Keinen Boden mehr verlieren

20.09.2018

In Wülfrath besuchte der Landrat die Landwirtschaft

In freier Flur konnten sich die Behördenvertreter selbst ein Bild von Erosionsschutzmaßnahmen und den Auswirkungen von Starkregen machen.

Kreislandwirt Bernd Kneer (r.) erläutert Landrat Thomas Hendele, wie modernen Geräten bei der Bodenbearbeitung für den bestmöglichen Erosionsschutz sorgen. Fotos: Kathrin Ernsting

Wie steht es um den Erosionsschutz in der Landwirtschaft? Um dieser Frage nachzugehen, hatten die Kreisstelle und die Kreisbauernschaft Mettmann den örtlichen Landrat Thomas Hendele und Vertreter der Behörden am Mittwoch vergangener Woche auf den Betrieb Kneer + Kuhles Landwirtschaft in Wülfrath eingeladen.

Bereits beim Rundgang über den Hof nutzte Hausherr und Kreislandwirt Bernd Kneer die Chance, den Besuchern einen Einblick in die vielfältigen Stellschrauben bei der Bodenbearbeitung zu geben. Mit großem Interesse ließen diese sich erklären, warum der Luftdruck in den Treckerreifen immer passend sein muss und welche Vor- und Nachteile Scheibenegge und Stahlzinkengrubber haben. Denn was für die anwesenden Landwirte Selbstverständlichkeiten sind, war den Gästen aus Politik und Behörden weitestgehend neu.

Das Unkraut zeigt die Rinnen

Mit dem Planwagen ging es anschließend zu einem Zuckerrübenacker, an dem die Erosionsgefahr für die Böden sichtbar ist. Im abschüssigen Gelände hat Bernd Kneer bereits einiges dafür getan, dass die Erde da bleibt, wo sie hingehört. Gearbeitet wurde beispielsweise bewusst nicht entlang der Abflussrichtung des Wassers, sondern fast diagonal dazu und der Pflug kommt nicht mehr zum Einsatz, dafür setzt er auf Mulchsaat. „Ich möchte nicht sehen, was passiert wäre, wenn diese Fläche gepflügt worden wäre“, sagt er im Hinblick auf das Unwetter zehn Tage nach der diesjährigen Rübenaussaat, das 60 mm Niederschlag in einer Nacht brachte.

Am unteren Ende des Felds sorgt seit einigen Jahren ein Blühstreifen dafür, dass die dahinterliegenden Gleise der Kalkbahn geschützt werden. Doch als im April der Starkregen kam, halfen auch alle Schutzmaßnahmen nicht mehr. Im Feld selbst sind die Rinnen der damaligen Wassermassen noch erkennbar: Hier wurde der Pflanzenschutz mit abgespült und das Unkraut konnte sich breitmachen. Eine Botschaft war den Organisatoren an dieser Stelle besonders wichtig: Sie betonten, wie wichtig Glyphosat für die erosions­schützende Bearbeitung von Flächen ist, damit die Bodenstruktur erhalten bleiben kann.

Gemeinsam gegen Flächenfraß

Zurück auf dem Hof präsentierte Michael Rütten, der in der Bezirksstelle für Agrarstruktur Düsseldorf im Sachgebiet Wasser und Boden arbeitet, Eindrucksvolles: Wie wird die Erosionsgefahr prognostiziert, welche Maßnahmen können im Einzelnen bei der Prävention helfen und welche Ackerkulturen sind besonders gefährdend? Interessant war dabei zum einen, mit welchen einfachen Mitteln Hochrisikogebiete in den „grünen Bereich“ der Gefährdungsskala gebracht werden können, und zum anderen, wie sich der Flächenverbrauch auf die landwirtschaftliche Nutzfläche auswirkt. Falls die Veränderung der Flächennutzung im Kreis Mettmann so weitergeht, wie es im Durchschnitt der vergangenen 21 Jahre war, wären seiner Berechnung nach bereits in 80 bis 100 Jahren die landwirtschaftlichen Flächen komplett verschwunden – zugunsten von Wald oder Siedlungs- und Verkehrsflächen. „Der Siedlungsdruck ist unfassbar“, gab auch der Landrat zu. Gerade der Großraum Düsseldorf sei ohne Frage eine Boomregion.

Darum war der Appell des Referenten und der Landwirte an Planung und Verwaltung, den Flächenbedarf auf ein Minimum zu reduzieren. Dazu könnten die Nutzung von Industriebrachen und die Verdichtung der Innenbereiche dienen. Außerdem sei wichtig, keinen Waldausgleich auf landwirtschaftlichen Flächen anzulegen und keinen zusätzlichen Fläche­nausgleich für den Artenschutz und den Boden obendrauf zu packen. Auch für eine einheitliche Methode zur Ermittlung des Kompensationsbedarfs sprach sich Michael Rütten aus. „Wir müssen das mitei­nan­der und nicht gegenei­nan­der angehen!“, fasste Martin Dahlmann als Vorsitzender der Kreisbauernschaft Mettmann die angesprochene Problemlage zusammen. „Wir müssen immer wieder und mit den verschiedenen Stellen darüber reden, dann bekommen wir vielleicht doch noch die Kehrtwende hin.“

Auch der Landrat stimmte dem zu: „Alles was ich heute gehört habe, kann ich blind unterschreiben.“ Dennoch gab er zu bedenken, dass die städtebaulichen Entscheidungen immer in einem Spannungsfeld getroffen werden: Die Unternehmen, die händeringend Fachkräfte suchen und dafür Wohnraum benötigen, die Kämmerer, die sich von der Gewerbesteuer abhängig fühlen, und die berechtigten Interessen der Landwirte. Landrat Hendele ist sich sicher, dass man im Kreis Mettmann schon seit Langem gemeinsam mit der unteren Naturschutzbehörde und der unteren Bodenschutzbehörde auf einem guten Weg sei. „Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich hab den Königsweg“, gab er aber mit Blick auf den Flächenfraß zu. „Unterm Strich: Ich glaube, wir haben in den letzten Jahren unheimlich gut zusammengearbeitet, und das wollen wir auch fortsetzen.“