Vielfalt, die man schmecken kann

09.05.2019
Netzwerk Streuobstwiesenschutz NRW zeichnet den Naturhof Kirsel als vorbildlichen Streuobstbestand im Kreis Kleve aus

Vorbildlicher Streuobstbestand: Johannes und Lissy van de Loo (3.u.4.v.l.) freuen sich mit Tochter Anne (3.v.r.) sowie dem LiKK-Vorsitzenden Hubert Lemken (l.) über die Auszeichnung, die Josef Peters als Vorsitzender der Kreisbauernschaft Kleve (4.v.r.) zusammen mit Christian Chwallek vom NABU NRW (2.v.l.) überreichte.

Engagiert sich im Verein Landschaftspflege im Kreis Kleve – kurz LiKK – vor allem um Erhalt, Pflege und Neuanlage von Streuobstwiesen: LiKK-Vorsitzender Hubert Lemken mit Sortenschild für einen Winterglockenapfel. Fotos: Christiane Närmann-Bockholt

Freiherr von Berlepsch, Jakob Lebel, Gelber und Roter Bellefleur, Rheinischer Bohnapfel, Gellerts Butterbirne: Das sind nur einige der meist wohlklingenden Sortennamen von rund 130 Hochstamm-Obstbäumen, die auf der 2 ha großen Weide in Uedem-Kirsel wachsen. Auf dem „Naturhof Kirsel“ war die Obstblüte bis auf wenige Ausnahmen durch, als am Dienstag letzter Woche die Familie van de Loo die Auszeichnung für ihren vorbildlichen Streuobstbestand entgegennehmen konnte.

Lebensraum für zahlreiche, gefährdete Arten

Vergeben wird diese Auszeichnung vom Netzwerk Streuobstwiesenschutz NRW, in dem sich seit Gründung im August 2017 die Projektpartner Rheinischer Landwirtschafts-Verband (RLV), Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband (WLV), Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt NRW (LNU), Naturschutzbund Deutschland (NABU) NRW und Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) für Schutz, Erhalt, Pflege und Neuanlage von Streuobstwiesen einsetzen. Zusammen mit Christian Chwallek, dem stellvertretenden Vorsitzenden des NABU NRW, überreichte Josef Peters als Vorsitzender der Kreisbauernschaft Kleve dem Ehepaar Lissy und Johannes van de Loo die Urkunde sowie eine Plakette.

„Ich gratuliere Ihnen zu Ihrem vorbildlichen Streuobstbestand und zu der Auszeichnung, die hier erstmalig im Kreis Kleve vergeben wird“, freute sich Peters und dankte dem Ehepaar van de Loo für sein Engagement. „Streuobstwiesen bieten einer Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten einen wertvollen Lebensraum und sind damit Hotspots der Biodiversität“, ergänzte Chwallek und wies auf den hohen Erlebniswert und nicht zuletzt auch auf den kulinarischen Aspekt von Streuobstwiesen hin. In Streuobstwiesen wie hier auf dem Naturhof Kirsel könne man die Vielfalt auch schmecken.

Davon konnten sich die Gäste beim Verkosten des Apfelsafts selbst überzeugen. Angelegt wurde die Obstwiese mit rund 130 Bäumen aus mehr als 25 verschiedenen regionalen Obstsorten in den Jahren 2003 und 2004 vom Landwirt Heinz van Bebber. Heute liegt die Betreuung bei Tochter Lissy van de Loo und ihrer Familie. Die Flächen werden mit Schafen beweidet, zudem grasen hier vier Nandus. „Die richtige Pflege ist das A und O und dazu gehört auch der regelmäßige Schnitt der Hochstammbäume“, berichtet Johannes van de Loo. Eine Streuobstwiese wirtschaftlich zu betreiben sei schwierig und es brauche viel Idealismus, räumte er ein. Den bringt die Familie mit und nutzt die Obstwiese für zahlreiche erlebnispädagogische Angebote auf ihrem Naturhof Kirsel vor allem im Herbst, wenn das Obst zu Saft verarbeitet wird.

Mitmachaktionen für Jung und Alt

Darüber hi­naus ist Familie van de Loo Mitglied im Verein Landschaftspflege im Kreis Kleve, kurz LiKK, über den Mitmachaktionen wie etwa Apfelsaftpressen oder Sauerkrautstampfen angeboten werden. Hubert Lemken, der LiKK-Vorsitzende, freute sich über die erste Auszeichnung einer Streuobstwiese im Kreis Kleve durch das Netzwerk Streuobstwiesenschutz. „Der Schwerpunkt unserer Arbeit im LiKK liegt im Schutz und in der Pflege, im Erhalt und in der Neuanlage von Streuobstwiesen“, erklärte Lemken. Rund 800 Hochstamm-Obstbäume werden durch den Verein jährlich gepflanzt, der sich auch anschließend dafür starkmacht, dass die Bäume gepflegt und das Obst sinnvoll genutzt werden. Dazu gehört, dass regelmäßig Schnittkurse angeboten werden. „Für die regionale Vermarktung haben wir ein Label ‚Naturobst vom Niederrhein‘ entwickelt“, berichtet Lemken. Informationen liefert der Verein auch über die Ausschilderung der Obstbäume mit Sortennamen. Über einen QR-Code auf den Sortenschildern lassen sich weitere Infos abrufen und damit mehr über die Eigenschaften der hier wachsenden Obstbäume erfahren.


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