Flächenfraß begrenzen

09.06.2016

Landrat Thomas Hendele besuchte Betriebe im Kreis Mettmann --- Zu einem Besuch landwirtschaftlicher Betriebe hatten die Kreisbauernschaft Mettmann und die Kreisstelle der Landwirtschaftskammer NRW Landrat Thomas Hendele eingeladen.

Betriebsleiter Hartmut Elsiepen (l.), Martin Dahlmann, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Mettmann (2.v.l), und Kreislandwirt Bernd Kneer (r.) erläuterten Landrat Thomas Hendele (2.v.r.) die besonderen Herausforderungen von Betrieben im Ballungsgebiet.

Auf dem landwirtschaftlichen Betrieb von Johannes Kircher (2.v.l) erfuhr Landrat Thomas Hendele (l.), wie die Landwirte mit Blühstreifen für biologische Vielfalt auf dem Acker sorgen. Foto: Annegret Keulen

Im Rahmen der Tour am Dienstag vergangener Woche erfuhr der Gast, wie sich Landwirte trotz knapper werdender Flächen auf ihren Äckern um biologische Vielfalt kümmern und den Markt vor der Haustür zur Direktvermarktung nutzen.  

Erste Station war für den Landrat an diesem Tag das Gut Breckhausen in Ratingen-Homberg. Auf dem reinen Ackerbaubetrieb von Hartmut Elsiepen und Karin Strucksberg werden neben Getreide auch Ackerbohnen angebaut. „Es ist gut für uns, wenn wir hier bei uns die Eiweißproduktion anleiern“, erklärte Betriebsleiter Elsiepen. Auf einem Teil der 155 ha Ackerfläche baut Landwirt Elsiepen darüber hi­naus Kartoffeln an und nutzt bei deren Vermarktung die Konsumentendichte vor der Haustür.

Um die Böden vor Erosion zu schützen, und deren Struktur positiv zu beeinflussen, wird auf Gut Breckhausen ein besonderes Kreislaufsystem praktiziert: Der Bauernhof liefert Stroh und Futtermittel an Pferdebetriebe und erhält den Mist der Tiere zurück. Um den wertvollen Wirtschaftsdünger lagern zu können, erhielt der landwirtschaftliche Betrieb vor kurzem die Genehmigung zum Bau einer Mistplatte. Damit sei es einem reinen Ackerbaubetrieb zum ersten Mal gelungen, eine solche Genehmigung im Kreis Mettmann zu erhalten, betonte Ursula Jandel, Geschäftsführerin der Kreisstelle Mettmann. Kreislandwirt Bernd Kneer appellierte an den Landrat, Bauvorhaben, bei denen es darum gehe, dass Ackerbaubetriebe organischen Dünger aufnehmen wollen, zukünftig positiv zu bewerten, denn in der vieharmen Region sei Wirtschaftsdünger für die Flächen sehr wertvoll.

Weiter ging die Fahrt für Landrat Hendele nach Mettmann zum Gut Schobbenhaus. Dort bewirtschaftet Familie Kircher einen Ackerbaubetrieb und mästet jährlich rund 1 200 Gänse und 500 Flugenten, denen 3 ha Grünland sowie drei Teiche zur Verfügung stehen. Auch Familie Kircher nutzt den Markt vor der Haustür und schlachtet und vermarktet das Geflügel selbst. Am Beispiel von Gut Schobbenhaus konnte sich Landrat Hendele auch ein Bild davon machen, wie Landwirte die Anforderungen im Rahmen des Greenings umsetzen und ökologische Vorrangflächen schaffen. Johannes Kircher hat beispielsweise auf 2,5 ha Blühstreifen angelegt und folgt damit einem Trend in der Region: Während im vergangenen Jahr ökologische Vorrangflächen meist durch den Zwischenfruchtanbau geschaffen worden seien, hätten viele Landwirte in diesem Jahr auf Blühstreifen gesetzt. Damit seien die Landwirte in Sachen Biodiversität gut aufgestellt, so Kammerberaterin Natascha Droste.

Im Rahmen der anschließenden Gesprächsrunde appellierten Martin Dahlmann, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Mettmann, und Geschäftsführer Marcel Terhardt an den Landrat, sich dafür einzusetzen, den Flächenfraß in der Region auf ein Mindestmaß zu begrenzen. Dazu gehöre auch, Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen im Rahmen der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung, gemäß der bestehenden Kooperationsvereinbarung, landwirtschaftsverträglich zu gestalten. Landrat Hendele zeigte großes Verständnis für die Situation der Landwirte, aber auch für die Kommunen, die versuchten, mit einer attraktiven Infrastruktur, Einwohner zu binden und hinzuzugewinnen.

Bei der Ausweisung von Gewerbegebieten im Rahmen des Regionalplans sei es bereits in Verhandlungen zwischen dem Kreis und den Kommunen gelungen, den zunächst geplanten Flächenverbrauch von 1 000 ha auf unter 400 ha zu drücken. „Wenn man beim Thema Gewerbe flächenschonend agieren will, muss die Gewerbesteuer weg“, sagte Landrat Hendele. Beim Thema Wohnungsbau stehe eine interkommunale Lösung noch aus, erklärte er. „Wir leben im Zentrum einer boomenden Region, da wollen die Leute arbeiten und wohnen und das ist immer noch besser, als in einer Region zu leben, in der nichts läuft. Dass die Landwirtschaft in einem so dichtbesiedelten Kreis immer noch Platz hat, macht mich stolz“, so Hendele abschließend.