Regelmäßiger Austausch ist wichtig

16.07.2015

Kreisbauernschaft Krefeld-Viersen diskutierte in Niederkrüchten mit Bürgermeisterkandidaten über Landwirtschaft --- Lange dauert es nicht mehr: Am13. September, also in gut zwei Monaten, stehen in Niederkrüchten Bürgermeisterwahlen an. Fünf Kandidaten gibt es, alle mit unterschiedlichen Wahlversprechen. Doch wie stehen sie zu Themen rund um die Landwirtschaft?

Sie stellten sich den Fragen rund um die Landwirtschaft (v.l.n.r.): Trudis Jans, Aljoscha Ortmann, Yvonne Jeurißen, Paul-Christian Küskens, Bennet Gielen und Karl-Heinz Wassong.

Viele interessierte Zuhörer gab es bei der Veranstaltung der Kreisbauernschaft Krefeld-Viersen mit den Niederkrüchtenern Bürgermeisterkandidaten.

Diese Frage stand am Dienstag vergangener Woche im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion in Niederkrüchten. Dazu eingeladen hatte die Kreisbauernschaft Krefeld-Viersen. Bei der gut besuchten Veranstaltung, die durch den Kreisvorsitzenden Paul-Christian Küskens eröffnet wurde, hatten die Kandidaten die Möglichkeit, sich einen Abend lang den Belangen der ländlichen Bevölkerung und der Landwirtschaft zu widmen.

Die Kandidaten im Überblick

Zur Wahl stellen sich fünf Kandidaten – drei Männer und zwei Frauen: Die SPD schickt Frau Trudis Jans ins Rennen. Die 47-Jährige ist verheiratet und als Justiziarin im Kreis Wesel tätig. Der studierte Jurist Bennet Gielen (34, CDU) ist verheiratet, Vater einer kleinen Tochter und beim Kreis Viersen als persönlicher Referent von Landrat Peter Ottmann beschäftigt. Der 29-jährige Altenpfleger Aljoscha Ortmann wurde von seiner Partei „Die Linke“ aufgestellt, die seit 2014 erstmals mit zwei Sitzen im Gemeinderat vertreten ist. Weiterhin treten zwei parteilose Kandidaten an. Karl-Heinz Wassong (52) ist studierter Sozialarbeiter und beim Bistum Aachen beschäftigt. Die Elmpterin Yvonne Jeurißen (33), Mutter zweier Kinder, ist als Diplom-Verwaltungswirtin Beamtin bei der Stadt Mönchengladbach.

Bei der Fragestellung, wie man als künftiger Bürgermeister die örtliche Landwirtschaft unterstützen wolle, waren sich die Kandidaten einig, dass ein regelmäßiger Austausch zwischen Verwaltung und Landwirten enorm wichtig sei. Auch die weitere Nutzung des

882 ha großen Geländes des ehemaligen Militärflughafens war Thema der Runde. Hier sprachen sich alle für die Schaffung neuer Gewerbeflächen, Naturschutzflächen, Platz für regenerative Energien und die Erhaltung des Golfplatzes aus. Die aktuelle Diskussion über die Unterbringung von Flüchtlingen in bestehenden Gebäuden auf dem Gelände darf laut Gielen nicht die gewerbliche Entwicklung der Region gefährden. Als Christ sieht es Wassong hingegen als seine Pflicht an, Flüchtlinge aufzunehmen, und wirbt für eine „Willkommenskultur in unserer Gemeinde“.

Gegenseitige Rücksichtnahme

Für Gesprächsstoff sorgte das Thema „Nutzung von Wirtschaftswegen“. Während Landwirte mit immer größeren und schwereren Maschinen tragfähige Zuwegung benötigen, sehen sich Bürger als Jogger, Walker oder Hundebesitzer häufig gestört. Hier setzen alle Kandidaten auf die Imagearbeit der Landwirte. Nur so könne man gegenseitige Rücksichtnahme fördern, für Verständnis werben und laut Jans „auf einen Nenner kommen“. Doch wer ist für die Instandhaltung der Wege zuständig und wer finanziert sie? Jeurißen sprach sich für die Gründung eines Wirtschaftswegeverbandes aus. Dies sah Küskens allerdings skeptisch: „Die Umsetzung ist nicht einfach. Die Landwirte werden zu Kosten herangezogen und das Geld verbandlich verwaltet. Der Einfluss der Landwirte auf den Einsatz der Gelder ist gering.“

Sowohl Ortmann als auch Wassong sehen die Pflege der Wirtschaftswege als Gemeinschaftsprojekt der Gemeinde und der Landwirte. So könnten die Landwirte ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen und die Gemeinde stellt Mittel wie Asphalt oder auch Geräte zur Verfügung. Auch bei der Diskussion des aktuellen Themas „Diebstahl im Feld“ setzen die Kandidaten ausnahmslos auf mehr Öffentlichkeitsarbeit. Jans verdeutlichte, dass die Mitnahme von Gemüse beim Spaziergang kein Kavaliersdelikt sei und geahndet werden müsse. Gielen und Ortmann sprachen sich dafür aus, dass die Polizei präsenter werden müsse. Dies dürfte aufgrund fehlender Mittel jedoch schwierig werden. Jeurißen würde den kommunalen Ordnungsdienst zu Hilfe ziehen, der gleichzeitig Aufklärungsarbeit leisten soll.

Der bei der Veranstaltung anwesende Gemüsebauer Mark Bonus aus Niederkrüchten sieht neben Diebstählen noch ein weiteres Problem: Hundehalter lassen ihre Tiere über Vlies und Folien laufen, wodurch diese beschädigt werden. Hierdurch entstehen hohe Sachschäden, die niemand ersetzt. Landen aber von der Beregnung ein paar Tropfen Wasser im Cabrio, fühlen sich Anwohner durch Schussapparate gestört, oder ist wetterbedingt die Straße mal mit dem Schlepper verschmutzt worden, stehe das Ordnungsamt binnen kürzester Zeit mit passendem Bußgeldbescheid auf dem Hof. Hier herrsche ein enormes Ungleichgewicht, bemängelten Bonus und seine Berufskollegen.

Letztendlich sind viele Landwirte zu ehrenamtlichen Einsätzen zwecks Imageverbesserung bereit. Es scheint aber schwierig, das gewünschte Verständnis der Mitbürger zu erzielen. Hierzu fehlte auch den Bürgermeisterkandidaten das einleuchtende Konzept.