Klimaschutz nach Kopenhagen – Landwirtschaft bringt sich ein

RLV-Präsident Decker bei Politik-Talk auf der Bühne des ErlebnisBauernhofes

RLV-Präsident Friedhelm Decker stellte auf der Podiumsdiskussion zum Thema Klimaschutzpolitik den Standpunkt der Landwirtschaft dar.
volle Auflösung

RLV-Präsident Friedhelm Decker (r.) stellte auf der Podiumsdiskussion
zum Thema Klimaschutzpolitik den Standpunkt der Landwirtschaft dar.

(20.1.2010) Die deutsche Landwirtschaft wird ihre Klimaschutzpolitik nach dem Klimagipfel von Kopenhagen konsequent fortsetzen, denn sie ist nicht nur selbst direkt betroffen, sondern kann auch einen erheblichen Anteil zum Klimaschutz leisten.

Darin bestand kein Zweifel bei den Teilnehmern des Politik-Talks des Deutschen Bauernverbandes (DBV) zum Klimaschutz. Auf der Bühne des ErlebnisBauernhofes diskutierte auch Friedhelm Decker, Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV), und trat als DBV-Umweltbeauftragter für die Belange der Landwirtschaft ein.

RLV-Präsident Decker stellte klar, dass die aktuelle Diskussion über Fleischverzicht zum Klimaschutz zu kurz gesprungen sei. Die Rinderhaltung würde insgesamt nur zu 2 % an dem Ausstoß von Treibhausgasen beteiligt sein. Durch die Abstockung der Rinderbestände seit 1990 um 1 Mio. Rinder wurden die Emissionen bereits deutlich reduziert und gleichzeitig die Milchleistung deutlich gesteigert. Dies schließe nicht aus, dass die Agrarforschung hier verstärkt Verbesserungen bei der Fütterung zur Methangasverminderung betreiben könne. Decker sieht das größte Problem bei der Klimaerwärmung in der Wasserversorgung. Die Anpassung der Pflanzen, die über eine effiziente Pflanzenzucht erfolgen müsse, müsse sich dem Problem von Trockenresistenzen stärker stellen.

Die Staatssekretärin des Bundesumweltministeriums Katherina Reiche zeigte auf, dass der Klimawandel „Realität ist“. Regionen wie Mitteleuropa hätten je nach Erwärmung vielleicht nicht ganz so dramatische Folgen zu befürchten, doch würde es in der Verantwortung der Europäer und auch der europäischen Landwirte stehen, an den Problemlösungen aktiv mitzuarbeiten. Der Beschluss von Kopenhagen, Technologie zum Klimaschutz durch die reichen Länder für die armen Länder zu finanzieren, sei deshalb ein großer Erfolg. Reiche warnte vor „ganz einfachen Antworten zum Klimaschutz“. Es seien zu komplexe Zusammenhänge, die zur Klimaerwärmung führten, als dass man sie mit einer banalen Empfehlung zum Beispiel mit dem Verzicht von Fleisch in der Ernährung erreichen könnte.

Der Agrarsprecher der SPD, Dr. Wilhelm Priesmeier, appellierte jedoch an die Verbraucher, bewusster Fleisch zu essen, da er drei Viertel der Emissionen der deutschen Landwirtschaft direkt oder indirekt der Tierhaltung zuschreibe. Er sprach sich auch dagegen aus, Regenwald abzuholzen, wie in Brasilien in der Vergangenheit häufig geschehen, um anschließend Soja als Futtermittel für den Export anzubauen. Man müsse aber auch sehen, dass die EU allein die CO2-Emissionen nicht vermindern könne. Wenn bis 2050 die landwirtschaftliche Produktion um 70 % gesteigert werden müsse, um ausreichend Lebensmittel für die Weltbevölkerung zu produzieren, dürfe man nicht mit Verzichtsstrategien argumentieren, sondern jeder sei selbst in der Verantwortung und müsse entscheiden.

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