Einigung im Streit um die Düngeverordnung: Schwere Bürde für den rheinischen Ackerbau

19.06.2019
RLV-Präsident Conzen bezeichnet den jetzt zwischen den Bundesministerien für Landwirtschaft und Umwelt gefundenen Kompromiss als eine schwere Bürde für den rheinischen Ackerbaustandort.

Aufgrund der von den nordrhein-westfälischen Bauernverbänden initiierten Protestveranstaltung vor wenigen Wochen in Münster gebe es gegenüber den Vorschlägen aus dem März zwar kleine Verbesserungen im Detail. „Unter dem Strich bleibt das vorliegende Resultat hinter unseren Forderungen. Wir müssen uns jetzt mit den Ergebnissen auseinandersetzen und neue Strategien im Pflanzenbau entwickeln. Schließlich haben unsere Wettbewerber auf den internationalen Märkten keine derart restriktiven Beschränkungen“, so Bernhard Conzen, Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV). Positiv bewertet Conzen die Tatsache, den Befürwortern strengerer Vorschriften Zugeständnisse abgerungen zu haben. Zwar drohe durch die Beschränkung der Düngung auf ein Niveau von 20 % unterhalb des pflanzlichen Bedarfs ein Diätprogramm für Ackerkulturen. Die jetzt gefundene Regelung schaffe jedoch einen gewissen Gestaltungsspielraum, da sie nunmehr im Betriebsdurchschnitt gelte und nicht mehr – wie in den ersten Vorschlägen – schlagbezogen. Dennoch sei eine sachgerechte Versorgung aller angebauten Pflanzen in Gebieten mit roten Grundwasserkörpern zukünftig nicht mehr möglich. Die Erzeugung der vom Verbraucher geforderten qualitativ hochwertigen Produkte aus dem Ackerbau sei damit nur sehr eingeschränkt zu gewährleisten.

Conzen kritisiert auch das Verbot der Herbstdüngung von Zwischenfrüchten. Hier werden 30 Jahre positive Erfahrungen aus den Wasserkooperationen ohne fachliche Begründung einfach ignoriert, zeigt sich der RLV-Präsident verständnislos. Der Zwischenfruchtanbau sei im Rheinland weit verbreitete Praxis mit guter Wirkung gegen die Auswaschung von Nitrat. „Unsere Zwischenfrüchte können dieses Potential der Stickstoffbindung jedoch nur voll entfalten, wenn sie mit einer Startdüngung kräftig auflaufen“, so Conzen. Enttäuscht sei er vor allem über die Tatsache zusätzlicher Restriktionen und Begrenzungen für die Ausbringung von Wirtschaftsdüngern in nicht belasteten Gebieten wie etwa den Grünlandregionen. Diese Vorschriften bergen eine Gefahr für den Vertragsnaturschutz in NRW, da Landwirte durch die Düngeverordnung faktisch gezwungen würden, extensive Flächen wieder zu intensivieren. Der RLV werde die in der neuen Düngeverordnung vorgesehene Länderermächtigung nutzen, mit Ministerin Heinen-Esser praktikable Lösungen für die Umsetzung in NRW zu finden. Er werde die Landesregierung auch dazu ermuntern, den Landwirten mit entsprechenden Förderprogrammen unter die Arme zu greifen.


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