Landwirte aktiv gegen Insektensterben

14.06.2019

Landrat des Kreises Mettmann informierte sich bei Landwirten vor Ort

Die Vertreter der Mettmanner Landwirte erläuterten Landrat Thomas Hendele (2.v.l.) und den Vertretern der Verwaltung des Kreises Mettmann verschiedene Maßnahmen zum Schutz des Bodens und gegen das Insektensterben. Foto: Marcel Terhardt

Was tut die Landwirtschaft für den Bodenschutz und gegen das Insektensterben? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Treffens der Landwirtschaft mit dem Landrat des Kreises Mettmann, Thomas Hendele, in der vergangenen Woche auf dem landwirtschaftlichen Betrieb der Familie Josef Aschenbroich in Langenfeld. Seit 20 Jahren treffen sich Vertreter der Kreisbauernschaft Mettmann und der Kreisstelle Mettmann mit dem Landrat, um gemeinsam landwirtschaftliche Betriebe aus dem Kreis Mettmann zu besichtigen.

Bei einem Ortstermin am Rande der Ackerflächen erläuterte Landwirt Josef Aschenbroich, gleichzeitig stellvertretender Vorsitzender der Kreisbauernschaft Mettmann, Landrat Hendele und den zahlreich erschienenen Vertretern der Kreisbehörden unterschiedliche Methoden der bodenschonenden Bearbeitung und Maßnahmen gegen das Insektensterben. Zahlreiche Bienen und Insekten fliegen über den Blühstreifen, der sich zwischen Wirtschaftsweg und Weizenfeld befindet. Neben verschiedenen Wildblumen blüht dort auch Senf. „Vor einigen Jahren haben wir zunächst den Wildblumensamen der Stadt Langenfeld ausgesät. Nachdem allerdings Spaziergänger sich massenhaft daraus den Blumenschmuck für zu Hause mitnahmen, stellten wir um“, so Aschenbroich. Mittlerweile sät er nur noch Blumen, die die Spaziergänger nicht mehr so schön fänden. Dafür hätten die Insekten davon mehr. Aschenbroi­ch hat circa 5 ha Blühstreifen angelegt.

Wassersparende Bearbeitung wichtig

Auf den sandigen und leichten Böden im Bereich Langenfeld ist Wasser oft Mangelware. „Die zurückliegende Witterung ist für die leichten Böden noch gerade erträglich“, so Aschenbroich. Er erläuterte, wie er wassersparend arbeitet. Seit 20 Jahren bewirtschaftet der Landwirt die Flächen ohne Pflug. Dadurch verdunstet weniger Wasser, was den Pflanzen zugutekommt. Dadurch würden auch zahlreiche für den Boden wichtige Bakterien erhalten. Zudem würden dadurch der Arbeitsaufwand und der Dieselverbrauch reduziert.

„Mit einer Spezialsämaschine wird nur noch eine geringfügige oberflächige Bodenbearbeitung in Streifensaat durchgeführt“, betonte Aschenbroich. Die Pflanzen wachsen dadurch mit ihren Wurzeln tiefer in die Erde. Für das trockene letzte Jahr 2018 hätte dies einen Vorteil immerhin von acht bis zehn Tagen gebracht. Seit fünf Jahren nimmt der Landwirt umfangreiche Bodenuntersuchungen vor, um das Verhältnis der Nährstoffe und Mineralstoffe zuei­nan­der besser festzustellen. Dadurch würden mittlerweile neben alten auch neue Nährstoffe und Mineralstoffe wie Bor und Schwefel anders eingesetzt. „Durch moderne Spritztechnik werden Dünger und Mineralstoffe punktgenau dorthin verteilt, wo sie gebraucht werden. Das analysiert alles der Computer“, berichtete Aschenbroich. Um das Wasser besser im Boden halten zu können, wird seit Jahren ein gezielter Humusaufbau betrieben. So wird beispielsweise das durch den Getreideanbau gewonnene Stroh wieder in den Boden eingearbeitet.

Darüber hi­naus nimmt der Betrieb am NRW-Programm „Vielfältige Fruchtfolge“ teil. Die auf dem Feld verbleibende Zwischenfrucht steigert ebenfalls den Humusgehalt im Boden. Durch die bodenschonende Bearbeitung konnte der betriebsindividuelle Aufwand für Pflanzenschutzmittel in den letzten drei Jahren halbiert werden.

Flächenverbrauch reduzieren

Ein wesentlicher Appell der landwirtschaftlichen Vertreter an Landrat Hendele und die Vertreter der Kreisverwaltung war, den Flächenverbrauch auf ein Minimum zu reduzieren. Innenbereiche sollten mehr verdichtet, Industriebrachen mehr genutzt, Waldausgleich auf landwirtschaftlichen Flächen verhindert und der zusätzliche Fläche­n­ausgleich für Artenschutz nicht auf landwirtschaftlichen Flächen erfolgen.
„Täglich werden in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 15 ha Fläche vernichtet. Dies muss ein Ende haben“, betonte der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Mettmann Martin Dahlmann. Landrat Hendele stimmte dem zu. Allerdings führt er aus, dass der Kreis Mettmann der am dichtesten besiedelte Kreis in ganz Deutschland sei. Es gäbe einen immensen Druck auf den Wohnungsmarkt. Man werde im Kreis Mettmann weiterhin versuchen, die Entsiegelung von Altbauten und die Nutzung von Baulücken zu betreiben. Allerdings sei hier oft der Finanzrahmen maßgeblich. „Wir werden trotz der schwierigen Umstände so wie in den vergangenen Jahren auch weiterhin zusammenarbeiten“, betonte der Landrat.