Traumberuf: "Landwirt 2.0"

19.11.2015

Hendrik Ruwisch, Landwirt und Agrar-Slammer, sorgte beim Landwirteempfang auf Schloss Bedburg für gute Stimmung

Landwirteempfang auf Schloss Bedburg mit einem herzlichen Dankeschön an die Landfrauen (v.l.n.r.): RLV-Ehrenpräsident Friedhelm Decker, RLV-Vizepräsident Erich Gussen, Verena Wolff, Maria Winkelhag, Bernhard Ripp, Willy Winkelhag, Elisabeth Neisse, Brigitte Wynen und Marlies Kolping.

Hendrik Ruwisch sorgte mit seinem Agrar-Slam für gute Stimmung. Fotos: Patrick Klameth

Den landwirtschaftlichen Berufsstand humorvoll in der Öffentlichkeit zu präsentieren, um Vorurteile abzubauen – das will Hendrik Ruwisch. Und der 28-jährige Landwirt aus dem westfälischen Versmold versteht sein Handwerk. Schließlich ist er Gewinner des ersten westfälischen Agrar-Slams. Die rund 100 Bäuerinnen und Bauern sowie die zahlreichen Ehrengäste fühlten sich am vergangenen Montag beim traditionellen Landwirteempfang auf Schloss Bedburg bestens unterhalten, als Ruwisch pointiert und witzig aus seinem Alltag als Landwirt auf einem Hof mit drei Generationen, 2 000 Mastschweinen, 70 ha Ackerland und 10 ha Wald berichtete.

Agrar-Slam? Das ist kein neumodischer englischer Begriff für schmutzige Hinterlassenschaften der Landwirtschaft wie Gülle, Mist oder gar Klärschlamm. Nein, als Slam bezeichnet man neuerdings einen „Dichterwettstreit“, bei dem die Vortragenden versuchen – mal ernst, mal lustig – die Zuhörer in ihren Bann zu ziehen. „Den vielfach idealisierten Bauernhof von früher gibt es nicht mehr“, so die Botschaft von Ruwisch. Im Gegenteil: „Der Beruf des Landwirtes hat in den vergangenen Jahren viele Updates erfahren.“ So läuft das Programm des Junglandwirtes auch unter dem Motto „Landwirt 2.0“.  Der Bauer muss heute nicht nur etwas vom Ackerbau und von der Viehzucht verstehen, nein, er muss auch Manager, geschickter Mechaniker, Veterinär, gewiefter Ein- und Verkäufer sowie ein geduldiger Büromensch sein. Trotzdem bleibt für Ruwisch das „Bauersein“ ein Traumberuf. Insbesondere dann, wenn man bei Sonnenaufgang mit dem Traktor Dünger streut und dazu der Song „What a wonderful world“ im Radio läuft. „Dann läuft vor Begeisterung auch schon mal der Düngerstreuer leer, ohne dass man es merkt.“

Fleisch für drei Calmunds

Auch für die Schweineproduktion auf seinem Hof hat Ruwisch ein anschauliches Bild parat: „Mit 2 000 Mastschweinen können Sie durchschnittlich den Fleischverbrauch von 114 000 Mitmenschen decken – oder den von drei Rainer Calmunds.“ Und während er den Einsatz von  Wachstumsregulatoren im Getreide mit dem Einnehmen von Viagra vergleicht, setzt er die chemische Behandlung von Fußkrankheiten mit Fußpilz gleich: „Auch dafür rennen die Menschen bekanntlich in die Apotheken.“ Klar, dass solche Botschaften bei dem überwiegend bäuerlichen Pu­blikum gut ankamen. Der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Köln – Rhein-Erft-Kreis und Kreislandwirt, Willy Winkelhag, bedankte sich deshalb herzlich bei dem westfälischen Jungbauern und überreichte ihm – durchaus passend zu dem kurzweiligen Vortrag – den Jubiläumsorden seines Karnevalsvereins.

Auf Schloss Bedburg ging es aber durchaus auch etwas ernster zu. Bei seiner Begrüßung hatte der stellvertretende Landrat des Rhein-Erft-Kreises, Bernhard Ripp, in Vertretung des erkrankten Landrates Michael Kreuzberg, auf die Bedeutung der Landwirtschaft für den Umwelt- und Naturschutz, die Artenvielfalt sowie den Klimaschutz im Kreis  und dabei auf die Nachhaltigkeitsstrategie der Landesregierung hingewiesen.

Nach seinen Worten braucht man dazu kein Strategiepapier. Landwirte seien sich ihrer Verantwortung durchaus bewusst. „Ob bei Nitrat, wo wir durchaus noch Probleme haben oder beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln oder beim Thema Artenvielfalt: Durch intensive Beratung und Kooperation können wir in unserem Kreis überall positive Tendenzen feststellen“, so der stellvertretende Landrat. Ripp vergaß nicht, die Landfrauen und die Kreisbauernschaft ausdrücklich für ihre gute und erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit für den landwirtschaftlichen Berufsstand zu loben.

Wir reden nicht, wir handeln

Der Kreisvorsitzende Willy Winkelhag hatte bei seinen Grußworten deutlich gemacht, dass die Bauern mit der Umsetzung der jüngsten Agrarreform weiteren „Mehrwert“ für Umwelt und Natur schaffen würden. „Unsere Landwirte setzen das vorgegebene Greening vorbildlich um – sei es durch Zwischenfruchtanbau, die Anlage von Blüh- oder Gewässerrandstreifen oder andere Maßnahmen.“ Im Sinne des Natur- und Umweltschutzes werde man auch in den kommenden Jahren kreativ sein, versprach Winkelhag. „Wir reden nicht, wir handeln“, sagte der Kreisvorsitzende und vergaß in diesem Zusammenhang nicht, auf die zahlreichen, erfolgreichen Gespräche mit den Bürgermeistern der Städte und Gemeinden im Kreis hinzuweisen.

Auf die schwierige Situation der bäuerlichen Familien verwies bei ihren Schlussworten die Vorsitzende der Landfrauen im Rhein-Erft-Kreis, Marlies Kolping. „Ob bei Milch, Fleisch oder auch im Ackerbau – wir alle spüren in diesem Jahr die Preismisere auf den Märkten“, so Kolping. Umso wichtiger sei es, dass die Politik für bäuerliche Familienbetriebe vernünftige Rahmenbedingungen setze. Kolping: „Denn unsere Familienbetriebe sind und bleiben das Rückgrat für den ländlichen Raum!“


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