Feldtage auf bergischen Wiesen und Ackerflächen

28.06.2018

Projekt „Modellregion Landwirtschaft und Naturschutz – Bergisches Land“ war Ziel von Exkursionen und Veranstaltungen

Helmut Dresbach, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Oberberg (l.), und Olaf Schriever von der Biostation Oberberg erläuterten den unterschiedlichen Pflanzenbestand – je nach Produktionsintensität.

Das Geöhrte Habichtskraut, eine deutschland- und NRW-weit gefährdete Pflanzenart, konnte den Exkursionsteilnehmern auf einer extensiven Weidefläche in Kürten gezeigt werden.

Schüler der Gesamtschule Waldbröl im Jahr 2017 bei der Aufnahme eines Vegetationsquadrates auf der Wiese von Ernst Jung in Waldbröl. Fotos: Biologische Station Oberberg

Naturschutz muss gar nicht kompliziert sein! Diese Erkenntnis nahmen Ende Mai rund 15 Teilnehmer aus dem ehrenamtlichen Naturschutz und der Landwirtschaft mit. Sie hatten sich zur Veranstaltung „Landwirtschaft und Naturschutz – 10 Biotope auf dem Hof“ in Waldbröl getroffen. Familie Schoepe lud alle Interessierten auf ihren Bio-Betrieb ein, um zusammen mit der Biologischen Station Oberberg auf einem Rundgang die vielfältigen Lebensräume für Tiere und Pflanzen auf und um den Hof vorzustellen, wie Brennnesseln, Hecken aus Schlehen, Weißdorn und Holunder, Schwalbennester in den Ställen oder ein altes Silo, das seit 30 Jahren ungenutzt, heute als Fledermausquartier dient. Im Umfeld des Hofes besichtigten die Teilnehmenden auch einen alten Dorfkamp, der typisch für das Bergische Land ist. Früher wurden hier die Schweine zur Eichelmast hineingetrieben, heute stehen die alten Eichen und Hainbuchen aufgrund dieser kulturlandschaftlichen Bedeutung unter Naturschutz.

Austausch bei Grünlandexkursionen Anfang Juni fanden sowohl im Oberbergischen als auch im Rheinisch-Bergischen Kreis die jährlichen Grünlandexkursionen mit Landwirten und Naturschützern statt.

Der vlf Oberberg und die Biologische Station Oberberg begutachteten gemeinsam mit Interessierten die Entwicklung auf verschiedenen Flächen rund um den Hof von Familie Dabringhausen in Reichshof. Einige Flächen, die der Erzeugung von eiweißreichem Grundfutter für die Milcherzeugung dienen, waren gerade schon zum zweiten Mal gemäht worden. Bei anderen Flächen, die im Vertragsnaturschutz bewirtschaftet werden, stand die Heuwerbung erst nach dem 15. Juni an. Helmut Dresbach, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Oberberg, und Olaf Schriever von der Biostation Oberberg erläuterten den unterschiedlichen Pflanzenbestand dieser beiden Produktionsmöglichkeiten. Michael Gerhard vom NABU Oberberg stellte das Heuprojekt des ­NABU vor. Hier wird artenreiches Heu an Pferdehalter zu guten Preisen geliefert. Neben den Wiesen wurde auch einer der wenigen Ackerrandstreifen im Bergischen begutachtet.

Auf dem Hof der Familie Höller in Kürten führten Olaf Schriever, Julia Blumenthal (Biologische Station Rhein-Berg) und Lutz Görne, stellvertretender Vorsitzender der Kreisbauernschaft Rhein.Berg, die rund 15 Interessierten über unterschiedlich bewirtschaftete Weideflächen. Die Teilnehmenden lernten verschiedene Pflanzenarten kennen und erfuhren, wie sich die Artenvielfalt und -zusammensetzung durch die Weidetierart und die Bewirtschaftungsintensität verändern. Es fand ein intensiver Austausch statt. Unter anderem wurden die Vor- und Nachteile von Flächen im Vertragsnaturschutz diskutiert. In diesem Zusammenhang wurde der Wunsch nach mehr Flexibilität in Bezug auf die festgelegten Mahdtermine laut. Gerade dieses Jahr wäre dies günstig, da es zu einem explosionsartigen Wachstum und Aufblühen kam, sodass viele Wiesenpflanzen sich bereits Anfang Juni aussäen konnten. „Nur mit einem guten Gedankenaustausch zwischen Landwirtschaft und Naturschutz und gegenseitigem Verständnis können wir die Ziele der Modellregion verwirklichen – auch wenn man nicht immer einer Meinung ist“, betonte Lutz Görne zum Abschluss der Exkursion.

Planspiel „Tatort Wiese“

Um auf das Thema Flächenverbrauch und -konkurrenz in Landwirtschaft und Naturschutz hinzuweisen, wurde bereits vor zwei Jahren von den beiden Biologischen Stationen in Zusammenarbeit mit der Bergischen Agentur für Kulturlandschaft das Planspiel „Tatort Wiese“ entwickelt. Das Angebot für Schulklassen ab dem 9. Jahrgang wurde Anfang Juni erstmalig auch mit den angehenden Landwirten aus dem zweiten Ausbildungsjahr des Berufskollegs Wipperfürth durchgeführt. Sie stellten sich dem Szenario, dass am Rande der Kleinstadt „Neustadt“ auf einer grünen Wiese am Ortsrand ein neuer Discounter errichtet werden soll. Dazu untersuchten sie zunächst den Standort auf seine Artenvielfalt und diskutierten im Anschluss bei einer fiktiven Bürgerversammlung in verschiedenen Rollen (Kommune, Naturschutz, Discounter, Heimatverein und Anwohner) über die Vor- und Nachteile der geplanten Umnutzung.