Lebensmittel mehr wertschätzen

11.10.2018

Eine größere Wertschätzung von Lebensmitteln ist dringend notwendig. Dafür haben sich die Redner beim Erntedankempfang der Kreisbauernschaft Aachen ausgesprochen, zu dem am Freitag vergangener Woche neben vielen Landfrauen und Landwirten auch zahlreiche Vertreter aus Politik und Verwaltung ins Haus der StädteRegion Aachen erschienen waren.

Traditionell gab es auch in diesem Jahr wieder eine gut gefüllte Kiste mit regionalem Obst und Gemüse von den Aachener Landfrauen, den der stellvertretende Städeregionsrat Axel Wirtz von der Landfrauenvorsitzenden Edith Hamacher entgegennahm. Links im Bild der Aachener Kreisvorsitzende Wilfried Jansen.

„Wir Landwirte erwarten von den Verbrauchern, dass der Ruf nach regionalen, hochwertigen Lebensmitteln auch ernsthaft durch das Einkaufsverhalten bekundet wird. Nicht die großen Sprüche in die Mikrofone der Medien vor den Supermärkten zählen, sondern der richtige Griff in die Regale“, betonte der Kreisvorsitzende Wilfried Jansen in seiner Rede. Die Verbraucher sollten bei der Zubereitung ihrer Speisen noch stärker jahreszeitlich verfügbare heimische Lebensmittel verwenden und ganz bewusst von einer Philosophie, alles und immer konsumieren zu wollen, abrücken. Nur wenn die Verbraucher ihre Käufersouveränität zurückgewinnen, würden die Einkäufer der Aldis und Lidls den Warenkorb ändern, betonte Jansen. „So kann jeder einen wichtigen Beitrag leisten, unsere Landwirtschaft zu stärken“, zeigte sich der Kreisvorsitzende überzeugt.

Der Lebensmitteleinzelhandel sollte sich ebenfalls zu seiner Verantwortung bekennen, forderte Jansen. Es könne nicht sein, dass etwa zu Beginn der diesjährigen Frühkartoffelsaison wochenlang die Ware aus Ägypten gegenüber der heimischen bevorzugt und zu Dumpingpreisen angeboten werde. Wo bleibe da die Verantwortung für den Ressourcenschutz, wer denke dabei über den Wasserverbrauch in permanent dürregeschädigten Regionen nach und wer über den energieintensiven Transport? Hier sollte sich auch der Lebensmitteleinzelhandel kritisch hinterfragen und auf einen fairen Umgang mit Produzent und Verbraucher setzen, so der Kreisvorsitzende. Gerade in diesem Dürrejahr müsse man sich zum Erntedank wieder einmal bewusst machen, dass gute Ernten keine Selbstverständlichkeit seien.

Auch Axel Wirtz, der stellvertretende Städteregionsrat von Aachen, forderte einen Mentalitätswechsel und eine neue Wertediskussion. Diese fange schon beim Verbraucher an, der mehr Wert auf regionale Produkte legen sollte. „Und ich möchte auch feststellen: Erstklassige landwirtschaftliche Produkte, die unter höchsten Standards produziert werden, brauchen auch einen angemessenen Preis“, so Wirtz. Früher sei der faire Handel insbesondere für Waren aus der sogenannten dritten Welt gefordert worden, heute sei es an der Zeit, für die heimischen landwirtschaftlichen Produkte auf einen fairen Handel zu drängen. „Wir alle brauchen die heimische Landwirtschaft, und zwar eine zukunftsfähige Landwirtschaft“, hielt Wirtz fest. Erntedank sei dabei ein guter Anlass, einmal Danke zu sagen. „Ich danke den Landwirten und ihren Familien für ihre tagtägliche Arbeit, die uns allen zugutekommt“, betonte der stellvertretende Städteregionsrat abschließend.