Dialog im Planwagen

21.06.2019

Erftstädter Landwirte präsentieren ihren Beitrag zum Naturschutz

Die Erftstädter Landwirte zeigten bei einer Planwagenfahrt, was sie für den Naturschutz leisten. Foto: Margret Klose

Vergleichbares hat es bisher in Erftstadt noch nicht gegeben: Um den Mitgliedern des „Aktionsbündnisses pestizidfreies Erftstadt“ zu zeigen, was bisher seitens der Landwirte für den Naturschutz und die Artenvielfalt getan wird, hatten Landwirte zu einer Planwagenfahrt eingeladen. Und ein Wagen reichte am Freitag vergangener Woche bei Weitem nicht aus, um allen Teilnehmern einen Platz anbieten zu können. Annähernd 50 Landwirte, Mitglieder des Aktionsbündnisses, aber auch Privatleute waren gekommen, um sich bei diesem besonderen Ausflug zu informieren.

Zusammen mit den Ortslandwirten hatte Landwirt Jörg Hoffsümmer den Ausflug organisiert. Die Zahlen zu den umgesetzten Naturschutzmaßnahmen hatte Kreislandwirt Willi Winkelhag mitgebracht. Demnach werden in Erftstadt rund 6833 ha Ackerland landwirtschaftlich genutzt. 100 ha sind davon inzwischen für Natur- und Artenschutz reserviert. „Das entspricht in etwa der Größe eines ganzen Ackerbaubetriebes“, sagte Hoffsümmer.

Doch nicht er stellte die Projekte vor. Als unparteiischer Berater und Fachmann begleitete auf Einladung der Landwirte der Brühler Biologe Dr. Bernhard Arnold die Tour. „Heute geht es darum, aufzuzeigen, welche Maßnahmen über den Vertragsnaturschutz hi­naus hier in Erftstadt bisher umgesetzt wurden“, sagte er. Dies geschehe auf Wiesen und Weiden, aber auch dank Blühstreifen und Brachflächen. Schon von Weitem waren hinter Friesheim die leuchtenden Farben eines etwa 2 ha großen Feldes zu sehen, auf dem Klatschmohn, Kornblumen und wildes Korn blühen. „Dieses Blühfeld, das dreigeteilt mit verschiedenen Einsaaten seit zwei Jahren wächst, liefert rund ums Jahr Nektar und Pollentracht“, sagte der Fachmann. Auch Niederwild wie Hasen und Rebhühner fänden dort abwechslungsreiche Nahrung. Gern spricht Arnold bei solchen Flächen von der „Hasenapotheke“. Solche Strukturen bieten den Wildtieren zudem Deckung vor Fressfeinden.

Arnold betonte, dass nicht nur der Verzicht auf Pestizide die Artenvielfalt steigere, sondern vor allen Dingen die Mischungen verschiedener Kulturen und Strukturen auf überschaubarem Raum. „Ich habe einiges Neues über den konventionellen Ackerbau gelernt“, bilanzierte nach gut drei Stunden zum Beispiel Ulrich Eickhoff. Erfreut habe er aber auch zur Erkenntnis genommen, dass die Landwirte wirklich bemüht seien, den Einsatz von Pestiziden zu reduzieren.