Rohmilch ab Hof: Bundesinstitut weist auf Risiken hin

25.04.2016
Die Zahl der Milcherzeuger, die Rohmilch über Automaten ab Hof abgeben, nimmt zu. Zwar müssen Rohmilchabgabestellen mit dem Hinweis „Rohmilch, vor dem Verzehr abkochen“ gekennzeichnet sein. Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), das im Geschäftsbereich des Bundeslandwirtschaftsministeriums zu Fragen des gesundheitlichen Verbraucherschutzes tätig ist, legen vereinzelte Berichte über Ausbrüche von Lebensmittelinfektionen in Verbindung mit Rohmilchverzehr jedoch nahe, dass der Hinweis von Verbrauchern nicht immer befolgt wird.

Das BfR hat daher kürzlich darauf hingewiesen, dass der Verzehr von Rohmilch mit gesundheitlichen Risiken verbunden ist. Rohmilch könne mit krankmachenden Keimen kontaminiert sein. Manche der Erreger könnten direkt aus dem Tier über die Milchdrüse ausgeschieden werden, die meisten gelangten aber aufgrund von Hygienemängeln beim Melken in die Milch.

Besonders empfindliche Bevölkerungsgruppen sind nach BfR-Angaben Kinder, Schwangere oder ältere und kranke Personen, denen das Bundesinstitut empfiehlt, grundsätzlich auf den Verzehr von nicht abgekochter Rohmilch zu verzichten. Aber auch für gesunde Erwachsene bestehe beim Verzehr von nicht abgekochter Rohmilch ein erhöhtes Risiko einer Lebensmittelinfektion, die je nach Erregertyp zu leichteren bis schweren Erkrankungen führen kann.

Wie das BfR weiter hinweist, ist Rohmilch ein empfindliches Lebensmittel, das aufgrund seiner Gewinnung unmittelbar vom Tier im Stall nach einem Filtrationsschritt ohne weitere Verarbeitung (Pasteurisierung) mit krankmachenden Bakterien - wie zum Beispiel Salmonellen, Campylobacter oder enterohämorragischen Escherichia coli (EHEC) - kontaminiert sein kann, die zum Teil schwere Erkrankungen auslösen können. Wenn es sich nicht um Vorzugsmilch von speziell kontrollierten Betrieben handelt, muss der Erzeuger einen Hinweis anbringen, um zu verhindern, dass Rohmilch ohne Erhitzen verzehrt wird, mahnt das Bundesinstitut. Rohmilchabgabeautomaten hielten die Rohmilch zwar kühl und verhinderten eine Vermehrung von Bakterien, die Kühlung selbst führe jedoch nicht zu einer Keimreduktion, so dass das Infektionsrisiko bestehen bleibe. Nach Angaben des Berliner Bundesinstituts gab es in der jüngeren Vergangenheit gelegentlich Berichte zu Krankheitsausbrüchen mit Campylobacter in Verbindung mit der Abgabe von Rohmilch über Abgabeautomaten.

Gesetzlich sei geregelt, dass Rohmilch nicht ohne den Hinweis abgegeben werden dürfe, die Milch vor Verzehr abzukochen. Ausgenommen davon seien speziell überwachte Betriebe, die besondere Hygienemaßnahmen erfüllen müssen und damit sogenannte Vorzugsmilch vertreiben können, so das BfR. Die unverpackte Abgabe von Rohmilch dürfe nur direkt bei den Milcherzeugerbetrieben erfolgen (Milch-ab-Hof-Vermarktung), eine Abgabe an Betriebe der Gemeinschaftsverpflegung wie Kantinen oder Caterer sei nicht erlaubt. Abgabestellen von Rohmilch müssen darüber hinaus deutlich sichtbar mit der Aussage: „Rohmilch, vor dem Verzehr abkochen“ auf den sicheren Umgang mit dem Lebensmittel Rohmilch hinweisen, so das BfR. Weitere Informationen finden sich auf der Internetseite des Bundesinstituts unter www.bfr.bund.de.


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