Rechtzeitig Vorsorge treffen

12.11.2015

Tag der Landwirtschaft und des Gartenbaus in Geldern informiert über Regelungen zur Hofnachfolge, Erb- und Vorsorgeregelungen und über die klimatischen Rahmenbedingungen der Zukunft

David Michalowski

Gerd Pardon

Sven Plöger

Ralf Stephany

Bedenkenswerte und nützliche Informa­tionen, dazu auch gute Unterhaltung bot das Programm des Tags der Landwirtschaft und des Gartenbaus, zu dem die niederrheinischen Sparkassen zum ersten Mal nach ­Geldern eingeladen hatten. Fotos: Christiane Närmann-Bockholt

Man kennt ihn aus dem TV-Wetterbericht, wo es ihm stets gelingt, auch die kompliziertesten Wetterphänomene in gekonnt lockerer Manier anschaulich zu vermitteln. Am Mittwoch letzter Woche stand der Diplom-Meterologe und TV-Moderator Sven Plöger im Anton-Roeff-Saal in der Sparkasse Geldern und beleuchtete die klimatischen Rahmenbedingungen der Zukunft. Und dabei hatte er die Gäste, die der Einladung der Sparkassen Goch-Kevelaer-Weeze, Krefeld und Geldern zum Tag der Landwirtschaft und des Gartenbaus gefolgt waren, schnell in seinen Bann gezogen. Fachliche Unterstützung für den Tag der Landwirtschaft lieferten auch der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) durch die beiden Kreisbauernschaften Geldern und Kleve, die Landwirtschaftskammer NRW, die Kreisvereinigung der Gemüse-, Obst- und Gartenbauer Straelen sowie die Parta-Buchstelle für Landwirtschaft und Gartenbau Bonn.

Klimawandel als Frühwarnsystem

Der Klimawandel ist ein globales Pro­blem und trifft uns alle. Das zeigte Sven Plöger in seinem Vortrag deutlich auf. „Wir verwenden jedes Jahr die Ressourcen von 1,4 Erden“, wies der Meteorologe auf den bedenklichen Umgang mit den Ressourcen hin. Die Verknappung der Energievorräte werde kommen und müsse gestaltet werden. „Die Ressourcenverknappung zeigt, dass es eine Energiewende geben muss. Und der Klimawandel zeigt, dass es jetzt eine Energiewende geben muss“, hielt Plöger fest und appellierte an die Zuhörer, den Klimawandel nicht als Katastrophe zu sehen, sondern als „Frühwarnsystem unseres Planeten“. Allerdings gebe es mächtige Lobbyverbände, die sich gegen Veränderungen zur Wehr setzten. So sei es Strategie der Erdöl exportierenden Länder, durch die Preissenkungen des Erdöls die Konkurrenz der erneuerbaren Energien möglichst klein zu halten.

Der Wetterexperte zeigte eine Kurve mit dem globalen Temperaturverlauf seit Beginn der Messungen im Jahr 1850 und nahm damit den Klimaskeptikern den Wind aus den Segeln. „Das Jahr 2015 wird das mit Abstand wärmste Jahr seit 1850“, erklärte der TV-Moderator. Der Temperaturanstieg der letzten 100 Jahre betrage 0,8 °C, während der Anstieg seit der letzten Eiszeit bei 4 bis 4,5 °C liege. Für die kommenden 100 Jahre sage die Klimaforschung einen Anstieg von 2 bis 4 °C voraus. „Es geht nicht um die absolute Änderung, sondern vielmehr um die Geschwindigkeit“, wies Plöger auf die Beschleunigung der Prozesse hin.

Anschaulich machte er den Zuhörern die Auswirkungen der Erwärmung durch die Zunahme der Ozeantemperaturen und durch den dramatischen Rückgang des arktischen Eises. „Heute werden über 80 % der Energie fossil erzeugt, dabei liefert die Sonne uns rund 6 000mal so viel Energie, wie wir weltweit verbrauchen“, erklärte der Meteorologe mit dem Hinweis, dass regenerative Kombikraftwerke in der Lage seien, eine Grundlast zu liefern. Es sei notwendig, dass Energieverbrauch und der Anfall von Emissionen entkoppelt würden. „Die Verschmutzung der Atmosphäre muss global Geld kosten, dafür müssen wir die politisch wirksamen Rahmenbedingungen schaffen“, lautete sein Appell an die Zuhörer.

Rund um das Erbrecht

Um die Regelungen der Hofnachfolge und der Betriebsübergabe, einer für alle Landwirte und Gärtner existenziell wichtigen Frage, ging es in weiteren Vorträgen. Dafür hatte der Verband der veranstaltenden Sparkassen versierte Fachleute eingeladen. David Michalo-wski, Jurist und Geschäftsführer der Kreisbauernschaft Kleve, informierte über das Erbrecht und die Erbfolge nach dem BGB sowie über die Vererbung nach der Höfeordnung und lieferte eine Reihe von Hinweisen zu Fragen rund um Testament und Erbvertrag. Gerd Pardon, Jurist und Geschäftsführer der Kreisbauernschaft Geldern, ging in seinem Vortrag auf den Hofübergabevertrag ein und erläuterte die Leistungen und Gegenleistungen der Vertragsparteien, ging auf die Abfindung weichender Erben ein und ein mögliches Rücktrittsrecht des Übergebers vom Vertrag.

Jurist und Steuerberater Ralf Stephany, der Geschäftsführer der Parta-Buchstelle für Landwirtschaft und Gartenbau Bonn, erläuterte die steuerlichen Besonderheiten bei der lebzeitigen Übergabe von landwirtschaftlichen Unternehmen und Unternehmensteilen. Er riet dazu, den richtigen Zeitpunkt für eine steuerlich günstige Übergabe nicht zu versäumen und sich nicht auf die gesetzlichen Regelungen zu verlassen. Es sei sinnvoll, dafür frühzeitig Rat von Fachleuten einzuholen. Abschließend ging Margret Tischler, Beraterin für Einkommens- und Vermögenssicherung bei der Landwirtschaftskammer NRW, auf die Notwendigkeiten ein, Vorsorge für den Notfall zu treffen und so die Betriebsfortführung zu sichern.