwirt.

Und natürlich blieb das Thema Flächenfraß nicht aus. Dahlmann übte heftige Kritik an den Planungen auf der sogenannten Kleinen Höhe an der Grenze von Wuppertal und Velbert-Neviges, wo der Bau einer forensischen Psychatrie geplant ist. Die Landwirte wehrten sich dabei nicht gegen den Bau einer Forensik. „Nein, solche Einrichtungen sind notwendig, aber wir wehren uns gegen den vorgesehenen Standort“, kritisierte der Ortsvorsitzende. Es gebe andere Flächen, die besser geeignet seien, als die Kleine Höhe. So gebe es beispielsweise auch in der Stadt Wuppertal Industriebrachen, die für solche Bebauungen genutzt werden könnten. Es dürfe nicht sein, dass die Landwirtschaft immer Flächen hergeben müsse, betonte Dahlmann.

Der Wuppertaler Oberbürgermeister Andreas Mucke zeigte Verständnis für dieses Problem. „Auch wir legen großen Wert auf Wiedernutzung von Flächen. Aber an neuen Flächen kommen wir auch weiterhin nicht vorbei“, stellte er vor den anwesenden Landwirten und Landfrauen fest. Klar bekannte sich der Oberbürgermeister zur Landwirtschaft. So wies er da­rauf hin, dass es derzeit nur noch 16 Vollerwerbsbetriebe in Wuppertal gebe. „Aber wir brauchen vor Ort Landwirtschaft, um den Verbrauchern zu zeigen, wie Nahrungsmittel erzeugt werden und um ihnen zu zeigen, welchen Wert Nahrungsmittel haben“, sagte Mucke. Gerade in Deutschland würden Lebensmittel viel zu wenig geschätzt. Anteilsmäßig würde im Vergleich zu anderen europäischen Ländern hierzulande am wenigsten Geld für Nahrungsmittel ausgegeben. In jedem Fall werde er als  Oberbürgermeister die Landwirte unterstützen und weiterhin den Dialog mit der Landwirtschaft beibehalten, versprach er abschließend.