Milchsektor besser aufstellen statt Mengen verwalten

03.05.2018
Mit Blick auf die jüngste Debatte der Länderagrarminister über Lieferbeziehungen im Milchsektor warnt der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) vor einer Rückkehr zu einer Quote „light“. Anlässlich der Agrarministerkonferenz in Münster hatten sich mehrere Bundesländer – darunter NRW – für eine entschädigungslose Reduzierung der Milchmenge im Krisenfall ausgesprochen.

Christiane Närmann-Bockholt

„Während Brüssel in der letzten Preismisere Anreize zur freiwilligen Mengendisziplin auf den Weg gebracht hat, diskutieren hierzulande Agrarminister eine entschädigungslose Mengenreduktion“, so die Kritik von Paul-Christian Küskens, Vizepräsident des RLV und Milchviehhalter aus Niederkrüchten. Durch eine „Quote light“ würden viele Milcherzeuger zudem unnötig benachteiligt. Eine wirkliche Stabilisierung der Erzeugerpreise konnte schon mit der 2015 ausgelaufenen Mengenregulierung nicht erreicht werden. Küskens: „Eine Rückkehr zu staatlichen Markteingriffen auf Erzeugerebene wurde von den Agrarministern aus guten Gründen immer ausgeschlossen. Verlässlichkeit sieht für mich anders aus.“

Für den Umgang mit Preisrisiken bedürfe es keiner staatlichen Pauschallösungen, sondern Maßnahmen, die zum Marktumfeld der jeweiligen Molkerei und ihren Genossen bzw. Lieferanten passten. Überlegungen einzelner Molkereien zeigten, wie über gezielte Anreize Produktionsmengen verändert oder Elemente der Preisabsicherung etabliert werden können. Diskussionen zur Einführung einer verpflichtenden Preis-Mengen-Relation nach Artikel 148 der Gemeinsamen Marktorganisation müssten daher Raum lassen für die Gestaltung krisenfester Lieferbeziehungen durch die Marktbeteiligten selber, so der Vizepräsident. Darüber hinaus gehende planwirtschaftliche Markteingriffe sind nach Einschätzung von Küskens nicht geeignet, um in globalen Produktmärkten Mengendruck und Preisverfall entscheidend zu beeinflussen.

Kritisch sieht der RLV auch die Ergebnisse der jüngsten Kontraktverhandlungen mit Aldi über die „weiße Linie“. Während die Butterpreise anziehen, sollen die Preise für Trinkmilch fallen. Mit dem aktuellen Marktverlauf, abzulesen etwa am jüngsten Rohstoffwert für Milch, steht der Abschluss bei der „weißen Linie“ nicht im Einklang. Nach wie vor scheinen hier die bestehenden Strukturen nicht ausreichend, um in Preisrunden mit dem Einzelhandel auf Augenhöhe zu agieren.


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