Erntedankfest mit Regensegen

27.09.2018

„Satt ist nicht selbstverständlich – Erntedank“ lautete die Überschrift des Liedzettels zum siebten Erntedankgottesdienst im Niederrheinischen Freilichtmuseum an der Dorenburg in Gref- rath am vergangenen Sonntag.

Einig beim Erntedank, kontrovers beim Thema Nitrat (v.l.n.r.): Landrat Dr. Andreas Coenen, Jessica Krebbing, Gisela Wolfers, Landfrauen-Kreisvorsitzende, Paul Christian Küskens und der Kreisstellenleiter Dr. Christian Hoffmann.

Die Ortsbauernschaft Grefrath veranschaulichte die Entwicklung der Milchgewinnung vom Handmelken/Milchsieb über die Eimermelkanlage bis hin zum Melkroboter, der als mobiles Gerät vor Ort war.

Die Rheinische Kartoffelkönigin Jessica Krebbing hatte im Handumdrehen eine Bienenwachskerze am Bienen-Infostand der Landfrauen gerollt. Fotos: Maria Nacke-Pollmann (2), Karl Nacke (1)

Nach dem extrem heißen und trockenen Sommer dieses Jahres schien die Dankbarkeit auch über eine geschmälerte Ernte unter allen Gottesdienstbesuchern mit den Händen greifbar zu sein. Hunderte waren trotz Regenwetter gekommen. Wer keinen Platz mehr im Museumsgebäude fand, folgte dem Gottesdienst von draußen. Pfarrerin Petra Vahrenhorst nahm alle Verbraucher in die Pflicht: „Das Verlangen nach immer preiswerteren Lebensmitteln ist nachteilig und klimaschädlich.“ Etwas gegen das „über die Verhältnisse leben“ zu tun, hat sich auch der Kreis Viersen vorgenommen, wie Landrat Dr. Andreas Coenen darstellte. Dazu hatte er das Thema Nitrat/Gülle ausgesucht, was im unmittelbaren Anschluss an die Grußwortrunde gleich einen kontroversen Mini-Güllegipfel nach sich zog. Den Landrat-Appell „Kauft mehr regionale Produkte!“ unterstützte auch die Rheinische Kartoffelkönigin Jessica Krebbing in ihrer Ansprache.

Paul-Christian Küskens, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Krefeld-Viersen, erinnerte daran, dass im Extremsommer „zum Teil auch der Versuch unternommen wurde, den Bauern die Verantwortung für den Klimawandel in die Schuhe zu schieben. Dabei trägt die Landwirtschaft in NRW lediglich mit rund 2,4 % zum Ausstoß von klimarelevanten Gasen bei – deutschlandweit mit nur knapp 7 %.“ Zudem seien die Landwirte durch moderne Technologien in Stall und Feld längst tätig geworden; sie benötigten ihrerseits aber auch Möglichkeiten zur Bewältigung von schwierigen Phasen aus eigener Kraft, wie zum Beispiel Risikoausgleichsrücklagen, Versicherungslösungen, Neuzüchtungen und nicht zuletzt einen verlässlichen politischen Rahmen.

Zum Umgang mit Ressourcen mögen auch die Verbraucher ihren Anteil beitragen, durch das entsprechende Einkaufsverhalten. Nicht zuletzt der Lebensmitteleinzelhandel sollte sich zu seiner Verantwortung bekennen, denn, so Küskens weiter: „Es kann nicht sein, dass etwa zu Beginn der diesjährigen Frühkartoffelsaison wochenlang die Ware aus Ägypten gegenüber der heimischen bevorzugt und im Regal zu Dumpingpreisen angeboten wird.“ Auf dem Museumsgelände konnten die Besucher dann auch gleich regional einkaufen: Lebensmittel von Bauernhöfen, Deko-Kürbisse, Blumensträuße, Pflanzen, ausgefallenes Kunsthandwerk, Spielzeug und vieles mehr.