Für Wetterextreme wappnen

14.07.2021
Nach drei trockenen Jahren folgt nun ein Sommer mit viel Regen – der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) fasst zusammen, wie die rheinischen Bauern mit der Unberechenbarkeit des Wetters umgehen und nennt drei Handlungsfelder mit möglichen Maßnahmen, um sich auf die durch den Klimawandel bedingten Herausforderungen einzustellen.

„In vielen Regionen hat die Gerstenernte begonnen – doch angekündigtes Regenwetter mit lokalem Starkregen schickt uns Landwirte erstmal in die Zwangspause“, erklärt RLV-Präsident Bernhard Conzen. Was das Wetter an Überraschungen mit sich bringt, das kann der Landwirt im Herbst und Frühjahr bei der Aussaat und Pflanzung der Kulturen nicht vorhersehen und daher auch nur bedingt reagieren. „Wir müssen zusehen, dass wir mit dem zurechtkommen, was die Natur uns gibt und können nur langfristig denken“, so Conzen. Der RLV pocht daher auf Lösungen, um auch in Zukunft besser für Extremwetterereignisse gewappnet zu sein. Hier wäre eine Versicherungslösung für Wetterextreme denkbar, wie sie beispielsweise in den Niederlanden geschaffen wurde. Denn auch in Deutschland gibt es theoretisch solche Mehrgefahrenversicherungen - diese können Landwirte finanziell jedoch nicht alleine stemmen. Mit dem Ziel der Ernährungssicherung sollte die Politik sich an anderen Staaten orientieren und Maßnahmen ergreifen, um Landwirte bei der Absicherung, zumal nicht selbst verschuldeter Risiken, zu begleiten, so der RLV. Da alle Produktionsrichtungen vom Klimawandel betroffen sind, hätte sie eine große betriebliche Breitenwirkung und würde Wettbewerbsnachteile gegenüber den EU-Mitgliedsstaaten ausgleichen, die bereits eine Versicherungslösung anbieten.

Wetterextreme und klimatische Veränderungen bringen auch Schädlinge und Krankheiten mit sich. Der Regen in diesem Sommer ist das beste Beispiel: Pilzerkrankungen wie Mehltau oder die Kraut- und Knollenfäule bei Kartoffeln lieben feuchte und warme Witterung. Hier muss Landwirten genug Handlungsspielraum bleiben, um Krankheiten zu bekämpfen und eine sichere Ernte einzubringen. „Pflanzenschutzmittel enthalten nicht umsonst das Wort Schutz. Sie schützen unsere Pflanzen und damit letztlich unsere Nahrung, dafür wurden sie über Jahrzehnte unter strengsten Zulassungsbedingungen entwickelt. Niemand möchte Mykotoxine in seinem Brot oder Müsli haben – an die Sicherheit, die uns Pflanzenschutzmittel geben, haben wir uns gewöhnt“, erklärt Conzen. Immer mehr Wirkstoffen wird aber die Zulassung entzogen oder sie stecken in langen Zulassungsverfahren, die Kosten nach sich ziehen. „Uns ist bewusst, dass Pflanzenschutzmittel in der öffentlichen Meinung nicht hoch im Kurs stehen. Hier sollten wir jedoch der Wissenschaft vertrauen und Debatten nicht auf emotionaler Ebene führen. Wenn uns immer weniger Mittel zur Verfügung stehen, wird das in Zukunft zum Problem“, so der Ackerbauer. Eine Herausforderung nicht nur für den konventionellen, sondern auch den ökologischen Anbau, wo auf Kupfer und Schwefel gesetzt wird.

Auf die Herausforderungen der Zukunft muss sich laut RLV auch die Wissenschaft vorbereiten. Neue Sorten mit Resistenzen gegen bestimmte Krankheiten und Trockenheit oder aber besserer Standfestigkeit werden immer gefragter. „Wir sollten hier auch moderne Züchtungsmethoden ins Auge fassen. Nutzen und Gefahren sollten vernünftig abgewogen und untersucht werden, um mögliches Potential nicht zu verschenken und züchterisch nicht den Anschluss zu verlieren“, so Conzen abschließend.


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