Neue Töne

14.09.2017

Ministerin Schulze Föcking im Dialog mit Landwirten im Kreis Wesel

Landwirte und Polit-Prominenz im Kuhstall (v.l.n.r.): Bürgermeister Harald Lenzen, Diethelm Keesen, Katharina Wielage von der Kreisbauernschaft Wesel, Stephan Hufer, Johannes Leuchtenberg, Karl-Heinz Florenz, MdEP, Kerstin Radomski, MdB und Ministerin Christina Schulze Föcking.

Ministerin an der Milchtankstelle: Franka und Johannes Leuchtenberg nutzen den Kundenkontakt um für die Landwirtschaft zu werben. Fotos: Christiane Närmann-Bockholt

Trotz einer heftigen Erkältung war Christina Schulze Föcking am Freitag morgen letzter Woche nach Neukirchen-Vluyn gekommen. Dabei schien der Infekt weder ihrer Bereitschaft, den Landwirten zuzuhören, die sich auf dem Paschenhof zum Gespräch mit der Ministerin eingefunden hatten, noch ihrer guten Laune Abbruch zu tun. Gastgeber Johannes Leuchtenberg, der den Paschenhof in Neukirchen zusammen mit seiner Frau Franka bewirtschaftet, hatte eine ganze Liste von Anliegen zusammengestellt, die er der Ministerin als Vertreter der Kreisbauernschaft Wesel mit auf den Weg geben wollte.

Hohe Erwartungen

„Wir haben hohe Erwartungen an Sie als Ministerin“, machte Johannes Leuchtenberg eingangs deutlich, „und wir hoffen, dass Sie uns nicht nur zuhören, sondern das ein und andere unserer Anliegen auch umsetzen.“ Denn in den vergangenen sieben Jahren, als das Landwirtschaftsministerium in grüner Hand war, hätten die Bauern andere Erfahrungen gemacht. „Man hat uns zugehört, aber nicht das getan, was wir gerne gehabt hätten“, schilderte der Landwirt die Situation in der Vergangenheit. Ganz oben auf der Liste der Sorgen und Anliegen rangiert der Verlust von landwirtschaftlicher Nutzfläche vor allem durch Naturschutz- und Straßenbaumaßnahmen. Allein im Kreis Wesel seien im Rheinvorland 115 ha durch Planungen für das Life+-Projekt betroffen, diese Flächen sollen dem Vogelschutz gewidmet werden. Wie Leuchtenberg erläuterte, seien die Landwirte durchaus kooperativ und würden mit der Biologischen Station im Kreis Wesel gut zusammenarbeiten, aber bei diesem Vogelschutzprojekt fühlten sich die Landwirte über den Tisch gezogen. „Wir erwarten, dass Sie das Life+-Projekt stoppen“, formulierte Leuchtenberg den Anspruch an die Ministerin.

Ein weiteres Ärgernis sehen die Landwirte in dem Vorkaufsrecht für Naturschutzverbände, wie es im Landesnaturschutzgesetz vorgesehen ist. Sorgen bereiten auch der Ausbau der Gasfernleitung Zeelink sowie die von Amprion geplante Stromtrasse. Hier sei eine Änderung der Rechtslage längst überfällig. „Wir Landwirte fordern eine jährliche Beteiligung. Es kann nicht sein, dass wir unsere Flächen zur Verfügung stellen und einmalig mit einem Butterbrot abgespeist werden, während die Energiekonzerne Jahr für Jahr die Gewinne einstreichen“, formulierte Leuchtenberg die Forderung.

Bereit zum Dialog

Ministerin Christina Schulze Föcking hörte aufmerksam zu und betonte ihre Bereitschaft zum Dialog. „Ich reiche erst einmal jedem die Hand und spreche mit allen Vertretern der grünen Branche“, zeigte sie auf. Sie sagte zu, das Landesnaturschutzgesetz einer Überprüfung zu unterziehen genauso wie sie sich auch Herausforderungen wie etwa der Nitratpro­blematik stellen werde. Hier sei ein gutes Messstellennetzwerk notwendig, das werde gerade überprüft. Auch am Thema Flächenverlust werde gearbeitet. „Wir brauchen echte Kompensation, die dem Naturschutz dient und nicht weitere Flächen verbraucht“, warb Schulze Föcking Landverluste durch einen finanziellen Ausgleich etwa für das Säubern von Industriebrachen oder zur Aufwertung bestehender Naturschutzgebiete zu kompensieren.

Die Wertschätzung der Lebensmittel liege ihr am Herzen, betonte die Ministerin. Deshalb zeigte sie sich begeistert von der Milchtankstelle auf dem Paschenhof, wo Kunden rund um die Uhr die Möglichkeit haben, frische Milch zu zapfen. Nordrhein-Westfalen sei nach Bayern und Niedersachsen das drittgrößte Agrarland und jeder achte Arbeitsplatz hierzulande hänge mit der Landwirtschaft zusammen. Die Ministerin dankte den Landwirten „für den großartigen Job, den sie tagtäglich leisten“. Ein solches Lob aus dem Mund einer Ministerin sind für die Landwirte neue Töne aus Düsseldorf.