An der Seite der Bauern

25.02.2016

Das 6. Agrarforum der Volksbank Rhein-Lippe fand in Wesel statt --- Volles Haus: Rund 200 Landwirte besuchten am Mittwoch vergangener Woche das Agrarforum der Volksbank Rhein-Lippe in Wesel-Obrighoven.

Fotos: Andrea Bahrenberg

Das alle zwei Jahre stattfindende Agrarforum feierte sein zwölfjähriges Jubiläum. Es ging um das Thema Öffentlichkeitsarbeit. „Die Volksbanken stehen an der Seite der Landwirtschaft“, betonte Gerhard Wölki, Vorstandsmitglied der Volksbank, und begrüßte die Gäste.

„Wir wollen endlich agieren statt reagieren. Und das machen wir jetzt auch! Die Kreisbauernschaft Wesel hat Radiospots geschaltet und der Verband eine Imagekampagne gestartet“, erklärte Wilhelm Neu, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Wesel und Vizepräsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV). Mit den miserablen Preisen könne die Landwirtschaft umgehen, aber die vernichtenden Medienberichte und Ansichten der Gesellschaft schnürten den Landwirten die Kehle zu. Daher sei positive Öffentlichkeitsarbeit wichtiger denn je.

„Immer mehr Kampagnen gegen uns Bauern – was können wir tun?“ – darüber diskutierte Werner Schwarz, Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV) und Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein. „In den letzten Jahren hat sich die Landwirtschaft als ein neues Betätigungsfeld vieler gesellschaftlicher Gruppen erwiesen. Die Bauern haben sich die Augen gerieben. Schließlich hatten Landwirte den Versorgungsauftrag“, erklärte Werner Schwarz. Und in der Tat: Nie zuvor in der Geschichte der Menschheit seien Landwirte in der Lage gewesen, derartig vielfältige, gesunde, günstige Lebensmittel für die gesamte Bevölkerung bereitzustellen. „Aus welchem Hinterhalt kommt dann also dieser Angriff? Es ist kein Hinterhalt. Es ist der Fluch der guten Tat. Wir haben eine hohe Lebenssicherheit hergestellt. Diese Sicherheit führt nun dazu, dass man die Lebensmittelerzeuger in Frage stellt“, hob Schwarz hervor. Eine moralische Diskussion um Essen und Tierhaltung, Bodenschutz, Artenvielfalt sei vor allem ein Wohlstandsphänomen. Denn die Landwirtschaft habe viele Tierkrankheiten ausgemerzt, hohe Erträge erzielt, das Wasser habe Trinkwasser-Qualität, die Luft sei sauber und der Boden fruchtbarer denn je.

„Am Ende jedes vermeintlichen oder echten Skandals stehen weitere Gesetze, Kontrollen und Kosten. Und wie diese Kosten uns an den Rand der wirtschaftlichen Existenz führen, zeigt die gegenwärtige Marktkrise“, so der DBV-Vizepräsident. Es sei am Ende nicht nur eine Preis-, sondern auch eine Kostenkrise, die politisch befeuert werde. Solche Entwicklungen könnten Bauern nicht ignorieren. Um mehr Akzeptanz zu gewinnen, müssten Bauern kampa­gnenfähig werden und mit Glaubwürdigkeit, Transparenz, Echtheit und Ehrlichkeit überzeugen. „Wir werfen keinem Bürger vor, dass er zu einfachen Erklärungsmustern greift. Auch dass er die günstigsten Produkte kauft, machen wir niemandem zum Vorwurf. Wir machen lieber Angebote. Die Initiative Tierwohl ist so eine Zusage“, erläuterte Schwarz. Er sei überglücklich, dass die Schweinehalter das System regelrecht „überrannt“ haben. Das sei ein tolles Signal. „Es gibt einen Platz für die heimische Landwirtschaft in der Gesellschaft. Sie ist ein Kompromiss und wird es bleiben. Aber es ist ein Kompromiss, in den viele wissenschaftliche Erkenntnisse zum Wohle der Tiere, des Bodens, des Wassers und nicht zuletzt des Menschen einfließen“, sagte er.

Ein Stück Heimat schmecken

Mit seiner positiven Art riss Dr. Peter van Nahmen, Inhaber Obstkelterei van Nahmen, die teilnehmenden Landwirte vom Hocker. Er erklärte in seinem Vortrag „Kulturlandschaft Streuobstwiesen“, wie es seinem Familienunternehmen gelungen ist, ein gutes Image und die Premiummarke aufzubauen. Heute sind die Obstsäfte von van Nahmen selbst beim Bundespräsidenten, aber auch im KaDeWe in Berlin zu kosten. „Die alten Sorten der Streuobstwiesen entsprechen keiner Norm, sie sind eckiger und intensiver im Geschmack“, erklärte er. Begonnen habe die Premiumprodukt-Idee mit einem Streuobstwiesenfest am Niederrhein im Jahr 2008. Die Nachfrage nach Äpfeln, wie der Roten Sternrenette, sei enorm gewesen. Auch Vertreter des Unternehmens Manufactum waren vor Ort und wollten die Apfelsäfte in ihrem Katalog listen. Die Gastronomie zeigte Interesse. Und dann der Koch des Bundespräsidenten. „Viele waren eingangs skeptisch, ob wir eine Flasche Apfelsaft für 3,95 € verkaufen können. Aber der Discounter-Apfelsaft erfüllt nur die physischen Bedürfnisse. Mit unserem Saft schmeckt man ein Stück Heimat und gönnt sich etwas“, hob er hervor. Der Saft hat inzwischen zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten, sowohl für den guten Geschmack und die Inhaltsstoffe als auch für die nachhaltige Erzeugungsweise.

1994 startete van Nahmen mit dem NABU ein Projekt zur Pflege und zum Erhalt von Streuobstwiesen, eingangs mit 200 Vertragspartnern, überwiegend Landwirte. Für das Projekt warb Dr. Peter van Nahmen auch beim Agrarforum Wesel: „Es ist für viele Landwirte attraktiv. Für 5 000 m2 Streuobstwiesen erhält man 15 000 Ökopunkte, die man verkaufen kann.“ Darüber hi­naus bekomme ein Landwirt etwa 16,50 € bis 20 € für 100 kg Äpfel von Streuobstwiesen, während herkömmlich angebaute Äpfel nur rund 4,50 € einbringen würden.

Mehr Öffentlichkeitsarbeit

In der Podiumsdiskussion, die Thorsten Breitkopf, Redakteur der Rheinischen Post, moderierte, ging es heiß her zum Thema Öffentlichkeitsarbeit. „Es ist wichtig, dass man offen mit dem Verbraucher umgeht. Beim Schweinestall sieht er nur die Schornsteine und nicht, dass eine Familie dahintersteht“, gab Jens Blomen, Junglandwirt aus Wesel, zu bedenken. Hier müssten Bauern beim Basiswissen, wie Lebensmittel angebaut, verarbeitet und zubereitet werden, noch viel Aufklärung leisten. „Wir müssen die Leute auf die Höfe holen. Das nimmt uns keiner ab“, appellierte auch Wilhelm Neu. Ebenso wichtig sei das kleine Gespräch am Feldrand oder Gartenzaun und da sei jeder gefragt. Gerade in Wesel laufe schon viel: Eine Roll-up-Ausstellung zur Landwirtschaft reise durch alle Rathäuser und habe bereits zahlreiche Medienberichte nach sich gezogen. Die traditionelle Höfetour hole jedes Jahr Zehntausende Verbraucher auf die Höfe. „Und was wären wir ohne unsere Landfrauen? Sie gehen als Milchbotschafterin oder mit dem Ernährungsführerschein in die Schulen“, betonte Wilhelm Neu. Gerhard Wölki, Vorstandsmitglied der Volksbank, wies abschließend da­rauf hin, dass alle angehenden Bankkauffrauen und -männern, einen Tag auf einem landwirtschaftlichen Betrieb während ihrer Ausbildung verbringen. „Wir müssen bei unseren Mitarbeitern mit der Öffentlichkeitsarbeit anfangen und zeigen, wie es auf einem Hof zugeht und wie Lebensmittel erzeugt werden“, sagte er abschließend.


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