Sinnloser Flächenfraß für Forensik

25.02.2016

Wuppertaler Landwirte wehren sich gegen die geplante Bebauung der „Kleinen Höhe“ --- Die Kleine Höhe an der Grenze von Wuppertal und Velbert-Neviges ist eine der letzten größeren Freiflächen der Region – quasi die grüne Lunge und zugleich fruchtbarster Ackerboden.

Die betroffenen Landwirte kritisieren die Standortwahl (v.l.n.r.): Günter Backhaus, Joachim Witte, Friedrich-Wilhelm Pfankuchen, Erhard Römer, Tim Neues, Vorsitzender der Ortsbauernschaft Wuppertal-West, Martin Dahlmann, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Mettmann, Landwirt Karl-Heinz Reuter sowie Ortslandwirt Carsten Bröcker mit Tochter Inga und Vater Karl Bröcker.

Der massive Landfraß bedroht auch die Zukunft der nächsten Generation, wie die der zweijährigen Inga Bröcker. Fotos: Kirsten Engel

Landwirt Karl-Heinz Reuter ist einer von fünf Landwirten, die die Bebauung des Areals durch eine forensische Psychiatrie existenziell treffen würde. „Etwa 20 % meiner Fläche liegt dort.“ Die Möglichkeit zu klagen hätte der Landwirt nicht, wie die anderen hat er das Land dort nur gepachtet.

„Wir sind nicht gegen den Bau einer Forensik“, stellte Martin Dahlmann, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Mettmann und Vorsitzender der Ortsbauernschaft Wuppertal-Ost, am Montag bei einem Pressetermin auf dem Betrieb von Karl-Heinz Reuter klar. Es gehe da­rum, dass nicht ohne Not hochwertiges Ackerland durch Bebauung vernichtet werden dürfe. Zumal es für den Bau einer Maßregelvollzugsklinik durchaus Alternativen gebe. „Es gibt in unserer Stadt Industriebrachen und bereits erschlossene leer stehende Flächen, die bezüglich Verkehrsanbindung und Flächengröße ebenfalls geeignet sind“, so Dahlmann weiter. Auch der Vorsitzende der Ortsbauernschaft Wuppertal-West Tim Neues bekräftigte, dass die Wuppertaler Landwirtschaft durch zahlreiche Projekte und Ausgleichsmaßnahmen bereits viel Land verloren habe. „Wir sind auf diese Flächen angewiesen. Es kann nicht sein, dass alles zu Lasten der Landwirtschaft geht.“ Immer noch gehen der Landwirtschaft in NRW 15 ha pro Tag verloren. Er bedauerte, dass die Stadt diesen sachlichen Argumenten der Landwirtschaft nicht aufgeschlossen gegenübersteht. Und das, obwohl immer ein enges Verhältnis zur Stadt und zu den Politikern gepflegt wurde. „Wir sind immer an gemeinsamen sachlichen und pragmatischen Lösungen interessiert“, betonte der Landwirt. Diese Wende stößt nicht nur bei ihm auf Unverständnis.

Die Wuppertaler Landwirte befürchten außerdem, dass der Bau der Forensik auf der Kleinen Höhe im Stadtbezirk Katernberg/Uellendahl nur der Anfang ist. Seit etwa 40 Jahren wird über eine mögliche Bebauung diskutiert und die Fläche ist auch als Gewerbegebiet ausgewiesen. Jedoch war das Fazit zahlreicher Gutachten, dass eine Erschließung wirtschaftlich nicht sinnvoll sei. Durch die Hintertür fielen dann jetzt quasi diese hohen Kosten für weitere Interessenten weg.

Die Kleine Höhe ist einer von 32 Standorten, die für den Bau einer Forensik im Landgerichtsbezirk Wuppertal geprüft wurden. Welche anderen Standorte es noch sind, ist unter Verschluss. „Aber vermutlich ist die Kleine Höhe der einzige Standort, der auf der grünen Wiese liegt“, so Carsten Bröcker, Ortslandwirt Wuppertal-West. Für ihn ist es unverständlich, dass die grüne NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens einen solchen Landfraß mit ihrem Gewissen verantworten kann. Martin Dahlmann nahm die Ministerin da­raufhin in Schutz: „Ihr sind verwaltungsrechtlich die Hände gebunden, wenn die Stadt den Bebauungsplan ändert, um die Forensik dort zu bauen. Das haben unsere Juristen beim Rheinischen Landwirtschafts-Verband bereits geprüft.“ Am 7. März soll über den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan im Wuppertaler Stadtrat entschieden werden. „Derzeit sieht es nach einer klaren Mehrheit im Rat für die Bebauung der Kleinen Höhe aus“, so Dahlmann.