Wesel: Hier schmausen die Bienen

10.08.2017

Landwirte setzen sich mit Blühstreifen für die Artenvielfalt ein

Sie sind zuversichtlich, dass gemeinsam in den nächsten Jahren noch mehr zur Förderung von Bienen und anderen Insekten getan werden kann (v.l.n.r.): Wilhelm Neu, Markus Reinders, Klaus Steffen und Reinhard Buchmann.

Landwirt Reinhard Buchmann hat von seinem Maisacker einen 7 m breiten Streifen für den „Bienenschmaus“ abgezwackt. Fotos: Sabine Aldenhoff

Frei nach dem Motto „Tue Gutes und rede darüber“ hatte sich Landwirt Reinhard Buchmann aus Wesel gemeinsam mit der Kreisbauernschaft Wesel am Mittwoch vergangener Woche an die regionalen Medien gewandt. Bereits im zweiten Jahr hat er auf einem Teil seiner Ackerflächen Blühstreifen ausgesät. Bei dem Pressegespräch ging es darum zu zeigen, wie Landwirte zum Erhalt der lebenswichtigen Bienen und anderer Insekten beitragen können.

„80 % der rheinischen Nutz- und Wildpflanzen sind nach Angaben von Bienenforschern auf die Arbeit der Bienen angewiesen. Der Ertrag von Raps beispielsweise geht zu 35 % auf das Konto der Bienen“, informierte Wilhelm Neu, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Wesel, die Journalisten. Deshalb läge es im Interesse der Landwirte, die Bienen pfleglich zu behandeln und sie sogar zu fördern. „Die Idee, Blühstreifen anzulegen, kam von einem meiner Mitarbeiter“, sagte Milchviehhalter Reinhard Buchmann. Er sei schon seit Jahren Pächter bei dem ehemaligen Landwirt Klaus Steffen, der heute intensiv seiner Leidenschaft, der Imkerei, nachgeht. „Von ihm konnte ich über Bienen schon viel lernen“, berichtete Buchmann. Gemeinsam haben sie die Saatgutmischung „Bienenschmaus“ ausgesucht, die mit einem hohen Phacelia-Anteil besonders im Frühsommer viel Futter liefert, wenn die Bienen es brauchen. Neben Phacelia sind noch elf weitere Arten in der Mischung enthalten, darunter Ringelblume, Dill, Malve, Koriander, Sonnenblumen und Ölrettich, die teilweise bis zum Frost blühen.

Nachtisch für Bienen

Imker Klaus Steffen informierte darüber, dass die Honigproduktion Ende Juli vorbei ist. Dann sollten die Bienen nicht mehr so stark gefüttert werden. So ein „Nachtisch“, wie ihn die Mischung „Bienenschmaus“ im Herbst bietet, wenn die Phacelia verblüht ist, sei da genau das Richtige. Probleme könnten hingegen zu früh ausgesäte Zwischenfrüchte bringen, die im Herbst noch zur Blüte kommen, wie beispielsweise Raps oder Senf. Dieses späte üppige Angebot überfüttere die Honigbienen, sodass es für die Überwinterung des Volkes nachteilig sei. Für andere Insektenarten hingegen sei dieses Blütenmeer im Herbst ein wertvolles Angebot, teilte Markus Reinders von der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft mit.

Alle waren sich einig, dass solche Blühstreifen nicht nur die Honigbienen, sondern noch viele andere Insektenarten fördern, wie die beim Pressetermin anwesenden Schmetterlinge, Wildbienen und Käfer eindrucksvoll bewiesen. In Folge gesellen sich bestimmte Vogelarten hinzu, die entweder auf Insekten- oder auf Samensuche im Blühstreifen sind. Niederwild wie Hasen oder Fasanen bieten die Blühstreifen Deckung. Reinhard Buchmann: „Mein Gedanke war, etwas für die Natur zu tun und für die Partnerschaft mit meinem Verpächter, der Imker ist.“ Insgesamt hat er an drei Stellen Blühstreifen ausgesät und als ökologische Vorrangflächen (Greening) deklariert. Das birgt aus seiner Sicht allerdings den Nachteil, dass die Blühstreifen bis zum 30. März ausgesät sein müssen. Im Sinne einer erfolgreichen Unkrautunterdrückung wäre es besser, im Frühjahr zunächst mehrfach das Unkraut auflaufen zu lassen und in den Boden einzuarbeiten, und dann etwas später auf die Fläche auszusäen.

Blühstreifen als Ausgleichsmaßnahme

Wie Wilhelm Neu und Markus Reinders mitteilen konnten, ist die Kreisbauernschaft Wesel derzeit im Gespräch mit der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Wesel, um solche Maßnahmen wie Blühstreifen als ökologisch wertvolle Ausgleichsmaßnahmen bei Bauvorhaben zu ermöglichen. Die Vorhabenträger könnten sich dann entweder direkt an beteiligte Landwirte wenden oder an Organisationen wie die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft, die solche Flächen pflegen. Dabei müsse allerdings die Langfristigkeit von Ausgleichsmaßnahmen von mindestens
30 Jahren gewährleistet sein. Dies und andere Fragen seien in den Gesprächen noch rechtlich festzuzurren, so Neu, der sich sehr zuversichtlich zeigte, weil offenbar alle Beteiligten hier in die gleiche Richtung möchten. Von einer solchen Regelung profitiere nicht nur die Natur, sondern auch die Landwirte, die Bewirtschafter der Fläche bleiben und sie bei ihren Flächenanträgen geltend machen können. Wer Interesse hat, sich ab 2018 an solchen Maßnahmen zu beteiligen, möge sich bei der Kreisbauernschaft Wesel (Telefon: 02 81/4 60 97-0) melden.


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