Was es heißt, Landwirt zu sein

08.06.2017

Landrat des Kreises Mettmann besuchte zwei Milchviehbetriebe

Das Fazit des Tages: zwei Besuche auf tollen Betrieben mit vielen guten Gesprächen und wertvollem Austausch.

Michael Greshake (r.) betreibt zusammen mit seiner Familie einen Milchviehbetrieb mit Ackerbau und Erlebnisbauernhof.

Landwirt Rainer Stiefeling (r.) erklärt Landrat Hendele, wie die Arbeit in einem Melkstand funktioniert.

Auf dem Betrieb Greshake konnte Landrat Hendele mit den Tieren des Erlebnisbauernhofes auf Tuchfühlung gehen. Fotos: Marilena Kipp

Melkstände inspizieren, Mastbullen begutachten, Ziegen füttern und ganz nebenbei wunderschöne Ausblicke genießen – das alles wartete auf Landrat Thomas Hendele und seine Mitarbeiter bei der Bereisung des Kreises Mettmann am Donnerstag vergangener Woche. Eingeladen von der Kreisbauernschaft Mettmann ging es für die Besucher und die anwesende Presse auf zwei verschiedene landwirtschaftliche Betriebe. Martin Dahlmann, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Mettmann, zeigte sich erfreut, dass sich über 30 Personen zur Landratsfahrt einfanden. „Es ist schön zu sehen, dass wir einen ­Dialog haben und sich die Politik  und die Verwaltung für uns Landwirte interessieren“, erklärte er. „Natürlich bieten solche Besuche auch perfekte Gelegenheiten für die Landwirtschaft, Probleme anzusprechen und auf Sorgen aufmerksam zu machen“, so Kreisgeschäftsführer Marcel Terhardt, der die Rundreise organisierte.

Bereits auf dem ersten Betrieb gab es einiges zu sehen. Landwirt Rainer Stiefeling bewirtschaftet in Velbert zusammen mit seiner Familie einen Milchviehbetrieb mit Mastbullen, Ackerbau und Grünland. Die Stiefelings hatten sich gegen einen Stallneubau entschieden und stattdessen den bestehenden Stall erweitert. „Ein Neubau war uns einfach zu riskant“, berichtete der Landwirt, gerade auch im Nachhinein angesichts der schlechten Erzeugerpreise der beiden letzten Jahre. Eine gute Gelegenheit, um über die Preisentwicklung der Lebensmittel zu sprechen. Ein Thema, bei dem sich nach Meinung des Landrates jeder als Verbraucher „selbst an die Nase“ fassen müsse. „Diese Geiz-ist-geil-Mentalität ist unsäglich“, fasste Hendele zusammen. „Ich bin froh, dass wir hier eine Basis haben, wo wir im Dialog trotz Spannungsfeld gut mitei­nan­der umgehen“, erklärte er.

Stiefeling stand dem Landrat Rede und Antwort und erklärte, wie der Alltag auf einem Milchviehbetrieb mit 100 Kühen aussieht. „Unsere Kinder sind mit in den Betrieb eingestiegen, nur so können wir alles schaffen.“ Man könne zwar momentan die Kosten decken, viel hängen bliebe jedoch leider nicht. Die Besucher zeigten sich sichtlich beeindruckt vom Arbeitspensum der Familie. „Dank der Kinder können wir uns jetzt zumindest mit den Wochenenden abwechseln“, erklärte der Landwirt.

Viel Engagement und tolle Ideen gab es ebenfalls auf Gut Hixholz von Michael und Claudia Greshake in Velbert zu besichtigen, der zweiten Station für Landrat Hendele. Auch Familie Greshake hat kein leichtes Jahr hinter sich. Im November letzten Jahres verursachte der Brand einer Scheune große Schäden in dem Milchviehbetrieb. „So etwas ist für jeden Betriebsinhaber schlimm“, erzählte Michael Greshake, der derzeit  70 Kühe melkt. „Doch wir haben viel Unterstützung bekommen, auch von Seiten der Berufskollegen, das tat gut.“ Seine Frau Claudia kümmert sich um den Lern- und Erlebnisbauernhof.     „Wir bieten Kindern die Möglichkeit, Landwirtschaft selbst zu erleben. Dabei kooperieren wir zum Beispiel auch mit der örtlichen Jugendherberge und können so richtige Klassenfahrten anbieten“, erklärte die Diplom-Biologin. Dass auch in diesen Bereichen Unterstützung und guter Kontakt zur Verwaltung wichtig sind, weiß sie aus eigener Erfahrung. „Einmal sollte zum Beispiel die Bushaltestelle an unserem Hof entfernt werden. Das wäre für unsere Bauernhofbesuche sehr schlecht gewesen, da wir außerhalb wohnen. Doch zum Glück konnten wir das dank vieler Gespräche abwenden.“

Die zwei Betriebe sind perfekte Beispiele dafür, was der Beruf Landwirt bedeutet und was alles daran hängt. Beide Familien bewirtschaften ihre Betriebe mit viel Herzblut und sind trotzdem politischen Entscheidungen und anderen Faktoren ausgesetzt. Umso wichtiger ist es, den Kontakt zur Politik zu pflegen und Menschen auf den Hof einzuladen. Denn nur so kann man es zeigen: was es heißt, Landwirt zu sein.