Das Glas ist halb voll

04.10.2018

Kreisbauernschaft Mettmann zieht in ihrer traditionellen Pressekonferenz Bilanz

Zogen Bilanz (v.l.n.r.): Betriebsinhaber Friedhelm Troost, Geschäftsführer der Kreisbauernschaft Mettmann, Marcel Terhardt, Betriebsinhaber Rudolf Troost, Kreislandwirt Bernd Kneer, zweiter stellvertretender Kreisvorsitzender der Kreisbauernschaft, Johannes Paas, Geschäftsführerin der Kreisstelle Mettmann der Landwirtschaftskammer, Ursula Jandel, Kreisvorsitzender der Kreisbauernschaft Mettmann, Martin Dahlmann, und sein erster Stellvertreter Josef Aschenbroich. Foto: Tina Ziemes

„Dass der Ackerboden in einer Tiefe von 30 cm staubtrocken ist, habe ich bisher nicht gekannt“, berichtete Betriebsinhaber Rudolf Troost bei der diesjährigen Erntepressekonferenz der Kreisbauernschaft Mettmann auf seinem Betrieb in Heiligenhaus nachdenklich. „Das Wetter spielte wirklich verrückt“, ergänzte sein Bruder Friedhelm bei allem Ärger fast lachend. „Du konntest zur Haustüre rausgehen und standst im Regen. Wähltest du aber die Hintertür, war von Regen nichts zu sehen.“

Schwierige Bedingungen

Der stellvertretende Kreisvorsitzende Josef Aschenbroich veranschaulichte der anwesenden Presse die Anbaubedingungen für Winterungen und Sommerungen. „In unserem Kreisgebiet wechselt die Bodengüte vom humosen Lehm bis zum leichten Sandboden“, erläuterte er die natürlichen Voraussetzungen. „Bei nassen Saatbedingungen im Herbst, einer späten und kurzen
Vegetationsperiode im Frühjahr sowie einer durch Trockenheit und Hitze geprägten Erntezeit wurden die Landwirte in dieser Vegetationsperiode mit besonderen Bedingungen konfrontiert.“ Insgesamt fielen die Ernteergebnisse beim Wintergetreide aber trotzdem im Vergleich zu anderen Gebieten in Deutschland noch zufriedenstellend aus, wusste der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Mettmann, Martin Dahlmann, zu berichten. „Problematischer ist es für Vieh haltende Betriebe“, ergänzte der Geschäftsführer der Kreisbauernschaft Marcel Terhardt. „Bereits frühzeitig mussten viele Landwirte auf das Winterfutter zurückgreifen, da notwendige Grasschnitte teilweise einfach ausfielen und es auch
auf den Maisflächen zu großen Verlusten kam.“

Trotz der in den letzten Jahren zum Teil schwierigen Witterungsbedingungen: Kreislandwirt Bernd Kneer ist sich sicher: „Landwirtschaft hat in unserer Region eine Zukunft.“ Es sei eine gemeinsame Aufgabe, sich neuen Bedingungen anzupassen. Auch Terhardt verdeutlichte nochmals, dass der Umgang mit dem Klimawandel eine Gemeinschaftsaufgabe sei und nicht alleinige der Landwirtschaft. Zudem leisteten die Landwirte laut Dahlmann bereits einiges in puncto Nachhaltigkeit. „Unsere Landwirte bewirtschaften ihre Felder mit einer vielfältigen Fruchtfolge. Sie unternehmen schon seit Jahren massive Anpassungen und Änderungen in der Produktionstechnik. Wir arbeiten vielfach pfluglos und wassersparend, fördern das Bodenleben und reichern die Böden mit Humus an!“   

Angespannte Lage

Insgesamt sei festzuhalten, dass die finanzielle Lage in vielen landwirtschaftlichen Betrieben stark angespannt ist. Ursula Jandel, Geschäftsführerin der Kreisstelle Mettmann der Landwirtschaftskammer, ging trotzdem nicht davon aus, dass viele Betriebe Zuwendungen aus den geplanten Dürrehilfen bekommen. „Wir sind hier in der glücklichen Lage, dass die Betriebe sich in den allermeisten Fällen selber helfen können.“ Und weiter: „Ich rechne damit, dass nur einige wenige Futterbaubetriebe und Biobetriebe den Antrag auf finanzielle Unterstützung stellen werden.“ Auch der zweite stellvertretende Kreisvorsitzende Johannes Paas stellte die Besonderheiten des Kreises Mettmann heraus: „Das Hauptstandbein der meisten Betriebe im Kreis ist die Pensionspferdehaltung. Die höheren Preise für Stroh und Futtermittel können in harten Zeiten weitergereicht werden. Diese Möglichkeit hat der Milcherzeuger nicht.“ „Wir haben hier eine besondere Region“, so Dahlmann. „Die unmittelbare Nähe zum Ballungszentrum Düsseldorf bietet viele Möglichkeiten an Dienstleistungen rund um die Landwirtschaft. Wir sollten die Lage eher so sehen, dass das Glas nicht halb leer, sondern halb voll ist!“ Wichtig sei dennoch, dass langfristig kein Weg an wirksamen Instrumenten zur Liquiditätssicherung, wie der steuerfreien Gewinnrücklage und einem reduzierten Steuersatz für Dürreversicherungen, vorbeiführe.