Viele Fragen bei Leitungsprojekt

12.10.2017

Kreisbauernschaft Wesel informiert Mitglieder über das neue Leitungsprojekt der Amprion GmbH

Mehr als 200 Landwirte informierten sich über das Leitungsprojekt der Amprion GmbH, der Gleichstromtrasse „A-Nord“. Foto: Katharina Wielage

Beim Bau von Leitungen müssen die ökologischen Ausgleichsmaßnahmen auf ein Mindestmaß reduziert werden, forderte der Kreisvorsitzende Wilhelm Neu. Foto: Amprion

Über 200 Landwirte besuchten die Informationsveranstaltung zu dem neuen Leitungsprojekt der Amprion GmbH, der Gleichstromtrasse „A-Nord“, am Donnerstag vergangener Woche in Wesel. Der Vertreter der Firma Amprion GmbH, Holger Hübert, erläuterte die Gründe für das Projekt. Die Leitung diene dem an der Nordseeküste erzeugten Windstrom und transportiere diesen in den Süden der Republik. Hübert erläuterte die durch den Kreis Wesel verlaufenden Trassenvarianten, die Bauweise und das Verfahren. Zuständig sei die Bundesnetzagentur.

Viele Fragen

Die zahlreichen Fragen der Anwesenden wurden häufig nicht zur Zufriedenheit beantwortet. So war für die Anwesenden völlig unverständlich, dass das Leitungsprojekt nicht zeitlich mit dem aktuellen Vorhaben der Zeelink GmbH & Co. KG zum Bau einer Gasleitung abgestimmt wurde. Die voraussichtlich parallel zu der Zeelink-Gasleitung verlaufende Stromtrasse werde somit nicht gleichzeitig gebaut, sondern in einem zeitlichen Abstand von zwei bis drei Jahren. Damit würde parallel zu der Gasleitung erneut ein erheblicher Eingriff in den Boden stattfinden.

Die anwesenden Landwirte berichteten über schlechte Erfahrungen mit dem Bau von Leitungen aus der Vergangenheit. Selbst aktuell könne man bei der Errichtung der 380-kV-Hochspannungsfreileitung von Wesel-Lackhausen nach Bredenfeld feststellen, dass die ausführenden Firmen nicht immer schonend mit dem Boden umgehen würden.

Ein weiterer Hauptkritikpunkt der Anwesenden war die geplante Einmalentschädigung für Grundstückseigentümer. Bei einer Rendite von 6,9 % für die Anteilseigner, bestehend aus RWE und verschiedenen Versicherungskonzernen, sei es nicht nachvollziehbar, dass die betroffenen Grundstückseigentümer an der Wertschöpfung nicht partizipieren.

Gerrit Korte, Geschäftsführer der Kreisbauernschaft Wesel, machte im Anschluss ergänzende Ausführungen zu den Entschädigungszahlungen und der Forderung des Deutschen Bauernverbandes, eine wiederkehrende Zahlung für die Gestattung der Leitung gesetzlich zu verankern. Ferner wies er auf die Rechtsvertretung der Mitglieder durch die Kreisbauernschaft Wesel im Rahmen des Verfahrens hin.

Ökologischen Ausgleich reduzieren

Auf Nachfrage, was in einigen Jahrzehnten mit der Leitung nach deren Stilllegung geschehe, teilte die Amprion GmbH mit, dass diese im Boden verbleiben solle. Dies führte zu Kritik der Zuhörer. Die Fertigstellung von ­„A-Nord“ ist für das Jahr 2025 geplant.

In seinen Schlussworten kritisierte Wilhelm Neu, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Wesel, eine überproportionale Beanspruchung des Kreises Wesel durch diese Leitungen und weitere öffentliche Vorhaben, die nicht länger für die hiesige Landwirtschaft hingenommen werden könnten. „Der ökologische Ausgleich muss auf ein absolutes Mindestmaß reduziert werden“, forderte Wilhelm Neu abschließend.