Die mit der Wölfin tanzen

20.12.2018

Bei einem Pressetermin stellte die Kreisbauernschaft Wesel ihre Position zum Thema Wolf klar. Anlass war unter anderem ein aktueller Übergriff auf eine mit Elektrozaun geschützte Schafherde in der Nähe von Hünxe.

Stellten ihre Position zum Umgang mit dem Wolf in Wesel klar (v.l.n.r.): Hartmut Neuenhoff, Jens Buchmann, Rainhard Haddick, Ortsbauernvorsitzender Altschermbeck, Johannes Leuchtenberg, Ingo Hülser. Foto: Tina Ziemes

„Wir haben sie nicht gerufen, aber jetzt müssen wir zusehen, wie wir mit Wölfin GW954f klarkommen“, bemerkte Rinderhalter Hartmut Neuenhoff treffend. Er selbst hatte bereits mit der Weseler Wölfin zu tun. Nachdem eine kleine Herde seiner Rinder offensichtlich von ihr gejagt worden war, seien die Tiere seither extrem scheu und schreckhaft. Sieben Tage habe Neuenhoff benötigt, um die Rinder einzufangen.

Bedrohliche Lage

„Die Lage für Weidetierhalter in Wesel spitzt sich zu“, erklärte Johannes Leuchtenberg, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Wesel, den Journalisten. Damit spielte er auf die jüngsten beiden aufei­nan­derfolgenden vermeintlichen Wolfs-angriffe auf dieselbe Schafherde bei Hünxe an. Obwohl die 350 Kopf starke Schwarzkopf-Herde auf der Weide durch Elektrozaun, Flatterband und Herdenschutzhunde geschützt wurde, kamen 18 Tiere zu Tode und weitere    21 wurden verletzt. Die Kreisbauernschaft Wesel fordert seitens der Politik „endlich einheitliche und klare Vorgaben zur schnellen Entnahme, also Tötung auffälliger Wölfe, die Schutzmaßnahmen überwinden und Weidetiere angreifen“. Hierbei müsse den Ausführenden Rechtssicherheit geboten werden und zügiges Handeln ermöglicht werden. Leuchtenberg stellte he­raus, dass „bei begründetem Verdacht eines Wolfsangriffes auch eine vorgezogene Auswertung von DNA-Proben erforderlich ist“. Zudem müssten Schutzmaßnahmen bereits beim begründeten Verdacht gefördert werden. „Leider wird nach jetzigem Stand der Dinge Prävention erst nach sechsmonatiger Anwesenheit desselben Wolfes gefördert“, so Leuchtenberg. Der Wolf habe somit ein halbes Jahr Zeit zum Üben und Trainieren des Überwindens von Zäunen.

Finanzielle Stütze unerlässlich

Präventionsmaßnahmen über den normalen Grundschutz hi­naus aus eigener Tasche zu finanzieren, sei für viele Weidetierhalter unmöglich, merkte der stellvertretende Vorsitzende der Weseler Kreisbauernschaft, Jens Buchmann, an. So forderte er, dass die finanzielle Belastung der Tierhalter ohne Einschränkungen ausgeglichen werden müsse. „Die derzeitige Beschränkung der einzelbetrieblichen Zuwendungssumme durch die De-minimis-Vorgaben ist nicht akzeptabel“, stellte Leuchtenberg klar. Auch bei der Entschädigung von Tierverlusten müsse der erhöhte Arbeits- und Betreuungsbedarf nach einer Attacke finanziell berücksichtigt werden. Landwirt Neuenhoff brachte seine Bedenken zur Haftung an. Würden Rinder aufgrund eines Wolfes panisch reagieren, durch einen Zaun brechen und auf einer Straße einen Unfall verursachen, läge die Verantwortung beim Tierhalter. „Diejenigen, die den Wolf haben wollen, sollen dann doch auch bitte die Verantwortung übernehmen“, so Neuenhoff.

Ingo Hülser, Deichgräf und Mitglied des Deichverbandes Mehrum, sieht die Schafhaltung unter gegebenen Umständen gefährdet. „Hochwasserschutz hat in dieser Region oberste Priorität“, mahnte er. „Schafe sind zur Pflege der Dämme unerlässlich!“ Zusätzlich riss er das Problem an, dass weitläufige Zaunanlagen den Wildwechsel erheblich beeinträchtigen würden. Auch Hülser sprach sich für die Möglichkeit aus, einen Wolf, der auffällig ist, schnellstmöglich zu entnehmen.