Flächenfraß, Wertschätzung & Co.

06.06.2019

Kreisbauernschaft Düren diskutierte mit Thomas Rachel

Der Vorstand der Kreisbauernschaft Düren mit ihrem Vorsitzenden Erich Gussen (2.v.l.) freuten sich, den CDU-Bundestagsabgeordneten Thomas Rachel (4.v.l.) zur Vorstandssitzung begrüßen zu können. Foto: Michael Niesen

Gleich mit zwei Besonderheiten wartete die jüngste Vorstandssitzung der Kreisbauernschaft Düren am 22. Mai auf. Der Tagungsort war die Maschinenhalle auf dem Betrieb des Kreisvorsitzenden Erich Gussen in Jülich-Güsten und es gab auch einen besonderen Tagesordnungspunkt: die Diskussion mit Thomas Rachel, CDU-Bundestagsabgeordneter und Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung. Die Kreisbauernschaft setzte damit den regelmäßigen Dialog mit Vertretern aus der Politik fort und nutzte die Gelegenheit, mit ihrem hochrangigen Gast aktuelle Entwicklungen in der Landwirtschaft zu diskutieren.

Ausstieg aus der Braunkohle

Eines der Hauptthemen war dann auch der aufgrund des beschlossenen Ausstiegs aus der Braunkohleförderung bevorstehende Strukturwandel im Rheinischen Revier, dessen Eckpunkte am gleichen Tag durch das Bundeskabinett verabschiedet wurden. Gussen stellte aus Sicht der Landwirtschaft dar, welchem immensen Flächenbedarf die Landwirtschaft bereits jetzt ausgesetzt sei, und forderte, dem anhaltenden Verbrauch hochwertiger landwirtschaftlicher Flächen in der Region nachhaltig Einhalt zu gebieten. Die großen Herausforderungen für die Zeit nach der Braunkohleförderung würden selbstverständlich auch durch die Landwirtschaft nicht verkannt. „Aber im Umgang mit diesen Herausforderungen darf man auch die Belange der Landwirtschaft nicht aus den Augen verlieren“, so der Vorsitzende.

Ein weiteres, wichtiges Anliegen war den Landwirten die zunehmend als geringer empfundene Wertschätzung ihrer täglichen Arbeit innerhalb der Gesellschaft. Obwohl man unter höchsten Umwelt- und Tierschutzauflagen produziere, werde die Landwirtschaft weiterhin für alle Probleme in diesen Bereichen, etwa den Artenrückgang oder die Nitratbelastung des Grundwassers, immer noch alleine verantwortlich gemacht, verdeutlichte Gussen eine der Hauptursachen für die sehr schlechte Stimmung unter den Berufskollegen. Und er forderte eine stärkere Unterstützung von der Politik. Gussen prangerte in diesem Zusammenhang auch die fortwährenden Konflikte zwischen dem Bundesumwelt- und Bundeslandwirtschaftsministerium an, die leider zunehmend auf dem Rücken der landwirtschaftlichen Betriebe ausgetragen würden.

Auch wenn der CDU-Politiker in seiner politischen Arbeit mit landwirtschaftlichen Themen nicht direkt vertraut ist, zeigte sich Rachel dennoch beeindruckt von den Darstellungen der Landwirte und sagte den Anwesenden zu, sich für ihre Belange einzusetzen. „Es darf nicht sein, dass wir an einem Gunststandort wie dem Kreis Düren, der zudem eine Sonderstellung aufgrund der starken Betroffenheit durch die Tätigkeiten des bergbautreibenden Unternehmens RWE besitzt, der Landwirtschaft weiterhin über Gebühr Flächen entziehen“, sprach Rachel den Anwesenden aus der Seele. Es müsse vielmehr in Zukunft ermöglicht werden, sowohl den Flächenbedarf im Hinblick auf die erforderliche Strukturentwicklung als auch den Anspruch der Landwirte, auf ihren Betrieben weiterhin hochwertige Lebensmittel zu produzieren, intelligent mitei­nan­der zu verknüpfen beziehungsweise die gegenseitigen Belange bei der Findung von Kompromissen zu berücksichtigen.

Chancen nutzen

Rachel machte den Anwesenden zugleich Mut, dass sich bei allen Diskussionen und Herausforderungen, die sich rund um den Ausstieg aus der Kohleverstromung ergeben, letztlich auch für die Landwirte Chancen ergeben werden, die es zu nutzen gelte. Als Staatssekretär für den Bereich Bildung und Forschung verwies er auf das aus seiner Sicht sehr spannende Forschungsfeld der Bioökonomie, bei der es letztlich darum gehe, Biomasse als Ersatz für die noch kohlestoffgeprägte Industrie bereitzustellen. Nicht zuletzt mit dem Forschungszentrum Jülich als bedeutendem Forschungsstandort sieht Rachel den Kreis Düren und damit verbunden auch die hier wirtschaftenden Landwirte als strategische Partner gut aufgestellt. Er ermunterte die Landwirte daher ausdrücklich, sich diesen zukunftsträchtigen Forschungen zu öffnen und aktiv zu begleiten.

Das Fazit des Besuchs fiel insgesamt dann auch sehr positiv aus, gelang es doch zum einen, dem eingeladenen Politiker die praktische Arbeit der Landwirte nochmals zu veranschaulichen. Zum anderen konnten aber auch wichtige Einblicke in die aktuelle Gefühlslage der Landwirte vermittelt werden, die, so die Hoffnung der Anwesenden, die Arbeit des Politikers im Bundestag im Sinne der Landwirtschaft positiv beeinflussen werden.