Jäger und Landwirte gemeinsam gegen ASP

15.03.2018

Kreisbauernschaft und Kreisjägerschaft Wesel informieren gemeinsam über die Afrikanische Schweinepest

Wilhelm Neu

„Die Afrikanische Schweinepest: Folgen für Landwirte und Jäger“ war die Informationsveranstaltung überschrieben, zu der die Kreisbauernschaft Wesel zusammen mit der Kreisjägerschaft am Montag letzter Woche ihre Mitglieder in die Niederrheinhalle eingeladen hatten. Wie groß die Gefahr durch die Seuche für Schweine haltende Betriebe im Kreis Wesel und in ganz Deutschland ist, zeigte Wilhelm Neu, der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Wesel, in seiner Begrüßung auf. Laut Expertenberechnungen kann sich der Schaden für die Schweinehalter auf 25 Mio. € wöchentlich belaufen. Sollte die Seuche in einem Schweinebestand auftreten, sei damit zu rechnen, dass ein Exportverbot verhängt werde mit der Folge eines drohenden Preisverfalls. Und die Schweinebranche sei bei einem Selbstversorgungsgrad von über 120 % auf den Export angewiesen, betonte der Kreisvorsitzende. „Es ist dringend notwendig, alle erdenklichen Maßnahmen zu treffen, um den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest zu verhindern“, machte Neu deutlich. Hier sei lobend zu erwähnen, dass die Landesregierung die Jagdzeiten für Schwarzwild geändert habe. Den Landwirten sei anzuraten, angesichts der ASP-Bedrohung den Abschluss einer Ertragsschadensversicherung für den eigenen Betrieb zu prüfen.

Wie das Krankheitsbild der ASP aussieht, erläuterte die stellvertretende Kreisveterinärin Dr. Susanne Diekmann. Der Virus befällt Haus- wie Wildschweine, ist allerdings für den Menschen ungefährlich. Die Übertragung erfolgt durch Kontakt von Tier zu Tier, über Vektoren sowie auch über tierische Produkte, auch Speiseabfälle. Die überwiegend tödlich verlaufende Seuche hat eine Inkubationszeit von bis zu 45 Tagen und äußert sich mit hohem Fieber, Hautverfärbungen, Fressunlust, Durchfall und Koordinationsstörungen. Die Veterinärin skizzierte den Weg der ASP ausgehend vom Kaukasus über Russland, die Ukraine, das Baltikum und Polen bis nach Tschechien und wies
auf die Risikobewertung des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) hin, wonach die Gefahr eines ASP-Seuche­nausbruchs in Deutschland als sehr hoch eingeschätzt werde. „Es wird dringend vor dem Verbringen von Schweinen und Wildschweinefleisch gewarnt“, führte Diekmann aus und sprach auch die Gefahr durch den Jagdtourismus an. Weil die Übertragung ebenfalls durch kontaminiertes Schuhwerk, Kleidung, Gerätschaften und Fahrzeuge erfolgen könne, seien sorgfältige Reinigung und Desinfektion unbedingt erforderlich.


Welche Maßnahmen im Rahmen der ASP-Bekämpfung ergriffen werden, erläuterte Kreisveterinär Dr. Antonius Dicke. Der Maßnahmenkatalog des FLI unterscheide drei Gebiete, das Kerngebiet mit einem 3-km-Radius um den Seuchenstandort, das gefährdete Gebiet mit einem 15-km-Radius sowie eine Pufferzone mit einem 30-km-Radius. In dem Kerngebiet sei das Auswandern möglicher infizierter Tiere zu vermeiden, Kadaver zu entsorgen und der Wildschweinbestand drastisch zu reduzieren. Auch in der Pufferzone sei die Wildschweinpopulation um 70 % zu reduzieren, um ein Ausbreiten der Seuche zu verhindern. Die Anordnung der Pufferzonen erfolge für drei Monate. Nach EU-Recht sei ein gewisser Handel noch möglich, allerdings sei damit zu rechnen, dass ein Export in Drittstaaten kaum noch erlaubt sei und somit zum Erliegen komme.


Aus Sicht der Jägerschaft erläuterte der Berufsjäger und Wildmeister Peter Markett die Wildschweinjagd zur Bekämpfung der Schweinepest. „Die Jägerschaft ist sich ihrer Verantwortung gegenüber der Landwirtschaft bewusst und bereit, effizient zu bejagen“, machte Markett deutlich. Als Gründe für die große Wildschweinpopulation nannte der Berufsjäger die optimalen Lebensbedingungen, den Klimawandel, die milden Winter mit nur geringen Frischlingsverlusten sowie den Anbau von energiereichen Kulturen, wie Mais und nicht zuletzt auch die zu geringe und falsche Bejagung.

Um die Bestände nachhaltig abzusenken, müsse zahlenmäßig effizient unter Berücksichtigung der Sozialstruktur gejagt werden. „Dafür sind sorgfältig geplante revierübergreifende Gesellschaftsjagden notwendig“, appellierte Markett an die Jägerschaft, Reviere zu Jagdgemeinschaften zusammenzuschließen. Dabei erwarte die Jägerschaft die tatkräftige Unterstützung der Landwirte, etwa durch Greening- und Zwischenfruchtflächen mit niedrig wachsenden Pflanzen und die Anlage von Bejagungsschneisen in hochwachsenden Kulturen. Auch die zuständigen Behörden, wie Straßenbaulastträger und Straßenverkehrsbehörden, seien gefordert, bei der Verkehrsregelung Unterstützung zu gewähren. Die Veterinärämter seien gefordert, Abfallbehälter für Aufbruch- und Zerwirkreste bereitzustellen. Abschließend appellierte der Vorsitzende der Kreisjägerschaft, Alfred Nimphius, an die rund 80 Teilnehmer der Infoveranstaltung, gemäß ihren Aufgaben an der Bekämpfung der Schweinepest mitzuwirken.