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Hochwasser – wie geht es jetzt weiter?

22.07.2021

Kurz- und langfristige Hilfen für betroffene Betriebe sind jetzt gefragt, erklärt der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) heute in Bonn. Die Folgen des Hochwassers haben das Rheinland weiterhin fest im Griff.

Foto: Degenhard Neisse

Das Ausmaß der Schäden auf landwirtschaftlicher Seite kann aktuell noch nicht abgeschätzt werden, da die Lage in den betroffenen Regionen nach wie vor unübersichtlich ist. Der RLV rechnet damit, dass bei vielen Landwirten - genau wie bei anderen oder noch viel schlimmer Betroffenen - kein ausreichender Versicherungsschutz bestehen wird.

So sieht es aktuell aus

Ähnlich wie bei der übrigen Bevölkerung kam es auch auf landwirtschaftlichen Betrieben zu Schäden an Haus und Hof, so der RLV. Dazu kommen noch Folgewirkungen, sei es durch Tierverluste, nicht abgeholte Milch oder aber eine zerstörte und beeinträchtigte Ernte bzw. Vermarktungsqualität der Kulturen. Das genaue Ausmaß wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen und hängt sicherlich auch von weiteren Faktoren wie etwa dem Wetter in der nächsten Zeit ab. Betroffene Landwirte, bei denen eigentlich in den nächsten Tagen die Raps- und Weizenernte angestanden hätte, müssen sich nun zunächst ein Bild von Ihren Flächen verschaffen und Treibgut entfernen. Die flut- und starkregenbedingten Verschlämmungen der Ackerflächen können langfristig Schäden am Boden etwa durch Verdichtungen verursachen. Diese nach dem Abtrocknen zu beseitigen, ist sehr aufwendig und verursacht hohe Kosten, die sich auf mehrere hundert Euro je Hektar belaufen können. Hier setzt der RLV auf eine finanzielle Unterstützung des Landes, so, wie sie in anderen Bundesländern in vergleichbaren Situationen in der Vergangenheit gewährt wurden.

Welche Hilfen sind weiterhin nötig?

Die bereits angekündigte schnelle und vor allem unbürokratische finanzielle Hilfe für betroffene Betriebe ist ein wichtiger erster Schritt. Die angekündigten Soforthilfen wie auch die danach folgenden Maßnahmen zur Unterstützung der Betroffenen müssen Schäden an den nicht ernt- oder vermarktbaren Kulturen mit abdecken. Darüber hinaus kann der Staat etwa durch Steuerstundungen und einem vereinfachten Zugang zu Bürgschaften helfen, die wirtschaftlichen Folgen abzumildern, erklärt der RLV. Neben der Bewältigung der aktuellen Notlage sind aber auch Fehlentwicklungen der Vergangenheit zu korrigieren. Klimatische Folgen müssten endlich auch bei der Planung von Infrastrukturmaßnahmen bedacht werden. Seit Jahren warnt die Landwirtschaft vor dem enormen Flächenverbrauch - also der Versiegelung von Flächen, auf denen dann auch kein Wasser versickern kann. Hier muss dringend ein Umdenken stattfinden, erklärt der Verband. Außerdem appelliert der RLV an die Politik, die Einführung und dauerhafte Etablierung einer Mehrgefahrenversicherung für die Landwirtschaft, vergleichbar mit den Niederlanden, finanziell zu fördern. Ziel muss es sein, Landwirte durch dieses Instrument in die Lage zu versetzten, die Risiken von klimabedingt zunehmend auftretenden Ertragsschwankungen aufzufangen. Das wird umso wichtiger, da die politischen Rahmensetzungen zur Verringerung des Einsatzes von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln die Ertragssicherheit zusätzlich gefährden.

Zum ackerbaulichen Hintergrund:

Flut und Regen haben je nach Schweregrad und Kultur unterschiedliche Auswirkungen. Während beim Raps beispielsweise die Schoten aufplatzen können, wurden Getreidebestände vielerorts durch Starkregen auf den Boden gedrückt. Man spricht dann von Lagergetreide. Das erschwert nicht nur die Ernte und vermindert den Ertrag. Durch die Bodennähe und die damit verbundene Feuchte können die Körner anfangen zu keimen. Lagergetreide kann so oft nur noch als Futtergetreide verkauft werden. Die auf starke Regenfälle folgende feuchte Witterung bietet außerdem perfekte Bedingungen für Pilzerkrankungen. Der aufgeweichte Boden erschwert es, die Felder zu befahren und Pflanzenschutz auszubringen, z.B. gegen die Kraut- und Knollenfäule bei Kartoffeln. Zum Teil sind Kulturen auch komplett durch eine Schlammdecke versiegelt. Ob auf solchen Flächen überhaupt noch geerntet werden kann, ist ungewiss. In den Regionen, in denen das Wasser über einen längeren Zeitraum nicht abfließt, ist davon auszugehen, dass die Ernte nicht eingebracht werden kann. Hier drohen dann Totalausfälle.



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