Wesel blüht und summt

31.01.2019

Eine Vereinbarung zwischen dem Kreis Wesel und der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft sichert die Anlage mehrjähriger Blühstreifen

Blühstreifen fördern nicht nur Flora und Fauna, sie sind auch schön anzusehen.

Freuen sich über das gemeinsame Blühstreifenprojekt (v.l.n.r.): Markus Reinders, Zweigstellenleiter Niederrhein und Bereichsleiter Kompensation, Artenschutz und Liegenschaften der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft, Torsten Quinkenstein, Projektleiter, Johannes Leuchtenberg, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Wesel, Friedhelm Decker, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft, Landrat Dr. Ansgar Müller, Wilfried Letzner von der Unteren Naturschutzbehörde im Kreis Wesel, Helmut Czichy, Vorstandsmitglied der Kreisverwaltung Wesel, und Klaus Horstmann, Leiter des Fachdienstes Naturschutz, Landwirtschaft, Jagd und Fischerei im Kreis Wesel, bei der Vertragsunterzeichnung. Fotos: Stiftung Rheinische Kulturlandschaft

Das Thema „Zunehmender Insektenrückgang“ ist im Kreis Wesel von so hoher Bedeutung, dass es bereits in der ersten Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses im Jahr 2018 auf der Tagesordnung stand. Mit dem Ziel, verbesserten Lebensraum für die Insektenwelt zu schaffen, befasste sich der Kreis bereits vor einem Jahr mit dem Blühstreifenprojekt der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft. Ziel des Projektes ist es, gemeinsam mit Vertretern der Landwirtschaft Naturschutzmaßnahmen umzusetzen, die den Insekten zugutekommen und die sich gleichzeitig in die Abläufe der landwirtschaftlichen Betriebe integrieren lassen.

Erfolgreiche Testphase

Im Zuge einer einjährigen Testphase bewiesen die Weseler reges Interesse: „Auch dank der Unterstützung und Mithilfe der Kreisbauernschaft Wesel legten 14 Landwirte mehr als 11 ha Blühstreifen an“, berichtete Projektleiter Torsten Quinkenstein nicht ohne Stolz. Dass die Blühstreifen sich positiv auf den Insektenbestand auswirken, steht für alle Beteiligten außer Frage. Für die Anlage eines Blühstreifens werden die Landwirte entschädigt, schließlich fehlt ihnen die bereitgestellte Fläche zur Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte.

Mehrjähriges Projekt

Am Montag vergangener Woche (die LZ berichtete) unterzeichneten Friedhelm Decker, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft, und Wesels Landrat Dr. Ansgar Müller eine Vereinbarung für ein fünfjähriges Blühstreifenprojekt. Die Anlage von mindestens 28 ha mehrjähriger Blühstreifen auf landwirtschaftlich genutzten Ackerflächen soll das Insektenaufkommen, aber auch Spinnentiere und Tausendfüßer nachhaltig fördern. Mit einem erhöhten Blüten- und damit Insektenangebot sollen sich gleichzeitig die Lebensbedingungen für Vogelarten der offenen Feldflur wie zum Beispiel Feldlerche und Kiebitz verbessern. „Nachhaltiger als einjährige Kulturen sind solche, die überwintern und immer am gleichen Standort sind“, fügte Markus Reinders, Zweigstellenleiter Niederrhein der Stiftung, hinzu.

Landrat Müller freute sich sehr, „dass wir mit dem Blühstreifenprojekt gemeinsam mit der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft der Landwirtschaft im Kreis Wesel ein unbürokratisches und attraktives Instrument zur Umsetzung wirkungsvoller Maßnahmen für die Insektenförderung an die Hand geben können“. Decker zeigte sich überzeugt, „dass es viele landwirtschaftliche Betriebe geben wird, die Interesse an dem Projekt haben und dafür Flächen zur Verfügung stellen.“

 

Eine tolle Sache

Auch Johannes Leuchtenberg, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Wesel, erklärte sich bereit, an der Testphase des Blühstreifenprojektes teilzunehmen. „Wir haben das Projekt innerhalb der Kreisbauernschaft gemeinsam mit der Stiftung entwickelt. Da war für mich klar, dass ich mich auch mit Flächen einbringe“, erinnert er sich. Die Umsetzung empfand Leuchtenberg als „unpro­blematisch“. Ungefähr einen Morgen säte er auf Flächen am Autobahnzubringer und an der Hofstelle ein. Dabei wurde das Saatgut von der Stiftung gestellt, die Zahlung der Entschädigung stellte kein Problem dar. „Ich wurde häufig von Passanten angesprochen, was das denn werden würde, und bekam viele positive Rückmeldungen, als es blühte und summte“, so Leuchtenberg. Infolge der positiven Erfahrungen hat der Landwirt sich bereits zur Teilnahme am mehrjährigen Projekt angemeldet. „Das ist eine tolle Sache, die ich Berufskollegen nur empfehlen kann“, resümiert der Milchviehhalter aus Neukirchen-Vluyn.