Pro Landwirtschaft - pro Natur

31.08.2017

Die „Bergische Zielvereinbarung Landwirtschaft und Naturschutz“ wurde in Lindlar-Hommerich zur beschlossenen Sache

Eine Region tritt an, Landwirtschaft und Naturschutz weiter voranzubringen.

Gute Stimmung bei der Unterzeichnung der Zielvereinbarung (v.l.n.r.): Ursula Jandel, Landwirtschaftskammer NRW, Lothar Stinn, Kreislandwirt Rheinisch-Bergischer Kreis, Helmut Dresbach, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Oberberg, Peter Lautz, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Rheinisch-Bergischer Kreis, Frank Herhaus, Biostation Oberberg, und Stefan Rankenhohn, Geschäftsführer der bergischen Kreisbauernschaften. Fotos: Christiane Aumüller-Gruber

Einmalig für NRW, wenn nicht für ganz Deutschland – die über 20-jährige Kooperation von Landwirtschaft und Naturschutz im Bergischen Land. Helmut Dresbach und Peter Lautz, Vorsitzende der Kreisbauernschaften Oberberg und Rhein-Berg, besiegelten am Mittwoch vergangener Woche in Lindlar-Hommerich zusammen mit den Vertretern aus beiden Kreisen, Fachbehörden und In­stitutionen die verabredeten Ziele mit dem Naturschutz sowie weitere Schritte für deren praktische Umsetzung. Auch Stefan Rankenhohn, Geschäftsführer der beiden Kreisbauernschaften, stellte für den Rheinischen Landwirtschafts-Verband (RLV) die Weichen auf gemeinsame Lösungen mit dem Naturschutz.

„Wir haben in den vergangenen beiden Jahren sehr stark auf diese Zielvereinbarung hingearbeitet“, so Dresbach zu den gemeinsamen Anstrengungen, deren Ergebnisse an diesem Tag im herrlichen Rahmen auf Schloss Georghausen vorgestellt wurden. Damit sei ein folgerichtiges Etappenziel für Landwirtschaft und Naturschutz in der Region erreicht. Die Zusammenarbeit im Bergischen habe schon vor mehr als 20 Jahren begonnen. „Ein weiter Weg, der über einen langen Zeitraum fortbesteht“, sagte Dresbach zu den andauernden Bemühungen um Ausgleich. Ein Weg, der zwar nicht immer ganz einfach gewesen sei, räumte Peter Lautz ein, der mittlerweile jedoch auf Augenhöhe weiterentwickelt werde.

Zielkonflikte zwischen Landnutzern und Naturschützern gehörten nun mal zum Alltagsgeschäft, so Frank Herhaus, Geschäftsführer der Biostation Oberberg. Gerade deshalb sei es so wichtig, Gelegenheiten zum Austausch zwischen allen Beteiligten zu schaffen. Damit habe man über die Jahre ein gutes Mitei­nan­der als entscheidende Grundlage für Ergebnisse geschaffen. Die Biostation moderiere die Projekte, die von beiden bergischen Kreisen unterstützt werden. „Wir sind eine Musterregion und schaffen mit dieser Zielvereinbarung ein Pilotmodell“, betonte Jochen Hagt, Landrat Oberbergischer Kreis.

Was konkret an Aufgaben in den nächsten Jahren angegangen werden soll, erläuterte Herhaus. Aus Sicht der Landwirte stehe sicher der Erhalt von Familienbetrieben an erster Stelle. Deshalb seien prioritäre Flächen für die Landwirtschaft ausgemacht worden. „Nur aufwendig zu bewirtschaftende Flächen, die für eine Nutzung wenig attraktiv sind, sollen deshalb Eingang in den Naturschutz finden.“ Weiterhin sieht die Zielvereinbarung vor, den Anteil von Ackerland zu erhöhen. Man liege im Bergischen Land mit einem Flächenanteil unter 10 % sehr niedrig. „Wir steigern dadurch die Landschaftsvielfalt. Und unter einer gesunden Fruchtfolge können sich die Ackerflächen auch günstig auf die Artenvielfalt auswirken“, meinte Herhaus, Biostation Oberberg. Man sei deshalb jetzt auf Pilotflächen für einen Grünlandumbruch angewiesen. „Ein ganz wichtiger Punkt für die Milchviehbetriebe“, wertete Helmut Dresbach. Gerade die Möglichkeiten zum Maisanbau sicherten ihre existenzielle Grundlage.

Einen weiteren Schwerpunkt bildet der Vertragsnaturschutz. Er soll weiter ausgebaut werden und zum betrieblichen Standbein innerhalb der Diversifizierung werden, erklärte der Geschäftsführer der Biostation die Pläne. Daneben stehen der Ausbau von Kompensationsmaßnahmen sowie Schulung und Öffentlichkeitsarbeit auf der Agenda der Zielvereinbarung. „Wir haben gute Dinge vorzuweisen, die einen differenzierten Blick auf die Landwirtschaft werfen“, sieht Dresbach dadurch die Chancen für gesellschaftliche Anerkennung wachsen.

Insgesamt spiegelte sich an diesem Tag in den zufriedenen Gesichtern aller Beteiligten auch ein bisschen Stolz über das Erreichte. Die Zeichen stehen auf Erfolg, wertete nicht nur Landrat Hermann-Josef Tebroke die freiwillige und gute Zusammenarbeit in der Modellregion Landwirtschaft und Naturschutz.