Fläche in Not

03.05.2019

Die Ortsbauernschaft Wuppertal-West veranstaltete eine Pressekonferenz

Medienrummel auf dem Gut zur Linden in Wuppertal-

Vohwinkel.

Die Wuppertaler Landwirte wehren sich gegen den hohen Flächenverbrauch (v.l.n.r.): Carsten Bröcker, Martin Dahlmann und Tim Neues sprachen für 80 Bauernfamilien.

Die Wuppertaler Bauern sind auf 180, auf 187 genau genommen. Die Stadt Wuppertal plant, in den nächsten Jahren über 187 ha Ackerfläche und Grünland zu versiegeln – rund 35 ha für eine Forensik auf der Kleinen Höhe (die LZ berichtete), rund 27 ha für eine Bundesgartenschau und 125 ha für neue Wohnungen. „Fläche ist endlich. Wenn man an die ganzen Vorhaben denkt – da fehlen uns die Worte. Das ist aus unserer Sicht eine Katastrophe. Das sind harte Worte, aber die müssen ausgesprochen werden“, betonte Martin Dahlmann, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Mettmann, am Montag dieser Woche gegenüber den Medienvertretern bei einer Pressekonferenz auf dem Gut zur Linden der Familie Kathrin und Carsten Bröcker in Wuppertal-Vohwinkel. Die Kreisbauernschaft Mettmann hat bereits mehrere Gespräche mit der Politik vor Ort geführt. „Verständnis haben wir aber bei keiner Partei, noch nicht einmal bei den Grünen, dafür bekommen, dass wir die Versiegelung verhindern wollen. Das ist unglaublich und wundert uns sehr“, kritisiert auch Carsten Bröcker, gastgebender Betriebsleiter und stellvertretender Vorsitzender der Ortsbauernschaft Wuppertal-West. Dabei gäbe es gerade im Wuppertaler Raum so viele Industriebrachen, die man sanieren könnte. Auch stünden viele von Wuppertals Innenstadthäusern leer.

„Wir sind noch 80 Landwirtsfamilien in Wuppertal. Wenn der Flächenverbrauch so umgesetzt wird, wie geplant, sieht es düster aus“, so Dahlmann. In 25 Jahren haben die Landwirte 25 % der Fläche verloren – in Zahlen: 1 160 ha. Damit wurde im Schnitt 20 Familien die Bewirtschaftungsgrundlage entzogen. „Wenn wir so weitermachen, kann noch genau eine Generation hier regionale Lebensmittel erzeugen und dann ist es zu Ende“, rechnete Carsten Bröcker vor. An die nötige Weiterentwicklung der Betriebe sei nicht zu denken, wenn die Fläche immer weiter abnehme. „Wenn wir nicht völlig abhängig von Importware werden wollen, müssen wir dafür sorgen, dass regionale Nahrungsmittelerzeugung möglich ist“, forderte der Bullenhalter und Direktvermarkter.

„Wir können nicht immer mehr Artenschutzmaßnahmen leisten und Lebensraum für Insekten schaffen, aber gleichzeitig weniger Fläche zur Verfügung haben. Die Flächennot gefährdet schließlich auch die Nachhaltigkeit“, hob Tim Neues, Vorsitzender der Ortsbauernschaft Wuppertal-West, hervor. „Unsere Grundlage schwindet täglich.“ Aktuell werden in Nordrhein-Westfalen weiterhin jeden Tag 15 ha versiegelt.

Bei täglich schwindender Fläche bleibt nicht nur weniger Raum für die regionale Landwirtschaft und für den Arten- und Naturschutz, sondern auch für die Freizeit- und Erholungssuchenden. „Leider kommt es aktuell schon oft zu Pro­blemen, da wir uns den wenigen Raum mit den Erholungssuchenden teilen. Viele meinen, sie hätten einen Anspruch, auf den von uns gebauten Wirtschaftswegen spazieren zu gehen, und rücken nicht auf die Seite oder lassen ihre Hunde auf unseren Feldern ihr Geschäft verrichten“, berichtete Carsten Bröcker. Diese Probleme könnten bei steigendem Flächenverbrauch noch weiter zunehmen.

Obwohl die Landwirte bisher keinerlei Verständnis bei den lokalen Politikern erhalten haben, geben sie nicht auf und wollen weiter im Gespräch bleiben. Die Landwirte wollen der Politik ganz deutlich den Spiegel vorhalten und betonen, dass die Ausweisung immer neuer Gewerbegebiete und Wohnungsbauflächen keine nachhaltige Lösung sein kann. „Spätestens wenn alles zugebaut ist, muss man sich ein Konzept überlegen, wie man die Stadt wirklich auf finanziell sichere Füße stellt“, sagte Martin Dahlmann abschließend.