Gülle - ein Reizthema logisch betrachtet

06.09.2018

Kreisbauernschaft Wesel veranstaltet Infotreffen für Kommunalpolitiker

Stellten sich den Fragen (v.l.n.r.): Wilhelm Neu, Dr. Bernd Lüttgens, Dr. Horst Gömann sowie Stephan Hufer und Wilhelm Wefelnberg vom Vorstand der Kreisbauernschaft Wesel.

Volles Haus in Wesel: Das Interesse der Kommunalpolitiker war groß. Fotos: Marilena Kipp

Der Andrang war groß. Über 30 in der örtlichen Politik Aktive folgten am Donnerstag vergangener Woche der Einladung der Kreisbauernschaft Wesel zur Informationsveranstaltung „Verwendung von Gülle als wertvoller Pflanzennährstoff“. Die Idee dazu kam nicht von ungefähr. Gerade am Niederrhein ist Gülle das politische Thema schlechthin. Immer öfter wird von Verboten auf kommunalen Flächen, nitratbelasteten Brunnen und Co. gesprochen. Die Diskussion auf eine fachliche Ebene zurückholen, das hatte sich die Kreisbauernschaft rund um den Vorsitzenden Wilhelm Neu in Wesel vorgenommen – und tatsächlich auch geschafft.

Bitte mit Fakten

Den Anfang machte Dr. Horst Gömann von der Landwirtschaftskammer NRW. „Es ist in Ordnung und richtig und gut, wenn man Gülle einsetzt“, machte der Experte klar. Seine Aussagen belegte er mit allen nötigen Fakten und beschönigte dabei aber auch nichts. Ja, Gülle-Importe aus den Niederlanden seien ein Thema. „Es gibt Stellschrauben, denen wir uns widmen müssen und auch bereits widmen“, erklärte er. Er berichtete jedoch auch von Kontrollen, Probestellen in Grundwasserkörpern, bodennaher Gülleausbringung und Wasserschutzberatung. Viele Themen, bei denen man nach einem vorsichtigen Blick in die Runde einfach merkte: Das alles schien den Besuchern vorher nicht klar zu sein. Bestes Beispiel: ein Bild von der Gülleausbringung mit Prallteller. „Das ist verboten und zieht empfindliche Strafen nach sich!“, machte Gömann klar. „Und trotzdem wird dieses Bild in den Medien immer wieder verwendet.“ Sein Fazit: „Die Kombination aus Beratung und Kontrolle wirkt!“ Da konnten auch die Zuhörer nicht widersprechen angesichts der Menge an Zahlen und Diagrammen, die er vorweisen konnte.

„Wenn man das alles hört, kann man sich schon fragen, wo ist das Problem?“, brachte es Dr. Bernd Lüttgens, stellvertretender Geschäftsführer des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV), auf den Punkt. Was ist es, was die Gülle so schlecht dastehen lässt? Lüttgens berichtete, dass er als Vorbereitung auf die Veranstaltung einfach mal Gülle gegoogelt hat. Ein Wikipedia-Eintrag habe ihn dabei besonders erzürnt: „Aufgrund der intensiven Masttierhaltung kann in vielen Regionen aber nicht mehr von einem Dünger gesprochen werden. Es ist vielmehr ein Abfall, für den es oft kein geordnetes Entsorgungs- und Verwertungsverfahren gibt“, zitierte Lüttgens den Beitrag. Von Fakten und Logik keine Spur. „Wir Landwirte haben ein hohes Interesse am Gewässerschutz, das will ich hier klarstellen. Wichtig ist aber auch, dass Kreisläufe geschlossen werden und man die Pflanzen bedarfsgerecht versorgt.“ Dass man für die neue Technik aber eben auch auf GPS und Internet angewiesen sei und dies in der Region manchmal zu wünschen übrig lasse, gab er den Politikern auch mit auf den Weg.

Ein langes Gedächtnis

„Unser größtes Problem momentan ist die große Unsicherheit angesichts des Wetters. Die Bedingungen werden ex-tremer und damit müssen wir umgehen“, so Lüttgens. Denn man dürfe nicht vergessen: Es gelte auch, die Lebensmittelversorgung zu sichern. „Gerade dieser Sommer macht klar, es kann in den Regalen auch mal leerer aussehen.“

Mit der neuen Düngeverordnung gehe man wichtige Schritte, die zu Ergebnissen führen werden. Doch der Boden habe ein langes Gedächtnis, das gehe nicht von heute auf morgen. Am Ende gab es einiges an Lob für die Veranstaltung, die für beide Seiten von Vorteil war. So wurde beispielsweise auch deutlich, wie viel öffentliche Meinung an den sogenannten schwarzen Schafen und Negativbeispielen hängt. Mit dem einen oder anderen Vorurteil konnten die Weseler nun aufräumen. Bleibt zu hoffen, dass das Reizthema Gülle somit ein bisschen an Reiz verliert.