Runder Tisch mal anders

09.07.2020

Bei einer gemeinsamen Flächentour in Pulheim-Geyen stand nicht nur die erfolgreiche Umsetzung des Vertragsnaturschutzes im Feldhamsterschutz durch ortsansässige Landwirte im Mittelpunkt, sondern es fand auch wieder ein reger Austausch zwischen Vertretern der Landwirtschaftskammer NRW, der Biologischen Station Bonn/Rhein-Erft, der Kreisbauernschaft und des Rhein-Erft-Kreises zu anderen Themen des Naturschutzes und der Landwirtschaft statt.

Vertreter der Landwirtschaft, der Biostation und der Verwaltung freuten sich über die Ergebnisse der Vertragsnaturschutz-Maßnahmen.

Viele Maßnahmen zeigen jetzt Wirkung. Fotos: Sarah Öztürk

Der „Runde Tisch zur Förderung der Biodiversität in der Ackerlandschaft des Rhein-Erft-Kreises“ wurde Anfang 2017 auf Initiative des Rhein-Erft-Kreises gegründet und hat vorrangig die Umsetzung von Maßnahmen zur Verbesserung der Situation der sogenannten Verantwortungsarten des Kreises wie Feldlerche, Rebhuhn und Co. in Kooperation mit der Landwirtschaft zum Ziel. Ein wichtiger Baustein in diesem Dialog ist seitdem auch die regelmäßige Durchführung gemeinsamer Informationsveranstaltungen für Landwirte zu diesen Arten und zu möglichen Fördermaßnahmen.

Zum Vertragsnaturschutz berät die Biologische Station die Landwirte im Kreis und wird dabei seit 2017 von der Biodiversitätsberatung der Landwirtschaftskammer unterstützt, sodass auch hier inzwischen eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Landwirtschaft erfolgt. Kreislandwirt Willy Winkelhag betont dazu immer wieder: „Es geht nur zusammen und man muss miteinander reden – das funktioniert hier im Kreis spitze!“. Aktuell werden im Rhein-Erft-Kreis rund 580 ha landwirtschaftliche Fläche (Acker und Grünland) von Landwirten naturschutzfreundlich im Vertragsnaturschutz bewirtschaftet, die puzzleartig in der Landschaft verteilt und in ihrer Summe einen ersten fördernden Effekt für Insekten und die heimischen Tiere der Feldflur zeigen.

Im Raum Pulheim stehen von diesen Vertragsnaturschutzflächen rund 380 ha für den Schutz des Feldhamsters zur Verfügung, eine der Verantwortungsarten des Rhein-Erft-Kreises.

Zu seinem Schutz werden landwirtschaftliche Flächen zwar regulär bewirtschaftet, doch verzichten die teilnehmenden Landwirte auf das tiefe Pflügen der Flächen und halten die Fruchtfolge mit einem dreimaligen Getreideanbau innerhalb von fünf Jahren sowie einer Stoppelruhe nach der Getreideernte ein. Auch die Beschränkung auf einen ein- oder zweimaligen Pflanzenschutzmitteleinsatz ist zum Schutz des Feldhamsters vorgesehen.

Die Teilnehmer des Runden Tisches machten sich ein Bild von diesen „normalen“ Flächen, teils in diesem Jahr mit Zuckerrübe und Kartoffeln bestellt, aber auch von denjenigen Flächen, auf denen im Frühjahr 2019 die Stützungsansiedlung des Feldhamsters erfolgte und die viele unterschiedliche Anbaukulturen wie Luzerne, Blühstreifen oder reine Wintergerste aufweisen. Groß war ebenfalls das Interesse am aktuellen Stand und überdurchschnittlichen Erfolg der Auswilderung des „Kornwolfs“, der plattdeutsche Name des Feldhamsters, den noch einige der teilnehmenden Landwirte kennen, die aktuell im Juni fortgesetzt worden war.

Die Vertreter des Runden Tisches sind sich alle in einem einig: Zu verdanken ist sowohl der Erfolg einer Stützungsansiedlung eines nicht immer unumstrittenen Tieres wie des Feldhamsters als auch der Erfolg im Vertragsnaturschutz insgesamt vor allem der guten Zusammenarbeit zwischen der Landwirtschaft und dem Naturschutz und besonders den Landwirten in der Region, die sich nicht nur kooperativ und aufgeschlossen zeigen, sondern auch mit überdurchschnittlichem Engagement ihre landwirtschaftlichen Flächen naturschutzfreundlich bewirtschaften.

Im Herbst 2020 wird der Runde Tisch wieder zusammenkommen, sich den nächsten Themen widmen und die gute, vertrauensvolle Zusammenarbeit weiterführen, frei nach dem Motto „Wigger so!“


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