Kein Erntebeschimpf-, sondern Erntedankfest

31.10.2019

Als sich am Mittwoch vergangener Woche die Türen zum Sitzungssaal des Rathauses der Stadt Xanten öffneten, ging Bürgermeister Thomas Görtz das Herz auf.

Äußerten ihre ­Sorgen und Gedanken zum Erntedank (v.l.n.r.): Johannes Leuchtenberg, Franz-Josef Fell, ­Jessica Krebbing, Dr. Ansgar Müller, Thomas Görtz, Pfarrer Hans-Joachim Wefers, Kaplan Christoph Potowski und ­Waltraud Krüger. Foto: Tina Ziemes

„So gemütlich habe ich den Saal noch nie gesehen“, erklärte das Stadtoberhaupt. Der Ortsbauernvorsitzende Franz-Josef Fell richtete ebenfalls seinen ausdrücklichen Dank an die gestalterische Arbeit der Landfrauen, die zusätzlich die Bewirtung übernahmen. Nahezu alle Redner äußerten ihren Unmut darüber, dass es unter den Verbrauchern zunehmend an Wertschätzung gegenüber der Landwirtschaft fehle. Pfarrer Hans-Joachim Wefers merkte an, dass viele Menschen überhaupt nicht mehr erkennen, wer den Teller voll mache. „Hauptsache, er ist es – und das möglichst billig“, sagte Wefers. Auch der Weseler Landrat Dr. Ansgar Müller stufte die Wertschätzung als zu gering ein und gab zu bedenken: „Zu viel von dem, was vom Boden mit viel Arbeitseinsatz gewonnen wird, wird weggeworfen.“ Kaplan Christoph Potowski empfand es als „erschreckend“, wie viele grüne Kreuze an den Feldrändern zu sehen seien. Stehe doch hinter jedem Kreuz eine bäuerliche Existenz, eine Familie.

Alle waren sich einig, dass Landwirte und Verbraucher mehr in den Dialog einsteigen müssen. Eine Möglichkeit zeigte die Kreisvorsitzende der Weseler Landfrauen, Waltraud Krüger, auf. In der Ortschaft Bislich hätten Landfrauen mit großem Engagement und Erfolg Schulkindern Themen der Landwirtschaft nahegebracht und Schulklassen auf Höfe eingeladen. „Es besteht ein großer Bedarf an Aktionen, die Schulkindern die Herkunft und Wertigkeit von Lebensmitteln vermitteln“, betonte Krüger. Der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Wesel, Johannes Leuchtenberg, griff in seiner Rede das Thema Klimaschutz auf. „Es dürfte jedem bewusst sein, dass wir Landwirte die Veränderungen des Klimas und die Auswirkungen am stärksten spüren“, so Leuchtenberg. Umso wichtiger sei es, den Problemen mit kühlem Kopf entgegenzutreten. Auch Junglandwirtin Jessica Krebbing verdeutlichte, dass den Landwirten die Natur genauso wichtig sei wie den Umweltschützern. Schließlich sei ihr Berufsstand auf die Natur angewiesen. „Es ist unsere Passion, hochwertige Lebensmittel zu produzieren, unsere Felder nachhaltig zu bewirtschaften und unsere Tiere zu pflegen“, so die 23-Jährige. Am Ende ihrer Rede gab sie den Anwesenden noch mit auf den Weg: „Niemand sollte es je vergessen, wir Bauern sorgen für das Essen!“