Erosionsschutz in Zusammenarbeit

16.11.2017
Die Gemeinde Sonsbeck setzt auf freiwillige Bewirtschaftungsabstimmungen statt diktiertem Flächentausch

Folgen der Starkregenereignisse im Frühsommer 2016: Mit dem Wasser fließt auch die Erde vom Hang, hier ein Ackerschlag im Bereich Hamminkeln. Foto: Christiane Närmann-Bockholt

In Bonn begann die zweite Woche der Klimakonferenz, auf der Vertreter von Regierungen und Umweltorganisationen neue Allianzen für den Klimaschutz schließen wollen. Es geht – unter anderem – auch um eine Wende bei Landwirtschaft und Verkehr. Um die Folgen des Klimawandels und um die Landbewirtschaftung ging es am Montag dieser Woche auch in Sonsbeck. Heiko Schmidt, der Bürgermeister der Gemeinde im Kreis Wesel, die sich als „Grüne Perle am Niederrhein“ bezeichnet, hatte Eigentümer und Pächter von Flächen im Bereich der Sonsbecker Schweiz eingeladen.

Grund dafür waren die Starkregenereignisse im Frühsommer letzten Jahres: An zwei aufei­nan­derfolgenden Tagen war mehr als ein Viertel der üblichen Jahresniederschlagsmenge gefallen, der Niersverband ordnete das Unwetter als 10 000-jähriges Niederschlagsereignis ein. Die Folge war, dass Wasser- und Schlammmassen zu Tal schossen, sich im Ort sammelten und die Kanalisation verstopften. Die erheblichen Überschwemmungen hinterließen immense Schäden an der gesamten Infrastruktur.
Kommune, Bürger, Landwirte

Diese Veranstaltung, an der rund

20 Landwirte teilnahmen, war nicht die erste Zusammenkunft der beteiligten Akteure. „Wir haben bereits im März und im Mai dieses Jahres gemeinsam über mögliche Lösungsansätze gesprochen“, zeigte Bürgermeister Schmidt in der Begrüßung auf und erinnerte daran, dass ein seitens der Landwirtschaftskammer NRW vorgestellter Flächentausch zur Verminderung der Erosion nicht auf Zustimmung der Flächenbewirtschafter gestoßen sei. Es sei jedoch vereinbart worden, dass zukünftig die Bewirtschaftung in den erosionsgefährdeten Bereichen abgestimmt werden solle. „Unser Ziel ist in Kooperation zu erreichen, dass bei Starkregenereignissen keine Erosionsgefahr für den Ort mehr besteht“, formulierte Schmidt die Strategie.

Dafür ist allerdings nicht nur die Landwirtschaft gefordert, sondern auch die Kommune sowie die privaten Eigentümer haben ihre Hausaufgaben zu machen. „Es sind weitere Faktoren ins Auge zu nehmen“, zeigte der Geschäftsführer der Kreisbauernschaft Wesel, Gerrit Korte, auf und wies auf die veränderte Gestaltung vieler privater Gärten hin und nannte die um sich greifende Mode der Schottergärten oder die zunehmende Flächenversiegelung durch Pflasterung. Außerdem seien in den Ortskernen nach den Überschwemmungen kaum bauliche Maßnahmen zum Schutz vor erneutem Hochwasser erfolgt, monierte ein Landwirt die Defizite im privaten Bereich. Hier will die Gemeinde Sonsbeck reagieren und stärker an die Bürger appellieren. So sollen zusammen mit den Steuerbescheiden Info-Flyer mit Hinweisen und Empfehlungen zu baulichen Schutzmaßnahmen vor Starkregen- und Hochwasserfolgen verschickt werden.

Mehr Augenmerk auf die Flächenversiegelung

Welche Folgen das Wachsen der Kommunen selbst für die Wasserführung hat, zeigte Eduard Eich von der Bezirksstelle für Agrarstruktur auf. „Sonsbeck hat um 1900 eine Siedlungsfläche von 59 ha aufgewiesen, aktuell sind rund 207 ha bebaut, also 3,5 mal mehr versiegelte Fläche bei fast gleichem Gewässersystem“, machte Eich deutlich mit dem Hinweis, dass bei weiteren Baumaßnahmen und den erforderlichen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen die landwirtschaftliche Nutzung als sinnvolle Versickerungsmöglichkeit berücksichtigt werden sollte.

Eich, der für seinen erkrankten Kollegen Michael Rütten in Sonsbeck referierte, schilderte, dass die Landwirte bereits eine Reihe von Maßnahmen in der Bewirtschaftung erosionsgefährdeter Flächen mit Erfolg anwenden. Insbesondere das StripTill-Verfahren bei Mais, die Mulchsaat bei Zuckerrüben und Mais oder das Bearbeiten der Flächen parallel zum Hang würden bereits erfolgreich umgesetzt. „Ganz wichtig ist die Fruchtfolgegestaltung und insbesondere auch die Absprache über die Anbaukultur zwischen den Bewirtschaftern in einem Hang“, erläuterte Eich. Künftig will die Gemeinde Sonsbeck für diese Absprachen unter den Landwirten einen festen Rahmen schaffen und die Bewirtschafter der erosionsgefährdeten Flächen einmal jährlich zu einer Versammlung einladen.

Die Erde am Hang halten

Die Landwirte, die am Montag im Sonsbecker Kastell waren, begrüßten dieses Vorgehen zur abgestimmten Bewirtschaftung durchaus. „Unser Ziel bei der Bewirtschaftung muss ganz klar sein, die Erde am Hang zu halten. Aber den Bürgern im Ort muss auch klar sein, dass wir nicht das Wasser am Berg halten können“, machte Willi Cleven, der stellvertretende Ortslandwirt, deutlich. Mit Sorge verfolgen die Landwirte die Diskussion um das Glyphosat-Verbot, denn ohne diesen Wirkstoff sind Verfahren wie StripTill-Verfahren und Mulchsaat nicht einfach zu bewerkstelligen. „Da ist eindeutig die Politik gefordert“, geht ein Appell aus Sonsbeck an die Politszene.