Heimlicher Höhepunkt

18.10.2018

Seit Mittwoch vergangener Woche hängt im Remscheider Rathaus die neue Erntekrone. Diese wurde im Rahmen eines feierlichen Empfangs der Kreisbauernschaft Mettmann auf dem landwirtschaftlichen Betrieb von Familie Andreas Kempe durch den Kreisvorsitzenden Martin Dahlmann übergeben.

Begeistert von der Remscheider Erntekrone waren (v.l.n.r.): Pfarrerin Susanne Peters-Gößling, Marcel Terhardt, Geschäftsführer der Kreisbauernschaft, Ursula Jandel, Andreas Kempe, Helga Kempe, Martin Dahlmann, Johannes Paas aus dem Vorstand der Kreisbauernschaft Mettmann, und Barbara Reul-Nocke. Foto: Kathrin Ernsting

In der guten Tradition der Kreisbauernschaft, die Übergabe mit einer Andacht zu beginnen, war Pfarrerin Susanne Peters-Gößling eingeladen worden. Nicht nur für diejenigen, die unmittelbar von der Landwirtschaft leben, sei Erntedank der heimliche Höhepunkt des Jahres. Sie wies darauf hin, dass der Dank für alles gelte, „was wir von Gott empfangen haben: zuerst für die Erntegaben, darüber hinaus aber auch für alles andere, was wir zum Leben brauchen.“ Doch bestehe die Gefahr, dass das Erntedankfest eine Wirklichkeit romantisch verklärt, die alles andere als romantisch sei: „Viele von Ihnen werden schlaflose Nächte gehabt und manches Stoßgebet nach oben geschickt haben.“ Auch Martin Dahlmann ging auf die spezielle Situation in diesem Jahr ein. Die Dürre, die auch über das Erntedankfest andauere, habe auch in dieser Region die Stimmung geprägt. „Wir können nur das Beste geben“, fasste er zusammen, dass man in der Landwirtschaft wichtige Faktoren wie das Wetter nicht beeinflussen kann.

Ursula Jandel, Geschäftsführerin der Kreisstellen Oberbergischer Kreis, Rheinisch-Bergischer Kreis und Mettmann, überbrachte die Grüße von Kreislandwirt Bernd Kneer. Sie rief in Erinnerung, dass eine Dürre wie dieses Jahr vor 100 Jahren noch bittere Not verursacht hätte.

In Vertretung des Oberbürgermeisters war Barbara Reul-Nocke, Beigeordnete der Stadt Remscheid, zum Empfang gekommen. „Bei uns braucht sich keiner um Nahrung zu sorgen“, beschrieb sie den Überfluss, der den Verbrauchern die Wertschätzung für landwirtschaftliche Produkte nehme. Selbst nach der langen Dürreperiode seien die Regale gut gefüllt und die Preise gleichbleibend niedrig. Im Namen aller Remscheider dankte sie für die Erntekrone: „Sie soll uns bewusst machen, wie viel Mühe es gemacht hat, die Nahrung zu erwirtschaften.“ Auch Helga Kempe, Vorsitzende der Remscheider Landfrauen, sieht hier Veränderungsbedarf: „Sommers wie winters sind die Obst- und Gemüseauslagen brechend voll und vielseitig, sodass man sich über die Vorratshaltung heute keine Gedanken mehr machen muss.“ Sie rief dazu auf, Saisonalität wieder neu zu lernen und zu leben. „Wir wünschen uns einen achtsamen Umgang mit den Lebensmitteln und dass uns eine größere Anerkennung und Wertschätzung unserer qualifizierten Arbeit entgegengebracht wird.“