Passt das Erntedankfest noch in unsere Zeit?

02.10.2019
Kreisbauernschaft Mettmann übergab Erntekrone an Düsseldorfs Oberbürgermeister

Foto: Marilena Kipp

„Passt das Erntedankfest noch in unsere Zeit? Ob Starkregen oder Dürre, die Regale im Lebensmittelgeschäft sind stets gut gefüllt, die Angebote fast unüberschaubar groß. Wer dies als selbstverständlich empfindet, dem fällt es am Ende auch schwer zu danken“, betonte Martin Dahlmann, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Mettmann, bei der Übergabe der Erntekrone an Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel am Montag (30. September) in Düsseldorf.

Das Thema Klimaschutz stellte Dahlmann ins Zentrum seiner Erntedankrede. Landwirte spürten die Veränderungen des Klimas und dessen Auswirkungen am stärksten, da sie unter freiem Himmel arbeiteten. Die Lösungen seien komplex und die Landwirtschaft engagiere sich stetig dafür, den aktuellen Ausstoß von 7 % an den Emissionen weiter zu senken. „Aber es macht keinen Sinn, einseitig auf die Reduktion der deutschen Emissionen zu schielen. Was soll es für das Klima bringen, wenn wir in Deutschland eine klimaeffiziente Kuh abschaffen und diese durch zwei nicht so leistungsfähige Kühe irgendwo auf diesem Planeten ersetzen?“, so Dahlmann und rechnete vor: „Bei der Produktion von 1 l Milch zum Beispiel werden durch die Entstehung von Methan in Deutschland circa 1,1 kg CO2-Äquivalente freigesetzt. Das liegt deutlich unter dem weltweiten Durchschnitt von 2,4 kg und ist weit entfernt von den Emissionswerten Asiens mit 3,5 kg CO2-Äquivalent je Liter Milch. Solche Zusammenhänge darf man nicht ausblenden.“ Weiter kritisierte der Vorsitzende die Doppelmoral  beim Handelsabkommen Mercosur mit den südamerikanischen Staaten: „Während wir hierzulande über nahende Klimakatastrophen, Pflanzenschutzmittelverbote und Insektensterben diskutieren, soll ein Abkommen abgeschlossen werden, das bei einer Zunahme der Importe dazu führen kann, dass noch mehr Regenwald gerodet wird.“

An die Politik appellierte der Vorsitzende: „Unfairer Wettbewerb beim Umwelt- und Klimaschutz sowie bei den Sozialstandards, der unsere bäuerlichen Familienbetriebe gefährdet, ist das Gegenteil einer nachhaltigen Landwirtschaftspolitik!“ Während Bauern in Deutschland mit einer Auflagenflut überzogen werden, nehme man einen Raubbau an der Natur in anderen Ländern der Welt einfach hin. Als Beispiel nannte er das von der Bundesregierung vor wenigen Wochen verabschiedete „Aktionsprogramm Insektenschutz“, das bis zu 20 % der landwirtschaftlichen Fläche Deutschlands der Bewirtschaftung in ihrer bisherigen Form entziehe. Damit werde die Zukunft der bäuerlichen Familienbetriebe im Rheinland aufs Spiel gesetzt.


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