Neue Ferngasleitung entsteht

04.05.2018

Open Grid Europe informierte zusammen mit der Kreisbauernschaft Euskirchen über geplantes Ferngasleitungsprojekt zwischen Erftstadt und Euskirchen

Auch wenn die EUSAL nur einen Durchmesser von 40 cm hat, bedeutet die geplante Ferngasleitung einen Eingriff in den Boden. Foto: Open Grid Europe

Früh dran ist sie – die Open Grid Europe GmbH. Der führende Fernleitungsnetzbetreiber in Deutschland mit Sitz in Essen plant eine neue Ferngasleitung zwischen Erftstadt und Euskirchen. Und dies wird natürlich auch landwirtschaftliche Flächen betreffen. Open Grid Europe lud daher am Dienstag vergangener Woche mögliche von diesem neuen Leitungssystem betroffene Landwirte zu einer Infoveranstaltung nach Euskirchen ein. Eines gleich vorweg: Informationen über einen genauen Trassenverlauf der geplanten Leitung gab es leider noch nicht.

„Uns ist es wichtig, dass Sie zeitig, also noch vor dem Raumordnungsverfahren, über das geplante Projekt informiert sind“, betonte Dr. Andreas Bala von der Open Grid Europe. Ziel seines Unternehmens sei es, eine sowohl für die Open Grid Europe als auch für die Landwirte verträgliche Lösung durch das Bauvorhaben zu erlangen.

18 bis 20 km lange Leitung

Nähere Informationen rund um das Projekt gab Mario Schmitz, zuständig für die Trassenplanung. Hintergrund für die neue Fernleitung ist eine Umstellung der Gasqualitäten, und zwar von sogenanntem L-Erdgas (low caloric) auf H-Erdgas (high caloric). „25 % der deutschen Haushalte werden mit L-Gas versorgt, vor allem aus den Niederlanden. Da das L-Gas-Vorkommen in den Niederlanden zu Ende gehen wird, ist eine Umstellung erforderlich“, so Schmitz. Die Open Grid Europe wolle daher H-Gas aus Transportsystemen in L-Gas-Regionalsysteme überspeisen.

Im Gebiet Bonn soll diese Umstellung bis 2021 erfolgen und im gesamten L-Gas-Netz bis 2030. Bei dem geplanten Projekt Anschlussleitung Euskirchen, kurz EUSAL, wird eine neue Ferngasleitung mit einer Leitungslänge von 18 bis 20 km entstehen. Anfangspunkt sei am Stutzen einer vorhandenen Leitung in der Gemeinde Erftstadt und die Leitung ende in der Einbringung einer vorhandenen Leitungstrasse vor dem Abzweig Kuchenheim-Ost in der Gemeinde Euskirchen. Wie die Trasse genau verläuft, konnten die Vertreter von Open Grid   Europe allerdings noch nicht sagen. „Es sind derzeit insgesamt sechs Varianten möglich“, betonte Schmitz. Die geplante Leitung wird voraussichtlich den Rhein-Erft-Kreis, und zwar die Stadt Erftstadt, den Kreis Euskirchen mit der Gemeinde Weilerswist, der Stadt Euskirchen und der Stadt Zülpich und den Rhein-Sieg-Kreis mit der Gemeinde Swisttal, der Stadt Rheinbach und der Stadt Bornheim betreffen.

Wie Schmitz erläuterte, wird zur Verlegung der Gasleitung, die nur einen Durchmesser von 40 cm haben soll, ein Regelarbeitsstreifen auf freier Feldflur von 24 m benötigt. Ambitioniert ist der Zeitplan des Fernleitungsnetzbetreibers: Das Raumordnungsverfahren für EUSAL soll im Mai beantragt werden und bis Oktober abgeschlossen sein. Die Antragstellung der Planfeststellung soll im ersten Quartal 2019 erfolgen und Ende 2019 abgeschlossen sein. Die bauvorbereitenden Maßnahmen sind im ersten Quartal 2020 vorgesehen, Baubeginn soll im zweiten Quartal 2020 sein und im Dezember 2021 soll dann die neue Ferngasleitung in Betrieb gehen.

Kritische Nachfragen

Natürlich kamen von Seiten der Landwirte viele kritische Nachfragen zu dem geplanten Leitungsprojekt. Wie würde mit Drainagen verfahren? Auch wiesen die Landwirte da­rauf hin, dass gerade für die Sonderkulturbetriebe oft erhebliche Nachteile bei Eingriffen in den Boden für Gasleitungen entstünden. „Wir wollen sicherstellen, dass Sie keine Nachteile durch die Eingriffe haben“, betonte Bala. So sollen eine ökologische und bodenkundliche Baubegleitung und eine fachliche Baubegleitung durch landwirtschaftliche Sachverständige der Open Grid Europe sowie gegebenenfalls auch eine Unterstützung durch öffentlich bestellte Sachverständige erfolgen. Außerdem garantiere Open Grid Europe die Regulierung der Flurschäden auf der Leitungstrasse, die Regulierung von Mehraufwendungen bei der Bewirtschaftung der angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen und auch die Regulierung von Folgeschäden nach dem Leitungsbau. „Treten Schäden auf den landwirtschaftlichen Flächen auf, wird die Open Grid Europe diese entschädigen, eventuell sogar dauerhaft, bis die Schäden wirklich aufgehoben sind“, versicherte Bala.

In jedem Fall wird der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) versuchen, ein Rahmenabkommen mit Open Grid Europe ins Leben zu rufen. Wie Rechtsanwalt Paul Müller, Geschäftsführer der Kreisbauernschaft Euskirchen, erläuterte, werde dieses Rahmenabkommen Festsetzungen zu Bauausführung und Bodenschutz, zu Flur- und Aufwuchsschäden und insbesondere zu Fragen der Entschädigung beinhalten. Nach Aussagen von Müller wird sich der RLV darüber hi­naus weiter gemeinsam mit dem Deutschen Bauernverband für die Zahlung einer wiederkehrenden Vergütung bei Energieversorgungsleitungen einsetzen. Derzeit fehle es aber dafür noch an einer gesetzlichen Grundlage, die hierfür zwingend erforderlich sei.