Preiskrise trifft alle

19.08.2015

Kreisbauernschaft Euskirchen lud zum Pressegespräch auf den Betrieb Lorbach in Nettersheim-Zingsheim ein

Milchbäuerin Carmen Biermann (l.) und ihre Berufskollegen standen der Presse Rede und Antwort.

Besorgt über die derzeitige Situation der Landwirtschaft (v.l.n.r.): Helmut Dahmen, Carmen Biermann, Christian Lorbach, Stefan Hantel, Paul Peters und Hans Schorn. Fotos: Dr. Elisabeth Legge

Zwei Dinge sind es, die derzeit den Landwirten schwer zu schaffen machen. Dies sind zum einen die schlechten Preise und zum anderen die negative Berichterstattung über die landwirtschaftliche Tierhaltung. Um über die Situation der landwirtschaftlichen Betriebe zu informieren, lud die Kreisbauernschaft Euskirchen in der vergangenen Woche die Presse auf den Milchviehbetrieb von Josef und Christian Lorbach in Nettersheim-Zingsheim ein.

Die Preise bei den landwirtschaftlichen Produkten lassen derzeit zu wünschen übrig. „Alle Landwirte leiden dabei unter der Preiskrise“, stellte Hans Schorn, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Eus­kirchen, unmissverständlich fest. Kleine oder große Betriebe seien davon betroffen. Die Schweinehalter hätten bereits seit über eineinhalb Jahren mit zu niedrigen Preisen für ihre Produkte zu kämpfen. Der Milchpreis sei ebenfalls deutlich gefallen. Auch bei Getreide und Gemüse existiere zurzeit ein erheblicher Druck auf die Preise. Bei Zucker habe sich der Preis auf dem Weltmarkt sogar innerhalb eines Jahres halbiert. „Diese Preiskrise macht den Landwirten schwer zu schaffen. Viele Betriebe bangen um ihre Existenz“, betonte der Vorsitzende.

Ausschlaggebend für diese Preismisere sei dabei nicht nur das Russland-Embargo und die schwächelnde Konjunktur auf den asiatischen Märkten, sondern insbesondere die Einkaufs- und Preispolitik des Lebensmitteleinzelhandels. Der Handel dürfe seine Marktmacht nicht ausnutzen und zusätzlichen Druck auf die Preise ausüben, kritisierte Schorn. Die Marktmacht des Handels sei zu groß und hier sei dringend das Kartellamt gefragt, forderten der Kreisvorsitzende und seine Berufskollegen. Derzeit gebe es keinen Konsens. Wichtig sei, dass sich Politik, Einzelhandel, Molkereien und Landwirte an einen Tisch setzen würden, so die Landwirte. Sie wiesen aber auch da-rauf hin, dass die Lebensmittel in Deutschland eine viel zu geringe Wertschätzung hätten. Hier sei ein Umdenken dringend erforderlich. In Deutschland gäben die Verbraucher gerade mal 11 % ihres Einkommens für die Lebensmittel aus. „Dabei werden die Lebensmittel hier bei uns in Deutschland unter sehr hohen Standards produziert“, betonte Schorn.

Negative Berichterstattung

Enttäuscht sind die Landwirte im Kreis Euskirchen aber nicht nur über die schlechten Preise, sondern auch über die negative Berichterstattung in den Medien. Insbesondere die Milchbauern stehen dabei verstärkt in der letzten Zeit am Pranger. „Das ist deprimierend“, sagte Helmut Dahmen, stellvertretender Vorsitzender der Kreisbauernschaft und Milchbauer aus Mechernich-Lorbach. Das Vertrauen in die Landwirtschaft würde zurzeit bewusst untergraben, zeigte sich Dahmen überzeugt. Er wies darauf hin, dass die Milchbauern nichts zu verbergen hätten, und lud die Öffentlichkeit auf die Bauernhöfe in der Region ein. Eine artgerechte Haltung sei für die Milchbauern oberstes Gebot. Die Milchkühe würden keinesfalls, wie erst kürzlich in einer Fernsehsendung dargestellt, für billige Milch verheizt. Im Gegenteil: Die Milchbauern setzten alles daran, dass ihre Tiere möglichst lange gesund seien und hohe Leistungen bringen würden.

Und dazu gehört für die Milcherzeuger auch die Verbesserung des Tierwohls. Josef und Christian Lorbach, auf deren Betrieb die Pressekonferenz stattfand, haben beispielsweise 2010 in einen neuen Milchviehstall für 150 Kühe investiert. Dabei haben sie großen Wert auf einen Stall mit viel Licht, Luft und Platz gelegt. „Ja, Kuhkomfort wird bei uns großgeschrieben“, erläuterte Christian Lorbach. Und damit die Journalisten sich davon ein eigenes Bild machen konnten, führte der junge Mann sie durch seinen Stall. Dass sich die Landwirte viele Gedanken darüber machen, dass es ihren Tieren gut geht, darauf wies auch Carmen Biermann hin. Die Milchbäuerin aus Zülpich-Sinzenich wünscht sich eine objektivere Berichterstattung, und zwar nicht nur über die Milchviehhaltung, sondern über die gesamte landwirtschaftliche Tierhaltung. „In unseren Milchviehbetrieben sind die Kühe die wichtigsten Mitarbeiter und wir sind daher schon allein aus wirtschaftlichen Gründen am Wohl der Tiere interessiert“, so Carmen Biermann.

Höhere Wertschätzung nötig

Die Landwirtin und ihre Berufskollegen jedenfalls schauen im Moment nicht sehr positiv in die Zukunft. Das Höfesterben gehe leider rapide weiter und die derzeitige Einkommenssituation und die negative Berichterstattung in den Medien über die Landwirtschaft vermiese dem Nachwuchs regelrecht den Einstieg in die Landwirtschaft. Ein Umdenken sei hier dringend erforderlich. Die Landwirte und ihre Produkte benötigten einfach eine höhere Wertschätzung, lautete die klare Botschaft auf der Pressekonferenz.