Wer wird´s?

19.08.2015

Bürgermeisterkandidaten für die Stadt Hamminkeln stellten sich den Landwirten vor

Roswitha Bannert-Schlabes (r.) und Bernhard Romanski (l.) stellten sich den Fragen der Landwirte. Wilhelm Neu (2.v.l.) eröffnete und Andrea Bahrenberg (2.v.r.) moderierte. Foto: Ekkehart Malz

Über 150 Landwirte waren nach Hamminkeln zur Vorstellung der Bürgermeisterkandidaten gekommen. Foto: Gerrit Korte

Den kritischen Ohren der Landwirte haben sich die Bürgermeisterkandidaten für die Stadt Hamminkeln gestellt. Um über 300 Stimmen aus der Landwirtschaft kämpften Roswitha Bannert-Schlabes von der CDU und Bernhard Romanski von der SPD am Dienstag vergangener Woche in Hamminkeln. Die Kreisbauernschaft Wesel und die Hamminkelner Landfrauen hatten zur Vorstellung der Kandidaten eingeladen. Wilhelm Neu, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Wesel, freute sich über den großen Andrang: Über 150 Landwirte waren zum „Bürgermeisterkandidaten-Duell“ gekommen. Gemeinsam mit den Landwirten prüfte Moderatorin Andrea Bahrenberg, Pressesprecherin des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV), die beiden Kandidaten auf Herz und Nieren.

Mit dem Spruch „Kompetenz und Herz“ wirbt Roswitha Bannert-Schlabes um die Stimmen. Als Ökonomin hat sie die Finanzen im Blick. In einem Zeitungs-interview sagte sie, dass sie die Handlungsfähigkeit der Stadt erhalten wolle. Als Unternehmensberater und Manager sieht Bernhard Romanski die Verwaltung als Unternehmen an. Sein Leitspruch lautet: „Ich verspreche nichts, was ich nicht halten kann.“ Das erste Thema lautete: Wirtschaftswege. Für die Landwirte sind die Wirtschaftswege wichtig für ihre tägliche Arbeit. Für die Verbraucher werden die Wege immer wichtiger für die Naherholung. Hamminkeln stellt jährlich rund 80 000 € für die Sanierung der Wege bereit. „Die Landwirte befürchten, dass dieser Betrag nicht reicht. Wie planen Sie die Erhaltung und Sanierung der Wege – auf Kosten der Bauern oder gibt es andere Alternativen?“, lautete die Frage an die Kandidaten. Beide plädierten für einen Wirtschaftswegeverband. Bannert-Schlabes strebt eine Kategorisierung der Wege an. „Welche Wege brauchen Straßenqualität, wo reicht ein Schotterweg? Wenn man das klärt, kann man viele Kosten sparen. Das müssen wir gemeinsam mit Ihnen einschätzen“, sagte die 53-Jährige, die verheiratet ist und drei Kinder hat.

„Die Fläche, auf denen die Landwirte Lebensmittel erzeugen können, wird immer geringer. Aber auf Beton wächst kein Brot“, so die Moderatorin. Beim Thema Flächenverbrauch setzt Bannert-Schlabes auf effektive Kompensationsmaßnahmen in Kooperation mit der Landwirtschaft. „Jede Ausgleichsfläche ist für Landwirte nicht mehr nutzbar. Eine Reduzierung der Fläche bedeutet höhere Pachtpreise“, zeigte Bannert-Schlabes ihr Verständnis für die Branche. Mit der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft könne man intelligente ­Kompensationsmaßnahmen erarbeiten. Bernhard Romanski sprach dafür, mehr Gewerbeflächen und Familien nach Hamminkeln zu bringen. „Unsere besten Böden dürfen nicht weiter zugepflastert werden. Sinnvoller wäre es, Ausgleichsmaßnahmen in bereits bestehenden Maßnahmen umzusetzen“, forderte Wilhelm Neu.

Als Nächstes stand das Thema „Landwirtschaft und Tourismus“ auf dem Programm. „Im am dichtesten besiedelten Bundesland haben die Ansprüche an die Fläche und die Nutzungsinteressen stark zugenommen. Wie wollen Sie die landwirtschaftliche Fläche vor überzogenen Ansprüchen schützen?“, lautete die Frage an die Kandidaten. Romanski sagte ganz deutlich, dass man sich fragen müsse, wo Tourismus die Flächen „auffresse“. „Ich will hier keine Xantener Südsee“, sagte der 56-jährige dreifache Vater und Ehemann wörtlich. Bannert-Schlabes sieht den Tourismus eher als Bereicherung für die Landwirtschaft, wie für Hofcafés.

Beim Thema Baugenehmigungen wurde die Diskussion hitzig. „Damit ein Landwirt seinen Hof in die Zukunft führen kann, braucht er Entwicklungsmöglichkeiten. Viele Landwirte haben den Eindruck, dass Genehmigungen an bestimmten Personen hängen. Sie sollten zügiger und einfacher abgewickelt werden“, lautete die Forderung. Die beiden Kandidaten meinten, dass es Personalknappheit gebe und die Hauptpro­bleme bei der Bauendabnahme gelegen hätten. „Wenn es haken sollte, sprechen Sie uns an“, hob Bannert-Schlabes hervor. Beim Thema Breitband bewerteten beide Kandidaten die Situation positiv. Nur in Töven sei das Netz noch nicht gut ausgebaut. „Eigeninitiative, wie in Loikum, ist vorbildlich“, hob Bannert-Schlabes hervor.

Wie kann man die beiden unterscheiden? „Ich setze bei der Landwirtschaft den Schwerpunkt auf die Verbesserung der Wirtschaftswege – im Dialog mit den Landwirten. Als zweites wichtiges Thema wollen wir schauen, wie wir den Flächenverbrauch senken können und die Landwirte bei der Gestaltung der Ausgleichsflächen einbeziehen“, sagte Bannert-Schlabes. Bei Romanski stehen die höheren Einnahmen im Vordergrund: „Ich möchte die Einnahmen durch die Gewerbe- und Einkommensteuer erhöhen, sodass Vorhaben, wie die Verbesserung der Wirtschaftswege, auch tatsächlich umzusetzen sind. Ich bin auch für den Dialog, aber nicht, wenn er zur Verwässerung führt. Ich möchte Dinge in die Tat umsetzen“, erklärte er.

Wilhelm Neu betonte abschließend, dass, egal wie die Wahl ausginge, beide zum traditionellen „Runden Tisch mit der Landwirtschaft“ eingeladen seien. „Dann können wir Probleme schon frühzeitig angehen, sodass sie gar nicht erst groß werden“, sagte Neu abschließend. Die Hamminkelner Landfrau und Mitinitiatorin der Veranstaltung Gudrun Krustick bedankte sich bei den Teilnehmern und forderte alle Landwirte auf, unbedingt wählen zu gehen und ihr „Kreuzchen zu machen“.